Friede, Freude, breite Mehrheiten

Vg Speicher feiert guten Start in die Legislatur : Friede, Freude, breite Mehrheiten

Die erste Stadtratssitzung in Speicher war ein Debakel. DieZusammenkunft des Verbandsgemeinderates hingegen verlief denkbar ruhig und einträchtig. Beigeordnete wurden abgesegnet, das Kriegsbeil begraben. 

Applaus gibt es normalerweise am Schluss einer Vorstellung. Im frisch-gewählten Verbandsgemeinderat Speicher wurde am Mittwoch aber schon zu Anfang geklatscht.

Den Beifall erntete eine kurze Rede vom alten und neuen FDP-Fraktionschef Peter Reichert, die er in der Einwohnerfragestunde an seine Kollegen richtete: „Ich habe alle Bürger dazu aufgerufen, schwarz, gelb, rot oder grün zu wählen – ganz egal, nur nicht braun. Jetzt bin ich heilfroh, dass hier niemand von der AfD sitzt. Das macht die Zusammenarbeit um so vieles leichter.“

Mit dieser Zusammenarbeit klappt es in der konstituierenden Sitzung des Verbandsgemeinderats Speicher schon mal ganz gut. Von den Spannungen zwischen SPD und CDU, die es im Speicherer Stadtrat diese Woche gab, ist nichts mehr zu spüren. Keine Sekunde flammt der Streit aus der vergangenen Stadtratssitzung  auf. Die CDU hatte dort mit absoluter Mehrheit verhindert, dass ein Sozialdemokrat dritter Beigeordneter wird (der TV berichtete).

Bei der Wahl der Bürgermeistervertreter im VG-Rat lief hingegen alles glatt. Und das, obwohl dort zum Teil dieselben Kommunalpolitiker sitzen wie im Stadtgremium.

Einstimmig bestätigten alle 24 Ratsmitglieder den Speicherer Stadtbürgermeister Erhard Hirschberg (CDU) für eine weitere Amtszeit als erster Beigeordneter. Und auch seine beiden Ersatzmänner wurden von allen Fraktion einstimmig mitgetragen.

Hirschberg zur Seite stehen wird Philipp Recktenwald (FDP). Der füllige Mann zitierte bei seinem Amtsantritt humorvoll den verstorbenen CDU-Politiker Wolfgang Faber aus Herforst mit den Worten: „Ich werde mein ganzes Gewicht für Sie einsetzen.“ Dritter im Bunde ist der langgediente Sozialdemokrat und frühere Fraktionschef Oswald Krumeich.

Als Sprecher der Fraktion beerbt ihn Erwin Berg. Wer für Krumeich in den Rat nachrücken wird, ist noch unklar. Es sei noch zu früh, darüber zu sprechen, sagt der dritte Beigeordnete auf TV-Anfrage. Auf Recktenwald folgt der liberale Rats-Neuling Christian Endres. Hirschberg macht Platz für Thomas Schwarz.  Und auch ansonsten hat sich bei der CDU ein bisschen was geändert: Karin Plein gibt den Fraktionsvorsitz an Sonja Thome ab, ebenfalls ein erfahrenes Ratsmitglied.

Was sich sonst noch an der Zusammensetzung des Gremiums geändert hat? Gar nicht so schrecklich viel. Die Parteien haben jeweils nur einen bis drei Prozentpunkte verloren. Das Personalkarussell allerdings hat sich gedreht. Das zeigt schon die Anzahl der Neuzugänge. Von 24 Mitgliedern sitzen zwölf zum ersten Mal im Verbandsgemeinderat.

Bei der SPD feiern Katja Zunker, Josef Poß, Hans-Peter Schmitz und der frisch-gewählte Orenhofener Ortsbürgermeister Wolfgang Horn Premiere. Die CDU hat sich mit Senta Plein, Eric Mathey, Ralf Mandernach Rainer Schönhofen und Thomas Schwarz deutlich verjüngt. Auch Christian Endres und Harald Thiel (FDP) sind gerade erst ins Amtsgeschäft eingestiegen. Und die UBL hat mit Alois Gerten sogar einen neuen Fraktionschef.

Unterm Strich steht hier also schon eine ganz andere Truppe als vor fünf Jahren. Von der erhofft sich VG-Bürgermeister Manfred Rodens nun vor allem eines: „breite Mehrheiten“. Er habe die große Bitte, sagt er in einer Abschlussrede, dass man die großen Herausforderungen der Zukunft zusammen anpackt und auch bereit ist, Geld auszugeben.

Die Liste der Dinge, die der Verwaltungschef in den nächsten fünf Jahren angehen will, ist lang. Wichtige Projekte sind für Rodens etwa die Ausstattung der Feuerwehren, die Verbesserung digitaler Angebote, die Erarbeitung von Hochwasserschutzkonzepten, die Sanierung der Grundschulen in Spangdahlem und Orenhofen, der Erhalt der ärztlichen Versorgung, der Ausbau der Barrierefreiheit und die Renovierung der Aula, der Mensa, des Schwimmbads und des Sportplatzes in Speicher.

Die finanzielle Ausstattung gebe es her, all diese Dinge anzupacken, sagt Rodens. Die Jahre 2018 und 2019 hat die Verbandsgemeinde Speicher mit einem Plus abgeschlossen.

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