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Frisches Grün ersetzt fahles Nato-Oliv

Frisches Grün ersetzt fahles Nato-Oliv

Das US-Militär hat die Flächen im Bitburger Wald Bedhard längst aufgegeben. Doch noch immer stehen etliche, ungenutzte Gebäude im Wald herum. Das soll sich ändern. Auf dem 40 Hektar großen Gelände wird immer dann als Ausgleichsmaßnahme aufgeforstet, wenn an anderen Konversionsstandorten gebaut wird.

Bitburg. Zwar ist die Militärbrache im Bedhard bis auf eine etwa sechs Hektar große Fläche, seit knapp vier Jahren im Besitz des Bundes, doch was genau dort geplant ist oder passiert, ist wenig bekannt. Wo noch vor Jahren Mittelstreckenraketen des US-Militärs gelagert wurden, soll nun Wald entstehen. Die ersten Abschnitte sind bereits zurückgebaut und entsiegelt. Tanja Schnarrbach vom Zweckverband Flugplatz erklärt: "Für den Bedhard sind sogenannte landespflegerische Ausgleichsmaßnahmen geplant."

Natur als Ausgleich: Diese Maßnahmen bestehen grundsätzlich aus zwei Schritten: der Entsiegelung der Flächen und der Aufforstung. Zunächst werden also alle asphaltierten Flächen und noch bestehende Gebäude abgerissen und der Boden wird abgetragen, bis man an den natürlichen Waldboden stößt. Dann wird die Fläche mit Mutterboden gefüllt und neue Bäume gepflanzt.
Der Rückbau der einzelnen Abschnitte wird über Ausgleichsmaßnahmen finanziert. Das funktioniert so: Wenn, wie derzeit im B-Shelter-Bereich auf dem Flugplatz neue Gewerbeflächen erschlossen werden, werden dafür, zum Ausgleich, im Bedhard Abschnitte aufgeforstet. Die so entstehenden neuen Waldflächen sollen mit Laubbäumen bepflanzt werden.

Alles wird Wald: Wird also an einer Stelle in einem Konversionsgebiet oder anderen Flächen, die dem Bund gehören, gebaut wird im Bedhard ein weiterer Abschnitt als Ausgleich entsiegelt und aufgeforstet.
Der für zuständige Revierförster Otmar Koch sagt "Eine gewerbliche Nutzung des Gebiets im Bedhard ist vom Stadtrat nicht mehr gewollt. Aufgrund der besonderen Lage mitten im Wald eignen sich diese Flächen deshalb natürlich besonders gut für eine Aufforstung Wiederbewaldung." Hinzu kommt, dass es andere Konversionsflächen in Bitburg gibt, die für eine gewerbliche Nutzung besser geeignet sind als der Bedhard. So zum Beispiel die Alte Kaserne und eben der Flugplatz, wo ja gerade auch derzeit weitere Gewerbeflächen erschlossen werden.

Koch erklärt: "Wenn das komplette Gebiet auf einmal rückgebaut werden soll, müsste dies der Besitzer, also der Bund, selbst bezahlen. Weil es aber über die Ausgleichsmaßnahmen finanziert wird, geht es eben Stück für Stück voran."
Auf einem kleinen Teil des Areals, die sechs Hektar, die noch nicht dem Bund gehören, befindet sich derzeit noch eine Tierpension, die jedoch voraussichtlich noch in diesem Jahr aufgegeben wird. "Dann gibt es hier endgültig keine gewerbliche Nutzung mehr", sagt Koch.
Bisher wurden bereits fünf Abschnitte entsiegelt, rückgebaut und wiederbewaldet. Weitere Ausgleichsmaßnahmen sind geplant. So soll zum Beispiel ein weiteres Stück im Zuge der Neubebauung der Alten Kaserne entsiegelt und aufgeforstet werden. Über weitere Schritte sei man ständig im Gespräch mit der Stadt und dem Bund. "Denn der muss sich als Eigentümer mit allen Plänen einverstanden erklären", sagt Kochs.

Schützenswerte Tiere: Der Bedhard gehört zu dem FFH-Gebiet Ferschweiler Plateau. Diese Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist eine Richtlinie der Europäischen Union. Somit ist der Bedhard ein Naturschutzgebiet. Besonders schützenswerte Tierarten wie die waldbewohnende Bechsteinfledermaus, der Mittelspecht oder botanische Besonderheiten wie Orchideen haben dazu beigetragen, dass das Gebiet ein Naturschutzgebiet wurde. Das FFH-Gebiet Ferschweiler Plateau erstreckt sich vom städtischen Teil des Bedhard bis in den Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde Irrel.
Zudem ist der Bedhard laut Revierförster Koch durchaus auch ein Naherholungsgebiet und gut zum Spazierengehen oder Wandern geeignet. Koch weiter: "Daher ist es wichtig, dass vor allem die maroden Gebäude entfernt werden. Auch unter dem Aspekt der Sicherheit. Die alten Gebäude sind irgendwann einsturzgefährdet."Extra

Der Waldbestand im Bitburger Wirtschaftswald verteilt sich größtenteils auf drei Baumarten: Buchen (34 Prozent), Eichen (23 Prozent) und Fichten (19 Prozent). Die ausgedehnten Eichenbestände im Bedhard sind vor allem Ergebnis umfangreicher Aufforstungen im 19. Jahrhundert. In circa 50 Jahren werden diese Bestände ihre Zielstärke erreichen und können genutzt werden. Der Forstbetrieb der Stadt macht mit dem Baumbestand Jahr für Jahr gutes Geld. Für 2016 rechnet Revierförster Otmar Koch mit einem Gewinn von gut 100 000 Euro. Wie viel die Stadt am Ende verdient, hängt vor allem von den Preisen auf dem Holzmarkt ab. Koch spricht von einem "lebhaften Holzmarkt mit stabilen Preisen", obwohl die Nachfrage nach Brennholz wegen des milden Winters merklich zurückgegangen sei. sk