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Für den Lückenschluss im Grundschul-Alter

Für den Lückenschluss im Grundschul-Alter

Mit dem Programm "Lerne die Sprache der Nachbarn" hat das Land Französisch-Unterricht an Kindergärten etabliert. Damit diese Sprachkenntnisse in den Jahren danach nicht verloren gehen, hat das Volksbildungswerk Bitburg-Land auch an Grundschulen Französisch eingeführt. Sehr erfolgreich, wie eine Bilanz zeigt: Fünf der sechs Grundschulen in Bitburg-Land sind mit von der Partie, weitere Lehrkräfte werden dringend gesucht.

Bitburg. "Bikini-Französisch": Diesen Begriff hat Jürgen Backes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Bitburg-Land, geprägt. Dahinter steht seine Kritik, dass Französisch dank des Landesprogramms "Lerne die Sprache der Nachbarn" zwar an vielen Kindergärten angeboten wird, dann aber in der Grundschule wieder Schluss ist. Das Problem: Frühestens im Gymnasium haben die Jungen und Mädchen dann wieder die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse aus Kindertagen weiter auszubauen. An Real- und Hauptschulen wird Französisch als Fremdsprache eher selten unterrichtet. Dabei würden Französischkenntnisse gerade auch Haupt- und Realschulabsolventen die Jobsuche in der Grenzregion sehr erleichtern, wie Handel und Handwerk seit Jahren betonen. Fazit für Backes: "Bikini-Französisch" nach der Devise "Unten ein bisschen, oben ein bisschen und dazwischen nichts" bringt beim Sprachenlernen nichts. 200 von 700 Grundschülern lernen Französisch

Auch die Gemeinden, die ja 20 Prozent der Kosten beisteuern müssen, damit das Landesprogramm für die Kindergärten überhaupt funktioniert (siehe Hintergrund), pochen auf eine Fortsetzung des Unterrichts an Grundschulen. "Wir haben den Gemeinden gegenüber die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass ihr Geld sinnvoll investiert ist. Und das ist es eben nicht, wenn die Französisch-Stunden in den Grundschulen nicht fortgesetzt werden", sagt Ralf Schmitz, Geschäftsführer des Volksbildungswerks der VG Bitburg-Land. Dann käme tatsächlich nur "Bikini-Französisch" dabei raus - und das ist einfach zu wenig. "Schließlich geht es ja auch darum, dass wir Kindern und Jugendlichen die Chance eröffnen, später auch in der Großregion Arbeit zu finden", sagt Schmitz. Vor zwei Jahren hat das Volksbildungswerk deshalb begonnen, Französisch-Unterricht an Grundschulen zu organisieren. Mit Erfolg: Derzeit lernen von den 700 Grundschülern in der VG Bitburg-Land mehr als 200 Französisch. "Das war ein Kraftakt. Hier wird richtige Pionierarbeit geleistet", betont VG-Chef Backes. "Vor zwei Jahren sind wir an der Grundschule in Seffern mit viel gutem Willen gestartet", erinnert sich Schmitz. Es gab keine Unterrichtsmaterialien, keine Lehrpläne, kein Konzept. Das alles hat das Volksbildungswerk zusammen mit seinen Französisch-Honorarkräften in Folge erarbeitet. Die einzige Grundschule in der VG Bitburg-Land, in der es noch kein Französisch gibt, ist Dudeldorf. "Dort sind wir derzeit damit beschäftigt, ein entsprechendes Angebot aufzubauen", sagt Backes. Denn die Nachfrage aufseiten der Schüler und Eltern sei enorm. Das Problem: Die derzeit neun Honorarkräfte, die auch die Stunden in den Kindergärten anbieten, sind bereits völlig ausgelastet. Für die Grundschule Wolsfeld wird derzeit Ersatz gesucht, weil die bisherige Französisch-Lehrerin nun in Wittlich arbeitet. Überhaupt rechnen Schmitz und Backes damit, dass zukünftig noch mehr Honorarkräfte zusteigen müssen, um das Angebot an Grundschulen weiter auszubauen. Schmitz: "Es macht ja keinen Sinn, wenn die Dritt- und Viertklässler das gleiche lernen wie die Erstklässler." Lehrer gesucht: Das Volksbildungswerk sucht Muttersprachler, Französisch-Lehrer, Fremdsprachen-Korrespondenten oder Übersetzer, die auf Honorarbasis helfen möchten, das Angebot "Französisch an Grundschulen" auszubauen. Infos erteilt das Volksbildungswerk Bitburg-Land, Telefon 06561/66-103. Meinung Damit die Eifel zusammenwächst Während die Luxemburger mit großer Selbstverständlichkeit mindestens drei Sprachen sprechen (Letzeburgisch, Französisch und Deutsch), hinkt die Eifel auf der anderen Seite der Grenze mit der Mehrsprachigkeit hinterher. Denn den Kindern hierzuland, die wohl kaum weniger sprachbegabt sind als im "Ländchen", fehlt einfach die Möglichkeit, Sprachen zu lernen. Deshalb verdient die Initiative des Volksbildungswerks Bitburg-Land, freiwilligen Französisch-Unterricht an Grundschulen einzuführen, alle Unterstützung. Denn dieses Angebot stößt bei Schülern wie Eltern auf großes Interesse. Schließlich ist Sprachkompetenz nicht nur einfach "schick", sondern kann jungen Leuten später auch einen Arbeitsplatz sichern - ob in Luxemburg, Belgien oder Frankreich. Damit der Traum vom mehrsprachigen, multikulturellen Kultur- und Wirtschaftsraum im Herzen Europas aber Wirklichkeit wird, muss der Sprachunterricht flächendeckend für alle interessierten Schüler angeboten werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, für den das Volksbildungswerk nicht nur viele zusätzliche Honorarkräfte braucht, sondern auch zupackende Mitstreiter aus Nachbar-Kommunen. d.schommer@volksfreund.deHINTERGRUND Französisch im Bitburger Land: Seit 1986 fördert das Land Französisch-Unterricht an Kindergärten mit 60 Prozent Zuschuss (20 Prozent: Eifelkreis Bitburg-Prüm; 20 Prozent: Gemeinden). Von den elf Kindergärten in Bitburg-Land nehmen neun teil: Baustert, Bettingen, Wißmannsdorf, Rittersdorf, Oberweis, Nattenheim, Seffern, Bickendorf und Wolsfeld (wo derzeit Ersatz für eine Honorarkraft gesucht wird). Das Volksbildungswerk hat zudem an vier Grundschulen (GS) Französisch etabliert: Bettingen, Rittersdorf, Bickendorf-Seffern und Wolsfeld. Zudem gibt's dank Lehrpersonal der Hauptschule Französisch an der GS Idesheim. Eltern zahlen für den freiwilligen Unterricht zwölf Euro pro Quartal, unterrichtet wird drei Quartale im Jahr eine Stunde die Woche.