Für Arme und Kranke entsteht ein Haus der Hoffnung

Für Arme und Kranke entsteht ein Haus der Hoffnung

Wann genau das Johannis-Hospital in Bitburg gebaut wurde, ist ungewiss. 1295 stand es bereits im Süden des Städtchens, dort wo heute ein neuer Platz entsteht - der Spittel, dem das Hospital seinen Namen gab. Es war kein Krankenhaus im heutigen Sinne. Und drei Mal täglich gab es Bier.

Bitburg. Ritter zogen noch in Kreuzzügen in die Welt, aber das Bürgertum erstarkte mehr und mehr. Damals, im 13. Jahrhundert, der Zeit des Hochmittelalters, wurde in Bitburg ein Haus gebaut, von dem sich der Gründer wünschte, dass es "zum trost der armen und krancken" sei. Das Johannis-Hospital.
"Wenn man heute die Geschichte des Hospitals darstellen will, dann bleiben einem außer den wenigen alten Pergamenturkunden, die man wegen ihres labilen Zustands kaum noch in die Hand zu nehmen wagt, fast nur noch Unterlagen fremder Archive", sagt Bitburgs Stadtarchivar Peter Neu. Er durchforstet alles, trägt Puzzleteil für Puzzleteil zusammen. Nur noch gut vier Wochen bis zur Eröffnung der Ausstellung zur Stadtgeschichte - und in dieser spielt die Gründung des Hospitals eine große Rolle.
1300 Jahre Bitburg


Es ist ein Grundstein des heutigen Krankenhauses, das 1894 in direkter Nachbarschaft zum einstigen Hospital gebaut wurde. 1295 wurde es erstmals in einer Urkunde erwähnt. Gegründet von Heinrich von der Pforte, den Neu als "ausgesprochen wohlhabenden Mann, den man zur städtischen Oberschicht zählen muss" beschreibt. Heinrich von der Pforte brachte im 13. Jahrhundert beachtliche Teile seines Hab und Gutes in eine Stiftung ein, das so genannte Hospital.
Aus den jährlichen Pachterträgen der Liegenschaften wurde nicht nur das Gebäude errichtet, sondern fortan auch die Hospitalbewohner ernährt. Wohlgestellte Bürger vermehrten den Besitz der Stiftung durch Schenkungen. So etwa die Witwe Schilz, die große Ländereien vermachte, um im Gegenzug im Alter sich einen Platz im Hospital zu sichern. Mit folgendem, bescheidenem Wunsch zur Verkostung:
"Morgens die klosterzupp, um 10 uhr eine maaß beer, mittags die zupp, um 4 eine maaß beer und abends die zupp, ein stück brud und beer."
Das Spital war zugleich Armen-, Kranken- und Altenhaus sowie Pilgerherberge. Die Versorgung mit "Beer" hatte natürlich auch ihre Schattenseiten, wie eine Notiz in der Hausordnung aus dem Jahr 1702 zeigt:
"Wenn sie ausgehen oftmahls des Abends, voll besoffen wieder nach Hause kommen, dadurch nicht alleyn allerley Händel mit den anderen Armen erregt, auch denen darinn wohnenden frommen Kranken und Bettlägerigen vielfältige Ärgerniß, besonder auch durch ihr liederliches Leben, christlichen und mildgebigen Herzen einen Anstoß geben." scho
Zeitraffer: Nach der Besetzung der Stadt durch die Franzosen 1794 diente das Hospital als Gefängnis. 1803 befand sich erstmals eine Briefsammelstelle im ehemaligen Hospitalgebäude, das 1865 abgerissen wurde. 1899 entstand auf dem Hospitalplatz das neue Postgebäude, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Es folgte 1957 der Neubau der Post - doch auch dieses Gebäude ist seit dem Abriss 2013 Geschichte. Dennoch ist und bleibt das südliche Ende der Fußgängerzone für die meisten Bitburger bis heute der Postplatz, während der offizielle Name Am Spittel auf das Hospital verweist, das dort einst stand. scho
Die Urkunde von 1295, die in einer Abschrift von 1303 erhalten ist, ist eines der Exponate, die in der Ausstellung zum Stadtjubiläum ab 11. April im Haus Beda gezeigt werden. Bis dahin widmet sich der TV jede Woche in Zusammenarbeit mit Dr. Peter Neu einem Aspekt der Stadtgeschichte.
Extra

1929 hat die Stiftung Bürgerhospital das von Heinrich von der Pforte begründete Krankenhaus verkauft. Doch die Stiftung setzt sich weiter im Sinne des Hospitalgründers für Arme und Alte Menschen ein. Sie wird von der Stadt Bitburg verwaltet und stellt bedürftigen Menschen günstig Wohnraum zur Verfügung. Kerngeschäft ist die Vermietung der 72 Seniorenwohnungen in den drei Hochhäusern in der Eifelstraße. Zudem unterhält die Stiftung zwei Häuser im Messenweg mit 14 Wohnungen und drei Häuser in der Rittersdorfer Straße mit 17 Wohnungen. scho