Freizeit-Center wandert in die Schublade

Freizeit-Center wandert in die Schublade

KYLLBURG. Für weitere fünf Jahre pachtet Hajo Römer die Gastronomie im Kyllburger Schwimmbad. Eine Teilprivatisierung der Einrichtung selbst ist vorläufig passé: Die Verbandsgemeinde (VG) bleibt Betreiberin des Bads.

Eineinhalb Jahre nach dem Beginn der Diskussion über eine völlige Neuausrichtung des Freibads in Kyllburg ist eine Entscheidung gefallen. Nachdem der VG-Rat einen speziellen Arbeitskreis gebildet und die beiden favorisierten Bewerber persönlich gehört hatte, fiel der Beschluss in nichtöffentlicher Sitzung des Hauptausschusses. "Der Vertrag mit dem bisherigen Betreiber Hajo Römer wird um fünf Jahre verlängert", teilt VG-Büroleiter Albert Weber mit. "Die Mitglieder haben alles kritisch geprüft und sich die Sache nicht leicht gemacht." Damit kommt das Konzept eines "Kylltal Riverside Freizeit- und Recreation Centers" nicht zum Tragen. Gastwirt Winfried Clemens aus Malbergweich hatte ursprünglich den Komplex mit Freibad, Tennisplatz, Bolz- und Zeltplatz sowie Camping auf fünf Jahre pachten wollen (der TV berichtete). Diese Lösung wurde jedoch durch den laufenden Pachtvertrag der Stadt mit dem Campingplatzbetreiber erschwert. Daher hatte Clemens zuletzt zwei Optionen angeboten: den Betrieb der Schwimmbad-Gastronomie mit Vermarktung oder den kompletten Betrieb des Schwimmbads mit jährlichem Zuschuss von der VG. Doch mit diesen Optionen mochte sich der Ausschuss nicht anfreunden. "Die Vorstellung des Konzepts durch Herrn Clemens hat den Ausschlag gegeben, dass es nicht zum Zug gekommen ist", sagt SPD-Fraktionssprecherin Marlies Gillen, die bei dem Termin selbst nicht dabei war. Die VG werde das Bad in absehbarer Zeit sanieren müssen. Wenn diese großen Investitionen unmittelbar anstünden, sei ein vernünftiges Gesamtkonzept gefragt. Aus finanziellen Gründen sei die VG dazu jedoch derzeit nicht in der Lage. "Das Konzept von Winfried Clemens war von der finanziellen Seite her nicht so abgesichert wie gewünscht", begründet Theo Marx (CDU) die Entscheidung. Die große Lösung sei zwar sehr interessant, aber die Stadt komme nicht aus dem Camping-Vertrag. Hajo Römer wolle das Bad kurzfristig attraktiver gestalten und brauche zur Refinanzierung seiner Auslagen eine gewisse Vertragslaufzeit."Mein Plan wurde von Anfang an sabotiert"

"Die große Lösung wäre ein Volltreffer, ist aber wegen der vertraglichen Bindung nicht umsetzbar", sagt Rudolf Densborn (FWG). Es gebe eine Kluft zwischen mancher Vorstellung der Bewerber und dem, was sie umsetzen könnten. Die größere Erfahrung Römers sei ein wesentlicher Punkt. Densborn: "Wenn sich in einigen Jahren eine dringende Sanierung des Bads ergibt, dann macht es Sinn, im Zuge einer Fördermaßnahme ein Gesamtkonzept umzusetzen." Römer will unter anderem die Liegewiese neu gestalten und die Terrasse auch außerhalb der Badesaison nutzen. "Es freut mich, dass ich langjährige Mitarbeiter weiter beschäftigen kann", sagt Römer. Winfried Clemens führt die Entscheidung auf eine politische Lobby zurück, die zu 100 Prozent keine Umstellung haben wolle. Niemand habe den Mut, neu anzufangen. Für einen Verwaltungs-Bunker sei offenbar Geld da: "Durch besseres Marketing und neue Zielgruppen wäre mehr zu erreichen. Mein Plan wurde von Anfang an sabotiert."