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Frische Ideen für alte Mauern: Stadt Bitburg plant neues Konzept für den Römischen Rundweg

Frische Ideen für alte Mauern: Stadt Bitburg plant neues Konzept für den Römischen Rundweg

Überall in der Bitburger Innenstadt lassen sich Spuren der alten römischen Bebauung finden - allerdings nur mit Mühe, denn abgesehen von kleinen Hinweisschildern weist nichts auf die Geschichte der teilweise uralten Mauern hin. Das soll sich ändern: Im Haushalt 2017 sind 110 000 Euro für eine Neukonzeption des Römischen Rundwegs eingeplant.

Bitburg. Dort, wo dieser Tage die Menschen frierend durch die Straßen der Bitburger Innenstadt eilen, stand vor langer Zeit eine römische Festung. Fast vier Meter dick waren die mächtigen Mauern, auf denen die Soldaten in ihren glänzenden Rüstungen patroullierten. Und heute? Weisen abgesehen von altem Gemäuer, das mal mehr, mal weniger gut unter der modernen Bebauung versteckt ist, nur leicht übersehbare Schilder auf die Geschichte der Stadt hin.
"Römischer Rundweg", so der angesichts der mageren Umsetzung etwas dick aufgetragene Name der 1995 entstandenen Tour (siehe Grafik). Auf 16 Schildern, die in der Innenstadt verteilt an verschiedenen Mauern hängen, wird in wenigen Sätzen der historische Zusammenhang einzelner Objekte erläutert - trocken, spröde, und vor allem: praktisch unsichtbar. Doch das soll sich bald ändern.Mit den Augen des Laien


110 000 Euro sind im Haushalt 2017 der Stadt Bitburg für die Neukonzeption des Römischen Rundwegs fest eingeplant (der TV berichtete). Verantwortlich für die Konzeption ist seit einem halben Jahr Ralf Mayeres, der bei der Stadtverwaltung auch Projektleiter des Innenstadtausbaus ist. Mayeres räumt ein, dass er persönlich sich wenig mit der römischen Geschichte auskennt, hält das aber nicht unbedingt für einen Nachteil. "Es ist nicht falsch, mit den Augen eines Laien an ein solches Projekt heranzugehen", sagt er. "Am Ende wollen wir ja alle Leute ansprechen, nicht nur die Experten." Im jetzigen Status, das gibt er unumwunden zu, sei das römische Erbe Bitburgs dem Betrachter "nicht gleich erschließbar".
Bei einem Rundgang durch die Innenstadt zeigt er dies beispielhaft an der Römermauer: "Das ist die Mauer, die ursprünglich von den Römern erbaut und im Mittelalter umgebaut wurde", berichtet er. "Nur wissen das wenige, weil man nirgendwo anschaulich und ansprechend darüber informiert wird."
Dann zeigt er auf eine kleine, in die Mauer eingelassene Aussparung, darin ist ein Teil der uralten römischen Mauer zu sehen. Schwer zu entdecken, leicht zu übersehen und vor allem alles andere als selbsterklärend. Wer hier kein Vorwissen mitbringt, bleibt ratlos. Ralf Mayeres zuckt mit den Schultern und lacht. Kein Wunder, dass sich niemand so recht für die römische Geschichte der Stadt interessiert, soll das wohl heißen.
Die Neukonzeption soll parallel zum Innenstadtausbau über die Bühne gehen. 2018 ist laut Ausbauplan der Teil der Innenstadt im Fokus, in dem das römische Gemäuer steht.
Für das wissenschaftliche Know-How der Neukonzeption ist vor allem Ferdinand Heimerl, ein Historiker aus Augsburg, verantwortlich. Er schreibt seine Doktorarbeit über das römische Bitburg.
Die konkrete Konzeption des neuen Rundwegs übernehme ein Büro aus Trier, das auch die touristische Aufbereitung der Trierer Barbarathermen konzipiert habe, berichtet Mayeres. "Wir haben gezielt nach einem Büro gesucht, das ein gewisses Fachwissen für historische Objekte mitbringt", sagt er. Geplant seien neben neuen Schildern auch Stationen, an denen die Besucher nicht nur lesen, sondern auch hören können - beispielsweise Geräusche oder gelesene Texte. Auch eine App und digitale Online-Inhalte seien möglich. Anders als der bisherige soll der neue Rundweg auch für Kinder interessant sein. Die Anschaulichkeit sei wichtig, betont Mayeres. "Wie hoch waren die Gebäude damals, wie sah das genau aus, wie kann man sich das alles vorstellen - Geschichte zum Anfassen eben." Ein möglicher Startpunkt für den Rundweg wäre die Touristeninformation direkt vor der Römermauer.Damit er auch gefunden wird


