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Freiheit erleben - TV-Reporterin Sarah Jasmin Schmidt steigt zum ersten Mal in einen Segelflieger

Freiheit erleben - TV-Reporterin Sarah Jasmin Schmidt steigt zum ersten Mal in einen Segelflieger

Freiheit? Was bedeutet das eigentlich? Seit meinem ersten Segelkunstflug in Utscheid kann ich es erklären. Das Gefühl, das mir auf meiner Reise in Richtung Himmel begegnet.

Utscheid. Es ist so weit: Wir beginnen mit der ersten Kunstfigur. Ich ziehe die blauen Gurte ruckartig fest. Sie drücken meine Schultern nach unten. Noch einmal ziehe ich links ein bisschen nach, und zur Sicherheit doch noch einmal rechts. Ich umfasse die Schnallen. Der Segelflieger wackelt mit seinen Flügeln hin und her. Das Zeichen, dass wir in wenigen Sekunden mit dem Kunstflug starten. Die Nase des Fliegers sinkt. Mein Magen fängt in meinem Körper an zu schweben…

Doch nun zum Anfang: Michael Heyen, der Mann, den alle freundlich "Locke" nennen, zieht mir gerade meinen Lebensretter an. Den Fallschirm mit dem roten Griff, den ich mit beiden Händen anziehen soll, falls ich aus dem Flieger springen müsste. Symbolisch zieht Locke an dem Henkel und schlägt mir dabei fast die Zähne aus. Alle lachen. Auch Jörg, der Pilot des heutigen Tages. Er sitzt bereits gemütlich in seinem Sitz. Etwas zittrig setze ich mich hinter ihn. Locke steckt mir die Kotztüten zwischen die blauen Gurte, direkt vor meinen Bauch. Sie sehen schon etwas zerknittert aus. Ihre lila Farbe bröckelt ein bisschen ab. Ach, was soll's! Denke ich. Falls mir übel wird, ist mir das sicherlich egal.

Locke zeigt mir die Griffe der Glaskuppel. Links, rechts. Wenn ich die Kuppel öffnen möchte, soll ich ziehen, drücken, stoßen. Alles der Reihe nach. Ach ja, vorher noch abschnallen. Springen. Ich bin verwirrt. Es geht alles viel zu schnell. Im Handumdrehen schließt Locke die Kuppel, und es wird ruhiger. Das Motorflugzeug, auch Schlepper genannt, zieht den Segelflieger langsam über die grüne Wiese. Ein letztes Mal blicke ich auf den roten Griff meines Lebensretters. Wir heben ab.

Die ersten ruhigen Flugminuten: Auf 1250 Metern angekommen ist es angenehm kühl. Die Flugtemperatur sinkt bei dieser Höhe um zehn bis zwölf Grad. Durch eine kleine Öffnung rechts von mir strömt frische Luft. Vor mir sind drei verschiedene runde Anzeigen, wie beim Armaturenbrett meines Autos. Jörg erklärt mir, was sie bedeuten, aber ich verstehe ihn nicht richtig. Immer wieder stört der Funk des Schleppers. Ich höre nur ein Rauschen und sehe, wie uns das Seil des Motorflugzeuges immer höher zieht. Ich schaue nach draußen und konzentriere mich auf die Landschaft. Atemberaubend, denke ich. An der Glaskuppel über mir klebt ein kleiner roter Faden, der im Wind hin und her flackert. Er ist mit einem kleinen Klebestreifen befestigt. Jetzt kann ich Jörg verstehen. Er sagt mir, dass der Faden uns anzeigt, ob wir in gerader Richtung fliegen. "Du kannst gerne mal den Steuerknüppel bedienen", sagt er. Ich nehme ihn vorsichtig in beide Hände. Schon bei der kleinsten Bewegung geht das Flugzeug hoch oder runter - wie beim Lenken auf der Autobahn mit 200 Sachen. Ich lasse den Knüppel wieder los und genieße lieber wieder die Landschaft.

