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Fotografin schreibt Buch über persönliche Integrationsgeschichten

Buchprojekt : Fotografin schreibt Buch über persönliche Integrationsgeschichten

Als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wurden auch in Bitburg unbegleitete Jugendliche aufgenommen. Die Fotografin Bettina Bartzen hat sie begleitet und ihre Geschichten aufgeschrieben.

Abdullah Dorman ist 16 Jahre alt, als er am 5. November 2015 in Bitburg ankommt. 50 Tage war er von Afghanistan nach Trier unterwegs. Seine Mutter starb, als er ein Jahr alt war, seinen Vater verlor er fünf Jahre zuvor bei einer Explosion. Sein erstes deutsches Wort war „Nagelknipser“, dass er tagelang gelernt hat. Seitdem hat er einen beeindruckenden Weg hinter sich gebracht. Er hat die deutsche Sprache gelernt, den Führerschein gemacht, eine Ausbildung zum Koch absolviert, eine eigene Wohnung bezogen und arbeitet im Simonsbräu in Bitburg als Koch. Insgesamt sieben Jugendliche sind mit ihm damals angekommen. Sie haben gemeinsam in einem Wohnprojekt zusammengelebt. Er berichtet: „Fast alle haben inzwischen ihre Ausbildung fertig und den Führerschein. Sie sind Elektriker, Karosseriebauer, Maler- und Lackierer oder Fachinformatiker.“ Für ihn sei besonders die Sprache der Schlüssel zur Integration gewesen. „Ich habe weder Deutsch noch Englisch gesprochen, das war nicht einfach.“

Seine, und die Geschichte fünf anderer Jugendliche, die vom Karree Eifel e.V. begleitet worden sind, hat Bettina Bartzen in ihrem Buch „Afghanistan Bitburg 6949 Kilometer für ein neues Leben“ aufgeschrieben. Dabei hat sie in verschiedenen Abständen mit ihnen gesprochen, Fotos von ihnen gemacht und auch die Statements ihrer Betreuer mitaufgenommen.

Durch die Portraitfotos auf der einen und den persönlichen Gedanken der Jugendlichen auf der anderen Seite, ist das Buch sehr persönlich und bringt dem Leser das abstrakte Thema näher.

Ein Beispiel hierfür ist auch Darab Begzoada, aus Afghanistan. Er macht eine Ausbildung als Bauten- und Objektbeschichter und berichtet im Januar 2017: „Ich denke manchmal an Afghanistan. Ich weiß nicht was passiert, werde ich abgeschoben? Ich habe große Angst davor. Mir gefällt es in Deutschland, weil man hier in Freiheit lebt und alles machen kann. Afghanistan finde ich gut, weil es meine Heimat ist.“

Bettina Barzen hat bei ihren Besuchen im Karree und bei den Ausbildungsstellen der Jugendlichen festgestellt: „Besonders die Sprache ist wichtig für die Integration und dass man gut lernen kann. Dazu ist eine gute psychische Verfassung wesentlich. Es ist für die Jugendlichen sehr anstrengend, mit sich selbst zurecht zu kommen und sich gleichzeitig mit dem neuen Land und der neuen Kultur auseinanderzusetzen.“

Zum Buch ist es gekommen, weil Bettina Bartzen in einem neuen Fotoprojekt mit Portraits und Fotos die Situation der minderjährigen Flüchtlinge in der Eifel zeigen wollte.

Unterstützt wurde das Projekt vom Ministerium für Familie, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz und der Kreissparkasse Bitburg-Prüm. Die Bollendorfer Fotografin hat bereits ähnliche Projekte auf den Weg gebracht. 2009 erschien ihr Fotobuch „Bitburger Mitbürger“, dass ein Portrait der Stadt Bitburg durch die Menschen und ihre Berufe ist.

In „Jugend in der Eifel“ aus dem Jahr 2012 hat sie 60 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 25 Jahren erzählen lassen, über das Lebensgefühl in der Eifel, ihren Zukunftsträumen und Plänen.

Das Buch „Afghanistan Bitburg“ gibt es bei der Kulturgemeinschaft Bitburg für fünf Euro oder bei Bettina Bartzen direkt.