"Gangster gibt es überall"

"Gangster gibt es überall"

Mehr als 17 Jahre leitete Werner Arenz die Geschicke der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll. Nach seiner Abwahl geht der 54-Jährige Ende des Jahres in den Ruhestand. Der TV sprach mit ihm über Höhen und Tiefen seiner Amtszeit.

Jünkerath. (sn) Wechsel an der Oberen Kyll: Für Werner Arenz ist am 31. Dezember offiziell Schluss mit dem Beamtenleben. Mit dem scheidenden Bürgermeister sprach TV-Redakteurin Stefanie Glandien.

Sie waren fast 18 Jahre lang Bürgermeister, werden Sie da nicht ein bisschen wehmütig, wenn Sie bald Ihre Sachen packen?

Werner Arenz: Teils ja, teils nein. Ich muss die demokratische Entscheidung der Bevölkerung akzeptieren. Meine Arbeit hat mir Spaß gemacht, es war immer spannend, immer was los. Aber es laufen noch Projekte, die hätte ich gerne zu Ende gebracht.

Welche Projekte denn?

Arenz: Ganz aktuell: Das Hotel am Park, das dringend auf einen Investor wartet. Ein Thema, das mich von Dienstanfang bis Ende begleitet hat. Es gibt zwei Investoren, die ich beide sehr gut kenne. Ich will hoffen, dass ich beim Notartermin noch dabei sein kann. Das liegt mir sehr am Herzen.

Haben sich alle Ihre Ziele erfüllt, die sie sich gesteckt haben?

Arenz: Nein, haben sie nicht. Ich bin angetreten und hatte im Sinn, die desolate finanzielle Situation der VG zu verbessern. Das ist mir nicht gelungen. Es war weniger der mangelnde Einsatz als vielmehr die schlechten Rahmenbedingungen. Deshalb konnten alle Konsolidierungsbemühungen nicht fruchten. Wenn man keinen ausgeglichenen Haushalt hat, hat man ständig die Kommunalaufsicht mit am Tisch sitzen. Trotzdem ist in diesen Amtsperioden doch allerhand gemacht worden, wo man sich heute fragt, wie haben wir das finanziert? Darauf bin ich stolz.

Worauf sind Sie noch besonders stolz?

Arenz: Darauf, dass wir unsere Schullandschaft besonders gut bearbeitet haben. Es gab einen engen Schulterschluss zwischen dem ehemaligen Schulleiter und ersten Beigeordneten Raimund Geilenkirchen und mir. Außerdem ist es mir gelungen, aus einer altehrwürdigen Behörde, vor der die Bürger Furcht haben mussten, einen modernen Dienstleistungsbetrieb zu machen, bei dem der Bürger als Kunde und nicht als Bittsteller behandelt wird. Drittens bin ich froh, dass die denkwürdigen Ereignisse um die ehemalige Munitionsfabrik Hallschlag zu einem guten Ende gekommen sind. In einem guten Fahrwasser sind wir auch in der Jugendarbeit.

Hätten Sie rückblickend etwas anders gemacht?

Arenz: Ich hätte mich viel früher von Zwängen und Knebelungen einer bestimmten politischen Partei lösen müssen.

Der CDU?

Arenz: Das haben Sie gesagt.

Die Obere Kyll war von "Affären" geplagt. Zuletzt mit der Kämmerer-Affäre. Woran lag das?

Arenz: Ich weiß es nicht. Affäre - das ist auch so ein Begriff. Es gibt überall Gangster und Verbrecher, auch in der öffentlichen Verwaltung, auch in Rheinland-Pfalz und beim Bund. Das kann überall passieren.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Arenz: Den täglichen Kontakt mit den Mitarbeitern im Hause, von denen ich viele eingestellt habe, und natürlich den Kontakt mit den Bürgern. Denen weiterhelfen zu können war mir als sozial eingestellter Mensch immer eine große Freude.

Wo treffen wir den Pensionär Arenz in Zukunft?

Arenz: Zu Hause. Wenn ich nicht gerade arbeiten bin.

Verraten Sie uns mehr?

Arenz: Nö. Ich habe erklärt, dass ich mich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen werde. Nur so viel: Ich bin ja noch jung und rüstig. Wenn morgen der TV kommt und würde mir einen Redakteursposten anbieten, würde ich mir das noch mal überlegen. Das, was Sie machen. Ohne Quatsch. Ich bilde mir ein, dass ich gut schreiben kann.

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