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Unwetter: Frau stürzt in den Ehlenzbach

Unwetter : Frau stürzt in den Ehlenzbach

Feuerwehrleute beobachten die Pegelstände. Noch droht kein Hochwasser – vorausgesetzt, es kommt nicht noch mehr Regen. Glück im Unglück hatte eine Frau in Ließem, die mit leichten Verletzungen aus einem Gewässer gerettet wurde.

Die Bäche im Bitburger Land, sonst kleine Rinnsale, führen nach dem Starkregen der vergangenen Tage richtig Wasser. Auch der Ehlenzbach bei Ließem. Das wurde einer 72-jährigen Frau fast zum Verhängnis.

Die Frau war am Donnerstagnachmittag auf ihrem Grundstück in Ließem dabei, Laub, Steine und Schlamm einzusammeln, die der Sturm dort zurückgelassen hatte. Sie wollte ihren Eimer mit dem Unrat in den Ehlenzbach entleeren, der unmittelbar an das Grundstück grenzt. Dann stürzte sie auf einer Treppe, die zum Bach führt.

Der sonst kleine Ehlenzbach hatte nach Angaben der Polizei stellenweise eine Wassertiefe von 1,50 Meter und „eine hohe Fließgeschwindigkeit“, wie Polizist Tino Schwarz sagt. So sei  die Frau einige Meter von dem Bach mitgetrieben worden, bevor es ihr gelang, einen Ast zu greifen, um sich festzuhalten.

Als der Ehemann bemerkte, dass seine Frau nicht zurückgekommen war, machte er sich auf die Suche und alarmierte die Feuerwehr. Noch bevor die Wehrleute eintrafen, hatte der Mann mit seinem Sohn die Frau aber gefunden und aus dem Bach gezogen. Die 72-Jährige wurde vom Rettungsdienst ins Krankenhaus Bitburg gebracht. Nach Angaben der Polizei kam sie mit leichten Verletzungen davon.

Überall führen die Bäche und Zuläufe nach dem Starkregen viel Wasser. „Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks fahren alles regelmäßig ab“, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Larisch. Keine Frage: Auch im Eifelkreis haben die Rettungsdienste die Pegelstände im Blick.

„Wir liegen knapp unter der kritischen Marke“, sagt Larisch. Nun hänge alles davon ab, „ob was nachkommt“. Das Problem: Die Böden sind mit Wasser vollgesogen und  nehmen nichts mehr auf. Bei weiterem Starkregen könnte es also auch in der Eifel eng werden.

„Einen Tag war es an der Nims grenzwertig“, sagt Bitburgs Wehrleiter Manfred Burbach. Im Stadtteil Stahl mussten zuletzt im Juni 2016 Sandsäcke verteilt wurden, als nach Starkregen Überschwemmung drohte.

Damals hatte sich das Hochwasser von Schönecken über Lasel und Bickendorf gen Bitburg runtergedrückt. In Lasel mussten Anwohner mit Booten aus ihren Häusern gerettet werden, in etlichen Häusern liefen Keller voll, Straßen waren geflutet (der TV berichtete). Solche Szenen befürchtet in der Eifel aktuell keiner der Wehrleute.

Ein paar Anwohner hätten vorsorglich ihre Garagen leer geräumt, sagt Burbach. Aber die Pegelstände würden fallen. „Wir sind an der Nims in Stahl jetzt bei 1,30 Meter – ab 1,80 Meter wird es ernst“, sagt Burbach. Wenn es nicht noch mal heftig regnet, würde der Puffer von 50 Zentimetern reichen. „Allerdings“, sagt Burbach, „haben wir in den vergangenen Tagen ja auch gemerkt, dass die Pegel binnen einer Stunde um 30 Zentimeter steigen können.“ Im Bitburger Land, sagt Wehrleiter Klaus-Peter Dimmer, sei vor allem die Kreisstraße zwischen Birtlingen und Messerich schnell überschwemmt. Auch diese beiden Orte liegen an der Nims. Derzeit drohe keine Gefahr, sagt Dimmer.

 Baden auf eigene Gefahr: Schwimmen würde bei diesem Pegel wohl keiner in der Kyll bei Erdorf.
Baden auf eigene Gefahr: Schwimmen würde bei diesem Pegel wohl keiner in der Kyll bei Erdorf. Foto: TV/Christian Altmayer
 Auch die Nims in Bitburg-Stahl führt wesentlich mehr Wasser als sonst.
Auch die Nims in Bitburg-Stahl führt wesentlich mehr Wasser als sonst. Foto: TV/Christian Altmayer

Ähnlich sieht es in der Südeifel aus. Dort, wo die Prüm schon vor Jahren für richtige Überschwemmungen gesorgt hat, sieht es im Moment „entspannt“ aus, wie der stellvertretende Wehrführer Frank Weis sagt. Nun hänge alles davon ab, ob es wieder regnet. „Wir haben die Ortsbürgermeister und Wehrführer informiert, dass sie die Lage im Blick behalten“, sagt Weis. Am Sauerstaden in Bollendorf sei es am Donnerstagabend schon zu leichten Überschwemmungen gekommen. Aber jetzt würden die Pegelstände wieder fallen. Gestern wurden an der Sauer bei Bollendorf 3,30 bis 3,40 Meter gemessen. „Ernst wird es ab einem Pegelstand von 4,20 Metern“, sagt Weis. Außer der Hochwassergefahr treibt die Rettungskräfte noch eine andere Sorge um: Wegen der aufgeweichten Böden haben die Bäume wenig Wurzelhaftung. Vor allem bei flachwurzelnden Arten, wie etwa der Kiefer, kann das problematisch werden. Kreisfeuerwehrinspekteur Larisch sagt: „Wenn da jetzt noch ein richtiger Sturm drüberfegt, ist mit jeder Menge Bruch zu rechnen.“