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Französisch lernen aus erster Hand

Französisch lernen aus erster Hand

Ein Schuljahr lang kommen Kinder und Jugendliche am Regino-Gymnasium nun in den Genuss, die Fremdsprache Französisch direkt von einer Normannin zu lernen. Als Sprachassistentin unterstützt Charlotte Masse seit Oktober das Kollegium.

Prüm. Voilà: Vokabel für Vokabel prügeln sich Schüler mühevoll in den Kopf, lernen Grammatik und unregelmäßige Verben und sind irgendwann firm in der Fremdsprache, in diesem Fall Französisch - zumindest in der Theorie. Stehen sie nämlich erstmals vor einem Muttersprachler, merken viele, dass sie zwar eine Sprache gelernt haben, was aber nicht unbedingt bedeutet, sie auch im Alltag anwenden zu können. Das können sie am Regino-Gymnasium nun aber üben: Für ein Schuljahr verstärkt die französische Studentin Charlotte Masse als Sprachassistentin das Kollegium.
Ermöglicht wurde der Arbeitsbesuch vom Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz (PAD; siehe Hintergrund). "Charlotte Masse ist wirklich eine Bereicherung für uns", sagt Schulleiter Albrecht Petri. Das PAD habe die Schule angeschrieben und vorgeschlagen, einen Gast aufzunehmen. "Wir beschlossen mitzumachen und entschieden, dass als erstes Französisch gefördert werden muss." Es sei einfach genial, eine Muttersprachlerin vor Ort zu haben: "Der Unterricht kann ganz anders gestaltet werden. Frau Masse begleitet noch hauptsächlich die regulären Schulstunden", bald aber werde sie auch eigene Angebote machen. "Wir haben keinen Französisch-Leistungskurs in der aktuellen Stufe Elf. Für alle, die mehr leisten wollen als im Grundkurs angeboten wird, richten wir demnächst eine Art Konversations-AG ein", sagt der Schulleiter.
Gut gelitten bei den Schülern


Die junge Frau aus der Normandie nach Prüm einzuladen sei eine fantastische Idee, findet auch die Zehntklässlerin Aninja Fischer (16). "Es ist ja erstaunlich, jahrelang lernt man eine Sprache und glaubt sie einigermaßen zu beherrschen, bis man vor einer Muttersprachlerin steht und merkt - huch, die redet ja ganz anders als gedacht, viel schneller und mit einem ungewohnten Dialekt." Ihre Mitschülerin Lena Nelles (15) schätzt den etwas anderen Unterrichtszugang der neuen Lehrerin: "Sie macht viele Dinge einfach etwas anders. Gut gefallen hat mir zum Beispiel, dass wir jetzt sanft an die Umgangssprache herangeführt werden. Zum Beispiel, indem wir Liedtexte anhören und in einem Lückentext fehlende Wörter ergänzen." Gut sei auch, dass Charlotte - wie die Schüler die Sprachassistentin übrigens nennen - im Unterricht ohne Ausnahme Französisch spreche.
"Das ist erstmal ungewohnt, aber sinnvoll. Wenn man ein Wort nicht kennt, dann wird es halt französisch erklärt und nicht einfach übersetzt." Schnell merke man so, dass es nicht tragisch sei, wenn man ein paar Wörter nicht kenne, sagt Aninja Fischer. "Die erschließen sich mit etwas Übung und man erweitert ganz automatisch den Wortschatz."
Die Neuprümerin Charlotte Masse ist angetan von ihrer neuen Heimat auf Zeit. In einem Interview mit der Klasse 6b (siehe Extra) schildert sie ihren ersten Eindruck vom Einsatz im Nachbarland.
Sie werde jungen Leuten auf jeden Fall empfehlen, ins Ausland zu gehen: "Ich finde, dass es sehr wichtig ist, um seinen Alltag zu verändern. Ich finde es auch schön, neue Kulturen, Städte und Landschaften kennen zu lernen." Man reife durch die Erfahrungen, aber es sei auch eine Herausforderung, Familie, Freunde und Verwandte alleine zu lassen.Extra

Der Pädagogische Austauschdienst (PAD), 1952 gegründet und der Kultusministerkonferenz unterstellt, ermöglicht Pädagogen und angehenden Lehrern internationale Begegnungen. Ziel des PAD ist unter Pädagogen und angehenden Lehrern internationale Begegnungen zu ermöglichen. Schüler sollen in Deutschland wiederum von Fremdsprachenunterricht profitieren, der von jungen Muttersprachlern gegeben wird. Ebenfalls auf der Agenda steht die Förderung des Studien- und Unterrichtsfachs Deutsch im Ausland. Ein Programm des PAD widmet sich der sogenannten Fremdsprachenassistenz. Jedes Jahr engagieren sich hierbei rund 1000 Studierende aus dem Ausland an Schulen in Deutschland. Sie bewerben sich direkt in ihrem Heimatland für eine Assistenzzeit in Deutschland. Weitere Infos im Internet unter: <%LINK auto="true" href="http://www.kmk-pad.org" text="www.kmk-pad.org" class="more"%> affExtra

Zum Antritt von Charlotte Masse führte die Klasse 6p ein Interview mit der Sprachassistentin. Unter anderem fragten die Schüler nach ihrer Heimat. Charlotte Masse dazu: "Ich bin in Dieppe geboren und wohnte zunächst in der Normandie. Meine Eltern wohnen in Bacquevillen en Caux, dies ist meine Heimatstadt." Sie studiere seit drei Jahren in Rouen das Fach "Angewandte Fremdsprachen Deutsch-Englisch". Nach Deutschland sei sie gekommen, um die Kultur zu entdecken und ihr Deutsch zu verbessern. Prüm finde sie sehr schön und ruhig. Im Alltag falle ihr wiederum auf, dass Deutsche früher zu Abend essen als ihre französischen Nachbarn und deutlich mehr Müll trennen. Die Schüler beteiligen sich übrigens mündlich mehr als in Frankreich. Das gesamte Interview kann im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.regino-gymnasium.de" text="www.regino-gymnasium.de" class="more"%> gelesen werden. aff