Für sie ist Verwaltung ein Mannschaftssport

Die ersten 100 Tage sind geschafft: Diane Schmitz, parteilose Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll, zeigt im Gespräch mit dem TV, dass sie ihren Startschwung noch nicht verloren hat.

 Erste einstimmige Beschlüsse und ein motiviertes Team: Bürgermeisterin Diane Schmitz ist mit ihren ersten hundert Tagen im Amt zufrieden. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Erste einstimmige Beschlüsse und ein motiviertes Team: Bürgermeisterin Diane Schmitz ist mit ihren ersten hundert Tagen im Amt zufrieden. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Jünkerath. Drei Monate, in denen bereits viel passiert ist: Diane Schmitz ist mit dem Auftakt ihrer achtjährigen Amtszeit bislang zufrieden. Das allerdings hat sie nicht allein geschafft: "Ich bin hier auf ein hochmotiviertes Team gestoßen", sagt die 35-jährige Bürgermeisterin der VG Obere Kyll.

"Selbst abends und am Wochenende sind oft noch Mitarbeiter hier. Das ist für die Chefin gut - wenn sie auf ein gutes Team trifft. Ich kenne andere Bürgermeister, die sich fragen, wie sie Freitagnachmittag die Leute im Haus halten bei wichtigen Dingen. Da muss ich mir keinen Kopf machen."

Gegrübelt hat sie allerdings über einige personelle Umbesetzungen - das verursachte ein Stühlerücken bei etwa zehn der 46 Mitarbeiter. Darunter auch Dieter Hilgers, bisheriger Büroleiter. Sie schaffte den Posten ab, Hilgers ist nun Abteilungsleiter im Sozial- und Ordnungsamt. Eine Entscheidung der Bürgermeisterin, die nicht nur auf Zustimmung traf.

Ihr Ziel ist eine Verwaltung, in der man miteinander redet und auch auf die Anliegen der Bürger eingeht. Deshalb hat sie die montägliche Abteilungsleiter-Besprechung eingeführt. Es solle allen klar werden, dass nicht "von oben herab diskutiert" werde. Und einmal im Monat - am ersten Montag von 14 bis 17 Uhr - hält sie Bürgersprechstunde. "Die ist immer ausgebucht."

Die Bürgermeisterin selbst ist auch abends unterwegs: Seit ihrem Amtsantritt hat sie in allen Dörfern die Sitzungen der Ortsgemeinderäte besucht und kennt mittlerweile auch sämtliche Wehrführer in ihrer VG.

Sie habe außerdem ein langes Gespräch mit Josef Peter Mertes, dem Präsidenten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, geführt. "An den kommt man ja nicht so schnell ran", sagt sie. Und sie habe "schon einen Minister kennengelernt" - Karl Peter Bruch, Chef des Innen-Ressorts in Mainz.

Als dieser nach seinem Besuch im Januar wieder zurückfuhr, hatte er den Bürgern an der Oberen Kyll die Förderung der Sanierungsarbeiten an der zentralen Sportanlage zugesagt (der TV berichtete). Und Hilfe beim maroden Waldfreibad in Stadtkyll versprochen.

Stand der Dinge: Im Sommer sollen die Arbeiten an der Sportanlage beginnen. "Die Ausschreibung läuft. Wir planen im Oktober die Einweihungsparty." Dabei vergisst sie nicht zu erwähnen, wem die Sportvereine das vor allem verdanken: Heinz Reifferscheid, dem Vorsitzenden der Leichtathleten vom VfL Jünkerath. "Wenn er sich nicht eingesetzt hätte, wäre das nie was geworden."

Für das Freibad hat Andreas Wisniewski, Chef der Tourist-Information, inzwischen ein von Mainz gefordertes Konzept entwickelt. Nächster Schritt: Eine Fahrt nach Mainz, um über die Finanzierung zu reden.

Großes Thema: die Kommunalreform - bekanntlich ist die VG Obere Kyll einer der von der Landesregierung vorgeschriebenen Fusionskandidaten. Diane Schmitz gründete dazu eine Arbeitsgruppe mit den Beigeordneten und den Fraktionsvorsitzenden. Wichtigste Frage: "Was ist für euch wichtig?" Die AG spielt alle Möglichkeiten durch - spruchreif ist natürlich noch nichts.

Ein Blick auf die Partei, der sie zwar nicht angehört, von der sie aber als Kandidatin aufgestellt worden war: die CDU. Nach wie vor geht dort der Riss mitten durch die Fraktion. Auf der einen Seite die Unterstützer ihres Vorgängers Werner Arenz, auf der anderen die Schmitz-Anhänger. "Die Spaltung besteht immer noch, das ist zumindest meine persönliche Meinung", sagt die Bürgermeisterin. Sie habe den Parteimitgliedern zwar geraten, sich zusammenzuraufen, "aber ich befürchte, das kriegen die nicht mehr hin".

In der Ratsarbeit allerdings habe das bislang keine Spuren hinterlassen: Alle Beschlüsse der ersten von Schmitz geleiteten Sitzung fielen einstimmig. Vielleicht liegt es ja an ihrer Art: "Mein Eindruck ist, dass sie das sehr souverän macht", sagt Grünen-Ratsmitglied Martin Schulz. "Und auch auf eine menschlich gute Weise."

Meinung

Locker durchkommen

Entscheidungsfreudig, gesprächsbereit, offen: Diane Schmitz hat die ersten Monate ihrer Amtszeit genutzt, um ein eigenes Profil zu entwickeln. Gut - ein bisschen Glück war auch dabei: Dass Mainz nun doch zwei beinah abgeschriebene Großprojekte fördert, hat wohl auch damit zu tun, dass die VG Obere Kyll inzwischen von jemandem geführt wird, der weder in der CDU ist noch Werner Arenz heißt. Ein viertes Attribut fehlt noch: Diane Schmitz bleibt locker. Dabei weiß sie, dass sie nicht jedem in den Reihen der gespaltenen CDU, der Partei also, die sie nominierte, vertrauen kann - und dürfte deshalb auch mit dem Mitgliedsantrag noch ein bisschen warten. Sie weiß zudem, dass ihre Kommune, finanzschwach und krisengeschüttelt, auf der Streichliste der Landesregierung steht. Und dass die anstehenden Aufgaben riesengroß sind. Aber dass sie sich dennoch weder die Laune verderben noch den Schneid abkaufen lässt, kann den Bürgern Anlass zur Hoffnung sein. fp.linden@volksfreund.de

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