Mitten in der ersten Kunstfigur: Wir steuern geradewegs Richtung Erde. Die blauen Schnallen umschließen fest meinen Körper. Langsam gewöhnt sich mein Magen an die Kräfte, die auf ihn wirken. Ich fühle mich sicher. Wir fliegen grünen Feldern und kleinen Bäumchen entgegen. Die Landschaft breitet sich, wie auf einem Tablett, vor mir aus. Plötzlich fühlt sich alles leicht an. Ich denke nicht mehr an den roten Griff. Nicht mehr an die Kotztüten. Nicht mehr an die festen Gurte, die meinen Körper umschnallen. Nach der ersten Kunstfigur fragt Jörg, ob es mir gut geht. Ich will mehr.

Die Angst ist wortwörtlich verflogen. Als Nächstes kommt ein Looping. Die Nasenspitze des Fliegers richtet sich langsam zum Himmel. Ich fliege dem Weiß und Blau entgegen. Ich bin auf einer Sonnenliege und beobachte die Welt durch eine glasklare Kuppel. Wir drehen uns in Zeitlupe. Ich sehe langsam, wie sich die Umgebung verändert. Es ist still. Es ist Frieden. Die Welt gehört mir.

Jetzt liegt das Flugzeug auf dem Rücken. Mein Körper hängt in den Gurten. Wenn sich jetzt die Schnalle löst, schießt es mir kurz durch den Kopf. Aber daran möchte ich jetzt nicht denken. Ich möchte das Gefühl genießen. Ich sitze in einem Segelflieger, der mit über 200 Kilometern pro Stunde durch die Luft düst, aber ich fühle mich wie ein freier Vogel, der die Natur erkundet. In einer anderen Figur werde ich mit einer g-Kraft von 5,5 in den Sitz gepresst. Mein Kopf drückt sich schräg nach hinten. Ich spüre, wie meine Haut sich nach hinten zieht. Die Vorstellung, wie ich jetzt aussehen könnte, bringt mich innerlich zum Schmunzeln. Weil ich mich jedoch keinen Zentimeter bewegen kann, ist Lachen unmöglich. Langsam dreht sich der Flieger noch einmal in die Gerade. Der Druck fällt ab und ich beginne laut zu lachen.

Der Kunstflug neigt sich dem Ende zu. Wir fliegen in einer Spirale langsam in Richtung Flugplatz. Das grüne Feld kommt immer näher. Ich bereite mich auf eine holprige Landung vor, aber wir setzen ganz sanft auf. Der Flieger kommt zum Stehen. Im Augenwinkel sehe ich den Fotografen auf uns zu rennen, der die ersten Eindrücke ergattern möchte. Ich klappe die Kuppel hoch und sage: "Das war das Beste, was ich seit Langem erlebt habe". Das Gefühl von Freiheit.Extra

 Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss.
Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss. Foto: klaus kimmling (e_bit )
Freiheit erleben - TV-Reporterin Sarah Jasmin Schmidt steigt zum ersten Mal in einen Segelflieger
Foto: klaus kimmling (e_bit )
 Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss.
Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss. Foto: klaus kimmling (e_bit )
 Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss.
Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss. Foto: klaus kimmling (e_bit )
 Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss.
Der rote Griff des Fallschirms: Er soll gezogen werden, falls man im Notfall aus dem Segelflieger springen muss. Foto: klaus kimmling (e_bit )

Der Segelflugverein Südeifel hat zurzeit 77 Mitglieder. Interessierte können ab 14 Jahren mit dem Segelflugschein anfangen. Die Mitgliedsbeiträge kosten je nach Einkommen und Alter von 22 bis 64 Euro plus Einstandsgebühren. Ein Schnupperkurs kostet um die 40 Euro. Er beinhaltet sechs Starts sowie eine begrenzte Mitgliedschaft für die Dauer des Kurses - ohne jegliche Verpflichtung. Jeder, der alleine segelfliegen möchte, muss zunächst den normalen Segelflugschein machen. Das dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. Um kunstfliegen zu dürfen, lernt man in Bitburg eine Woche lang Theorie und Praxis, danach gibt es einen Prüfungsflug. sjs