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"Früher war es einfacher"

"Früher war es einfacher"

ARZFELD. Eine Ära geht zu Ende: Mit Ernst Hitzges tritt in einigen Wochen ein Ortsbürgermeister von der Bühne, der 15 Jahre lang die Geschicke seines Heimatorts wesentlich geprägt hat.

"Es ist genug", sagt Ernst Hitzges auf die Frage, warum er denn den Job als Ortsbürgermeister nach 15 Jahren an den Nagel hängt. Am 8. August 1989 wurde der heute 63-Jährige vom Rat der Gemeinde Arzfeld gewählt. Mit Unterstützung der FWG löste er damals seinen Vorgänger Matthias Klar ab. Nach dem neuen Kommunalwahlrecht wurde Hitzges 1994 und 1999 direkt wiedergewählt. 2004 tritt der SPD-Mann nicht mehr an. Aus gediegener Distanz kann er nun beobachten, wie das Rennen um seine Nachfolge zwischen Rainer Hoffmann (SPD) und Alfons Kockelmann (CDU) ausgeht. Früher sei es einfacher gewesen, Ortsbürgermeister zu sein, findet Hitzges. "Die Ansprüche der Bürger werden höher, und das trotz leerer Kassen." Deshalb ist Arzfelds scheidender Gemeinde-Chef auch sicher, dass so große Projekte wie beispielsweise der Bau des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) nicht mehr möglich sein werden. Mehr als 1,5 Millionen Euro kostete der Umbau der alten Landwirtschaftsschule, ursprünglich hatten die Kommunalpolitker "nur" rund eine Million Euro angesetzt. Heute noch ist Ernst Hitzges dem damaligen Regierungspräsidenten Walter Blankenburg für die Unterstützung dankbar. Kein Wunder, dass Innenminister Walter Zuber höchstpersönlich von Mainz angereist kam, um das neue Schmuckstück einzuweihen. Das DGH - Hitzges‘ größter Erfolg? "Nein", lautet die spontane Antwort des gelernten Textilkaufmanns, der von 1964 bis 2001 für die Union Deutsche Lebensmittel arbeitete. Wichtiger nämlich seien die neuen Wohngebieten gewesen: Quobach II (Wiesengrund), Quobach III (Sonnenhang) und "Hinter Zwanken" sind drei Beispiele. Die Bilanz: Die Einwohnerzahl Arzfelds stieg von Dezember 1989 bis Februar 2002 von 1145 auf 1304.Ein wichtiges Ziel bleibt das Feriendorf

Stolz ist Bürgermeister Hitzges allerdings auch auf die Erweiterung des Kindergartens und auf die Tatsache, dass es nach wie vor zwei Ärzte im Ort gibt sowie einen Apotheker. Ein weiteres wichtiges Ziel bleibt indes die Errichtung eines Feriendorfs. Viele Hochs und Tiefs hat Ernst Hitzges in den vergangenen 15 Jahren erlebt. Seine schönste Stunde: Das feierliche Rekrutengelöbnis im Juni 2000 in Arzfeld. Der bitterste Tag: Der Eklat um einen mit "Haha" beschrifteten Wahlzettel 1994, der "nur unnötige Zwistigkeiten" hervorbrachte. "Aber die schönen Stunden haben überwogen", sagt Hitzges heute. Und trotzdem: "Wer das macht, muss sich auf jeden Angriff gefasst machen." Längst nicht immer herrsche eitel Sonnenschein. Deshalb rät er den jungen Kommunalpolitikern, sich die Kandidatur gut zu überlegen. "Es müssen Kraft und Idealismus dahinter stecken. Wenn man Bürgermeister ist, sieht die Welt ganz anders aus." Ob Ernst Hitzges, der erst vor ein paar Wochen das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, die Prozedur trotzdem noch einmal über sich ergehen lassen würde? Auch hier die schnelle Antwort: "Auf jeden Fall!"