(Fotostrecke) Spring, Pilger, spring!: 10 000 Gläubige huldigen heiligem Willibrord bei Prozession in Echternach

(Fotostrecke) Spring, Pilger, spring!: 10 000 Gläubige huldigen heiligem Willibrord bei Prozession in Echternach

Der 1000 Jahre alte Sprung zu Ehren des heiligen Willibrord ging Scharen an Pilgern bei Sonnenschein in Echternach leicht von den Füßen. Unzählige Gläubige aus der Region sind am Pfingstdienstag in das Sauerstädtchen gepilgert, um ihrem Glauben mit der traditionellen Sprungsequenz Ausdruck zu verleihen.

Ein schönes Glaubensfest haben die Waxweilerer der Großregion damit eingebrockt, "dass sie dem Missionar Willibrord bei seiner Predigt im Jahr 728 nicht so genau zugehört haben", wie Pilger-Brudermeister Werner Telkes aus Waxweiler erklärt. Der Sage nach, so Telkes, habe Willibrord den Eifelern deshalb zur Strafe befohlen, künftig jedes Jahr von Waxweiler zum Kloster nach Echternach zu tanzen.Gläubige kommen ins Schwitzen

Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)


Viele Eifeler, Luxemburger, Franzosen und Belgier kommen diesem läuternden Aufruf Willibrords, der kurz nach seinem Tod heiliggesprochen wurde, auch 2016 mit Freude nach. Wie die Echternacher Tourist-Information mitteilt, sind knapp 10 000 Gläubige am Pfingstdienstag in das luxemburgische Sauerstädtchen gepilgert, um dort ihrem Glauben auf eine etwas sportliche Art und Weise Ausdruck zu verleihen - zum Gefallen der Zuschauer in den Gassen. "Es ist zwar heute Morgen etwas kühl", spricht Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, zu den 41 Pilgergruppen, die sich bei strahlender Sonne vor der Springprozession auf dem Innenhof der Echternacher Basilika versammelt haben, "aber wie man am Sonnenschein erkennt, kann es der Willibrord auch mit dem Wetter. Lasst uns mit der Springprozession ein Zeichen für die Freiheit des Glaubens setzen."

Geistlichen Beistand bekommen die Pilger in Echternach dazu von Bischöfen, Äbten und Priestern vieler Länder. Von deutscher Seite begrüßt Hollerich den Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters, Abt Johannes vom Kloster Himmerod sowie Ignatius Maaß, Abt der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. Gegen 9.30 Uhr gibt der Musikverein Waxweiler den Ton an. Im Rhythmus der Blasmusik setzt sich die erste Gruppe mit 200 Pilgern aus Arzfeld, Prüm, Waxweiler und Bollendorf in Bewegung. Sie haben Reihen gebildet und sind mit ihrem jeweiligen Nebenmann durch weiße Tücher, an denen sie einander halten, verbunden. Im Takt des Prozessionsmarsches springen sie in seitlichen Schritten vorwärts, verweilen jeweils kurz auf einem Fuß, um dann mit dem anderen Fuß zum nächsten Schritt anzusetzen. "Springen macht sehr viel Spaß", sagt der achtjährige Philipp, der mit seinen Klassenkameraden von der Grundschule Irrel mitspringt. Auch Ute Robeler, Elternsprecherin der Klasse 4a ist mit dabei: "Ich bin auch schon als Kind mitgesprungen. Das liegt mir im Blut." Den Pilgerzug führt der 16-jährige Maximilian Wilhelm aus Arzfeld an. Als Fahnenträger hat er es nicht leicht. "Aber ich bin stolz darauf. Das Amt habe ich von meinem Opa geerbt. Nur die Beine tun mir weh." Kein Wunder: Denn die Gruppe, die am Montagmorgen in Prüm gestartet ist, hat bereits 70 Kilometer Fußmarsch in den Knochen stecken. "Aber die Mühen lohnen sich", sagt Brudermeister Telkes, der seit 30 Jahren mit dabei ist.

Doch selbst der trainierte Pilger kommt bei der Springprozession etwas ins Schwitzen. Das verraten die Schweißperlen auf den angestrengten Gesichtern vieler Springer, die auf den letzten Metern der knapp einen Kilometer langen Rundstrecke durch Echternach unterwegs sind. Zum Abschluss hopsen sie tief in das Gewölbe unter der Echternacher Basilika am Grab des heiligen Willibrord vorbei, wo dessen Gebeine aufbewahrt werden. Dann geht es wieder hinauf in die Basilika und durch das lange Kirchenschiff weiter zum Ausgang. Jetzt sind die Pilger erlöst. Telkes freut sich auf eine Flasche kaltes Bofferding: "Wir setzen uns jetzt im Pilgerheim auf die Terrasse und lassen die zwei Tage Revue passieren. Nur, wenn man einmal sitzt, hat man Probleme, wieder hochzukommen." Kein Problem, denn zurück geht es für die Pilger aus der Eifel mit dem Auto. Telkes: "Heute Abend bringe ich in Waxweiler noch die Fahne zurück in die Kirche, zünde dort eine Kerze an und danke dem Herrgott, dass alles gut gegangen ist. Danach nehme ich ein heißes Bad und ab ins Bett."