G´LAUBE IM ALLTAG

Jetzt ist es soweit! Die Kinder haben die Schulzeit erfolgreich abgeschlossen und suchen sich eine eigene Bleibe am Ausbildungsort. Wo das genau sein wird, steht noch nicht fest, aber der Ausbildungsvertrag ist unterschrieben, und somit steht auch die geplante Distanz zum Elternhaus fest.

Nach dem Einkauf in der nahen Stadt kann Mutter keinen kurzen Überraschungsbesuch abstatten und noch etwas mitbringen, was vielleicht unbeabsichtigt zuhause im alten Kinderzimmer zurückgeblieben ist oder zurückgelassen wurde. Manchmal finden Eltern in dieser Zeit auch Dinge im Mülleimer, die einst das Bücherregal im Kinderzimmer geziert haben. Einiges hat als lustiges Geschenk seinen Weg dorthin gefunden und wartete nur noch auf einen neuen Einsatz. Andere Bestandteile des bisherigen Kinderzimmers wurden von älteren Geschwistern an die jüngeren vererbt und nicht wirklich in die eigene Lebenswelt als Kind oder Jugendlicher integriert. Und damit das sich nicht fortsetzt, wird jetzt gründlich aufgeräumt. So landet zum Beispiel eine Uhr aus Kindertagen auf der Liste "Was weg kann". Eigentlich fehlte ihr nur eine neue Energiequelle, sprich Batterie. Ein neuer Verwendungszweck und schon nimmt sie wieder ihre ursprüngliche Funktion auf, jetzt aber in meinem Arbeitszimmer, sozusagen als Impulsgeber. Aber nicht nur in Familienhäusern nehmen Umzugskartons vorübergehend ihren Platz ein. Auch im Pfarrhaus, ein paar Häuser weiter, ist es bald soweit. Denn dort wird in diesen Tagen das Pfarrbüro geschlossen. Bin mal gespannt, wo all die Dinge, die dort abrufbereit für besondere Einsatzfelder wie Nikolaus- oder Sternsingeraktion gelagert waren, einen neuen Platz in unserer Pfarrei finden werden. Dann ist es in unserer Pfarrei vorbei mit einem kurzen Besuch im Pfarrbüro zur Bestellung der Eucharistiefeier anlässlich eines familiären Gedenktages... Schon jetzt ist klar, dass mit dem Verlust des Pfarrbüros auch ein Dreh- und Angelpunkt pfarreibezogener Planungsgespräche und vorbereitender Treffen der pfarrlichen Gruppen anders verortet werden muss. Auch Kirchen stehen in der Sortierphase und stellen sich die Fragen: Was ist uns, dir oder mir wichtig? Was müssen/können wir mitnehmen? Wie stellen wir einen lebendigen Austausch der "Familienmitglieder" trotz räumlicher Distanz sicher? Petra Schweisthal ist Pastoralreferentin im Dekanat St. Willibrord Westeifel