Ziel der Neukonzeption sei es, die römische Welt jedem Besucher erschließbar zu machen. "So wie der Römische Rundweg jetzt angelegt ist, ist er für den Kenner. Dem Zufallsbesucher sagt all dies wenig, der hat dazu wenig Bezug", sagt Mayeres.
Eine TV-Befragung unter den Bürgern in der Bitburger Innenstadt gibt ihm recht: Von den Befragten, die nicht aus Bitburg stammen, weiß niemand von dem Rundweg.
Der Bitburger Hans-Richard Johanns hingegen kennt ihn. Er sei ihn vor Jahren einmal gegangen, berichtet er. Er befürwortet eine Investition in den Römischen Rundweg und bestätigt die Meinung von Mayeres: "Aus dem Weg könnte man definitiv mehr machen. Es wäre gut, wenn der ein bisschen mehr auffallen würde."
Am Montag werden die Ideen und Konzepte dem Ältestenrat vorgestellt, am 25. Januar gibt es ein Gespräch mit dem Arbeitskreis Römischer Rundweg. Dann soll aus den Ideen ein konkreter Plan gewachsen sein.Meinung

Man will nicht unken, aber…
Natürlich klingt die Idee, den Römischen Rundweg aufzuhübschen, sehr gut. Aber die veranschlagten Kosten lassen einen dann doch schlucken. 110 000 Euro alleine für die Stadt? Klar, noch ist das Ei nicht gelegt, da sollte man nicht zu früh unken. Aber bei soviel Geld wird genau hingesehen werden. Man drückt die Daumen und wünscht viel Erfolg. Besser wäre es - für Bitburg und seine Gäste. d.falkner@volksfreund.deExtra

110 000 Euro will die Stadt 2017 für die Neukonzeption des Römischen Rundwegs ausgeben. Im Haushalt, der insgesamt vier Millionen Euro für Investitionen einkalkuliert, macht das immerhin den zehntgrößten Posten aus. Außerdem hofft die Stadt im Rahmen des EU-Förderprogramms Leader auf eine Geldspritze für das Projekt, das nach Angaben von Projektleiter Ralf Mayeres insgesamt rund 250 000 Euro kosten soll. Ob die Neukonzeption im Rahmen des aktuellen Förderprogramms berücksichtig werden kann, wird laut Maria Riedmann von der Geschäftsstelle Leader in Bitburg Anfang April entschieden. dafExtra

Frische Ideen für alte Mauern: Stadt Bitburg plant neues Konzept für den Römischen Rundweg
Foto: (e_bit )
 Die Touristinformation an der Römermauer könnte Ausgangspunkt des neuen Römischen Rundwegs sein.
Die Touristinformation an der Römermauer könnte Ausgangspunkt des neuen Römischen Rundwegs sein. Foto: (e_bit )

Spätestens im Jahr 10 vor Christus entstand an der Stelle des heutigen Bitburg die römische Straßenstation Beda als erste Raststätte auf der Heeresstraße von Trier nach Köln. Etwa 275 nach Christus wurde Beda bei einem Überfall durch Germanenstämmen zerstört. 50 Jahre später bauten die Römer an derselben Stelle das Kastell, von dem heute noch Überreste zu sehen sind. Die Anlagen wurden im Mittelalter in die Bitburger Stadtmauer eingegliedert. Heute zählen die römischen Ruinen in Bitburg zu den besterhaltensten Ruinen aus spätrömischer Zeit nördlich der Alpen. daf