Gänsehaut im Hexenkessel

BITBURG. Bei einem für die Südeifel einzigartigen Konzerterlebnis hat sich die Böhse-Onkelz-Coverband "Enkelz" in die Herzen der Hardrock-Fans gespielt. Befürchtete Zwischenfälle blieben aus, weil alle friedlich feierten.

Mitternacht in Bitburg. 900 Besucher der Halle 300 erholen sich in der Pause erschöpft, aber glücklich vom Dauerfeuer auf der Bühne. Die "Enkelz" machen gehörig Druck - ohne Ohrstöpsel eigentlich kaum auszuhalten. Die 35-köpfige Fan-Gruppe aus Thalfang-Bäsch scheint das nicht zu stören: "Ich war auch schon auf mehreren Onkelz-Konzerten. Das lief friedlich ab, wobei einzelne Ausnahmen bei Rockkonzerten immer möglich sind", erzählt David Klein (23), der mit seiner Schwester Eva (19) angereist ist. "Ich habe 2000 die Onkelz gehört und gewusst: Das ist mein Leben", erklärt Boris Filz (27), den seine Freundin Claudia Kloz (23) begleitet.Klare Ansagen gegen Extremismus

260 Fans - der harte Kern und einige Neugierige - haben sich schon am Freitag warm gesungen und -getanzt. Am Samstag ist die Hütte dann voll. Doch ganz anders als bei üblichen Veranstaltungen, bei denen die Musik eher nebenbei läuft, entwickelt sich echter Konzertcharakter. Alle Aufmerksamkeit ist zur Bühne gerichtet, weshalb sich auch der Getränkekonsum in Grenzen hält. Band und Fans pushen sich gegenseitig hoch - Gänsehaut im Hexenkessel.

Das fängt schon bei der Vorgruppe "Wilde Jungs" an. Gitarrist Tyson freut sich wie ein Schneekönig: "Die ersten Reihen haben unsere Texte mitgesungen und uns mit Sprechchören gefeiert, obwohl wir bisher nur Demo-Material veröffentlicht haben. Wahnsinn!"

Auch die "Enkelz" fühlen sich wohl in der Eifel. "Wir reisen sieben, acht Stunden aus Hamburg an, geben alles und fahren wieder nach Hause. Da ist es schwierig, das Land kennen zu lernen", räumt Gitarrist Ronnzo ein. "Die Euphorie der Leute kennen wir aus dem Norden weniger." Der erste "Enkelz"-Auftritt liegt erst ein gutes Jahr zurück. Sänger Achimo betreibt mit Schlagzeuger Krid ein Tätowier-Studio. Gitarrenlehrer Ronnzo und Bassist Dominic komplettieren die Band. Bei der Präsentation der Onkelz-Lieder und dem Schreiben eigener Songs bringt jedes Mitglied seine Ideen ein. "Wir bilden ein Team, das neue Impulse setzt und so auch den Einzelnen nach vorne bringt", sagt Achimo. Ergebnis: das Debut-Album "dassdieerste".

Bei den Auftritten verzichteten die Enkelz wie immer auf indizierte Lieder und bekamen Beifall für ihre klaren Ansagen, bei rechtsradikalen Symbolen oder Handzeichen sofort einzuschreiten. Nach dem Konzert nahm sich die Band Zeit für den persönlichen Kontakt mit den Fans.

Das fünfköpfige Team des DRK Bitburg war wenig beschäftigt: Es gab zwei kleinere Verletzungen beim Tanzen und eine blutige Nase im Umfeld der Halle. "Ein angenehmes Publikum und eine gute Organisation", lobte DRK-Einsatzleiter Frank Jegen (siehe Extra).

Die positive Bilanz des Wochenendes bestärkt die Veranstalter Wolfgang Fries und Jochen Urmes vom Böhse-Onkelz-Fanclub Eifel-Mosel-Hunsrück darin, neue Konzerttermine ins Auge zu fassen.