Forscher schaffen doch noch Durchbruch

Forscher schaffen doch noch Durchbruch

PRÜM. Erfolg in der Verlängerung: Erst als die Geo-Wissenschaftler in Weinsfeld über die geplante Bohrtiefe hinaus gingen, stießen sie auf die erhofften Küstenablagerungen.

Aufschlüsseüber die Erdgeschichte gewinnen und Prognosen für künftigeKlimaentwicklungen ermöglichen: Das sind die Ziele einesspektakulären Forschungsprojekts im Prümer Stadtteil Weinsfeld.Seit dem 14. April wurden 1,50 Meter lange Gesteinskerne mit zehnZentimetern Durchmesser aus dem Loch gezogen (der TVberichtete). So ging es immer tiefer hinab, ohne technischeProbleme. Doch bei der Zielmarke von 150 Metern war deranvisierte Übergang zwischen zwei Epochen immer noch nichterreicht. Besonders dieser Wechsel zwischen Festland,Küstenlandschaft und Meer im Laufe von Millionen Jahreninteressiert die Forscher. Grund für die unerwartet starkenanderen Schichten könnten tektonische Verschiebungen sein, beidenen auch der Vulkanismus in der Eifel eine Rolle gespielt habenkönnte. Lange Vorbereitung hat sich gelohnt

"Wir haben rund telefoniert und geschafft, dass Geld für weitere zehn Meter genehmigt wird", berichtet Diplom-Geologin Simone Huwe vom Forschungsinstitut Senckenberg. Eine glückliche Entscheidung, denn bei etwa 155 Metern stieß die Bohrkrone auf Quarzit-Gestein, eine typische Küstenablagerung. "Alle haben sich gefreut, denn dadurch hat sich auch die lange Vorbereitung gelohnt", sagt Huwe. Mehrere Jahre Vorlauf sind bei einem solchen Projekt üblich, das zudem in ein weltweites Bohrungsprogramm eingebettet ist.

In 158,5 Metern Tiefe war endgültig Schluss. Dann schlug die Stunde für die Mitarbeiter des Instituts für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben. Mit Hilfe von Sonden folgten Messungen im Bohrloch nach elf Verfahren. Dabei geht es zum Beispiel um die elektrische Leitfähigkeit des Gesteins.

Über natürliche Gammastrahlen können Anteile von Uran, Kalium und Torium festgestellt werden. "Wir messen die Durchlässigkeit und erzeugen über Schallwellen ein Abbild der Bohrlochwand", erklärt Ferdinand Hölscher. "Wir unterscheiden, ob es sich um Tone oder Sande handelt." Das Grundwasser, mit dem das Bohrloch ab einer Tiefe von 15 Metern gefüllt ist, hat in 150 Metern Tiefe eine Temperatur von elf Grad Celsius.

Abschließend füllten die Arbeiter das Loch mit Kiessand, einer Tonsperre und Mutterboden auf. Die nach Grubenhagen transportierten Bohrkerne werden im Hinblick auf das Magnetfeld untersucht. Im Landesamt für Geologie und Bergbau werden die Kerne aufgesägt.

Die beteiligten Institute, darunter das Forschungszentrum Jülich, entnehmen Proben, um zum Beispiel mikroskopisch kleine Pflanzenreste aufzuspüren.

Die Ergebnisse des Weinsfelder Forschungsprojekts werden im Internet unter www.espec-online.de präsentiert. Dort soll auch anschaulich dargestellt werden, wie die Erde vor Millionen Jahren aussah. Die Seite befindet sich zurzeit noch im Aufbau.