1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Franken, Kelten und ein Herzog

Franken, Kelten und ein Herzog

Im kommenden Jahr feiern die Bitburger die erste urkundliche Erwähnung der Stadt - vor 1300 Jahren. Grund für den TV, sich auf Spurensuche zu begeben: Wie hat Bitburg ausgesehen - im Jahr 715?

Bitburg/Castrum bedense. Ob wir uns nicht ein anderes Jahr aussuchen wollen, fragt Burkhard Kaufmann, Leiter des Kreismuseums Bitburg-Prüm, und lacht. Denn gerade über dieses wisse man doch so gut wie gar nichts. Wir aber wollen so ziemlich genau 1300 Jahre zurück - in das Jahr 715: das Jahr, in dem Bitburg zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird. Das Jahr, das die Stadt 2015 groß feiern wird (siehe Extra). Und das Jahr, über das man so gut wie nichts weiß.
Aber ein bisschen was eben doch: "Was man weiß", erzählt Stadtarchivar Dr. Peter Neu, "ist, dass sich ein bedeutender Mann in der Stadt aufgehalten hat: ein Onkel zweiten Grades von Karl dem Großen, ein Vetter von Pippin dem Kleinen." Die Rede ist von Herzog Arnulf.
Und der hat seine Unterschrift unter eben jene Urkunde gesetzt, auf der Bitburgs Name als "castrum bedense" erstmals in der Geschichte bezeugt wird - und das einfach nur, weil Herzog Arnulf zu dem Zeitpunkt in Bitburg war. Warum und ob er sich dort länger aufgehalten hat - das sei alles nicht bekannt, sagt Neu. Auch die Familie des Herzogs sei ab und zu in der Gegend gewesen, das wisse man.
Der Akt selbst hatte rein gar nichts mit Bitburg zu tun: Mit der Urkunde schenkte Herzog Arnulf dem Benediktiner-Kloster Echternach seinen Anteil von Bollendorf - nämlich: den halben Ort. "Die andere Hälfte gehörte Karl Martell", sagt Neu. Und der, übrigens ein Onkel Arnulfs, ist auf der Urkunde auch abgebildet.
Wer sich davon selbst überzeugen will: Eine Replik des Dokuments wird im Stadtarchiv aufbewahrt und nächstes Jahr in einer Ausstellung in der Galerie im Haus Beda gezeigt. Das Original ist gar nicht überliefert. Erhalten ist die Urkunde in zwei Versionen. Solche Dinge habe man früher "immer gleich ein paar Mal abgeschrieben", erzählt Neu. Zum Glück - sonst könnte Bitburg dieses Jubiläum 2015 nicht feiern.
Fest steht also: Bitburg existierte 715, und König Arnulf war zu diesem Zeitpunkt dort - tatsächlich war die Geburtsstunde der Stadt schon früher, nämlich vor mehr als 2000 Jahren: Experten nehmen an, dass die römische Straßenstation Beda um 10 nach Christus an der römischen Fernstraße von Trier nach Köln entstand und sich aus dieser eine größere Ansiedlung entwickelte.
Doch wie hat die Stadt im Jahr 715 ausgesehen? Und wie haben die Menschen gelebt? Da wird die Sache schon schwieriger.
"Kein Mensch weiß, wie viele Einwohner es damals gab", sagt Neu. Die ersten Haushaltszählungen seien aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. "Da gab es vielleicht 40 bis 50 Haushalte. Wenn man davon ausgeht, dass zehn Mann auf einen Haushalt kommen, waren es da vielleicht 400 Einwohner." Erst um 1800 sei die Zahl der Einwohner auf mehr als 1000 gestiegen.Miteinander zweier Völker


Neu ist sich sicher: "An der höchsten Stelle der Stadt, dort wo heute die Liebfrauenkirche steht, muss es früher auch ein Gotteshaus gegeben haben." Und sonst? Fragen wir Marcus Thiel, Grabungstechniker beim Landesmuseum Trier. Archäologisch gebe es nur wenig über diese Zeit zu sagen. Einzelne Scherben und Keramiken, die man inzwischen am Kobenhof gefunden habe, seien zwar erst noch genauer zu bestimmen, aber vermutlich eher ins 5. oder 6. Jahrhundert zu datieren, sagt Thiel. Ebenso die frühmittelalterlichen Funde im Gräberfeld bei Brauerei und Peterskirche. Was Thiel sagen kann: "Es scheint so zu sein, dass das Kastell als Kernpunkt der Stadt in dieser Zeit Bestand hatte." Das sei erst später, 1239, erneuert worden, nachdem es mehr und mehr dem Verfall preisgegeben war.
Und noch einen Hinweis hat er: Auch wenn sich nur darüber spekulieren lässt, wie viele Menschen Bitburg 715 bevölkerten - vermutlich lebten dort Einheimische und Zuwanderer gemeinsam. Der Grund: die Völkerwanderung. Von einem Miteinander von zwei verschiedenen Völkern geht auch Kreismuseumsleiter Kaufmann aus: den zugewanderten Franken und den ansässigen, romanisierten Kelten. "Aber welche Sprache gesprochen wurde, weiß man nicht", sagt er. "Wir können Fragen stellen. Aber wir haben nicht genügend Anhaltspunkte, um uns vor unserem inneren Auge ein Bild davon zu machen, wie es damals tatsächlich ausgesehen hat."Extra

Karl Martell und die Urkunde aus 715 – zumindest als Kopie.TV-Foto: Eileen Blädel

Bitburg hat 2015 einiges vor: Da die erste urkundliche Erwähnung bereits 1965 Anlass zu einer 1250-Jahrfeier gab, deren Höhepunkt das erste Europäische Folklore-Festival (damals noch Europäisches Grenzlandtreffen) war, jährt sich auch dieses Ereignis - nämlich zum 50. Mal. Termin: 10. bis 13. Juli. Zudem richtet die Stadt das Auftaktwochenende des Kultursommers Rheinland-Pfalz aus, dessen Motto "Helden und Legenden" lautet. Geplant sind kulturelle Veranstaltungen und eine Revue der Jahrhunderte im Waisenhauspark. Auch die Milites Bedensis schlagen ihr Lager auf: Die römischen Soldaten im Bitburger Land feiern ihr 20-jähriges Bestehen. Termin: 8. bis 10. Mai. Die kleinen Bürger werden ebenfalls nicht vergessen: Unter dem Motto "Bitburg - die junge Stadt" bietet das Haus der Jugend, in Zusammenarbeit mit der Stadt, ein großes Kinderfest. Termin: 18. bis 20. September. Zurück zum eigentlichen Anlass: Stadtarchivar Dr. Peter Neu stellt eine Ausstellung zusammen, die durch 1300 Jahre Bitburg führt. Auch Archive und Museen aus dem In- und Ausland stellen Exponate bereit, die in der Galerie im Haus Beda zu sehen sein sollen: die Schweistal-Chronik kommt aus dem luxemburgischen Nationalarchiv, ein Stadtplan aus dem Jahr 1808 aus dem Landeshauptarchiv Koblenz. Termin: 11. April bis 10. Mai. eib Weitere Informationen unter www.bitburg.de