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Ganz so einfach ist es nicht: VG will Gemeinden beim Abriss leer stehender Häuser unterstützen

Ganz so einfach ist es nicht: VG will Gemeinden beim Abriss leer stehender Häuser unterstützen

Mit einem Anreizprogramm möchte die VG Bitburger Land Gemeinden beim Abriss leer stehender Gebäude unterstützen, um so die Innenentwicklung der Gemeinden voranzutreiben. Bislang gibt es erst ein Haus, für das diese Prämie beantragt wurde (der TV berichtete). Und bereits in diesem ersten Fall hakt es.

1840 steht auf dem Türsturz. Im Verzeichnis der Kulturdenkmäler des Eifelkreises gibt es eine Vielzahl von Gebäuden, die weitaus jünger sind. Dieses Haus aber hat es bislang noch nicht in das Verzeichnis der rheinland-pfälzischen Generaldirektion Kulturelles Erbe geschafft. Es genießt somit keinen Denkmalschutzstatus. Einem Abriss des seit Jahren leer stehenden Wohnhauses steht grundsätzlich also nichts im Weg. Das zumindest sollte man meinen. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn auch wenn das 177 Jahre alte Gebäude nicht denkmalgeschützt ist, so heißt das nicht, dass die Denkmalschutzabteilung des Kreises einen Abriss ohne weiteres zulässt.

as Haus, um das es geht, steht im Gransdorfer Ortskern und ist dort unter dem Namen Haus Löwen bekannt. Die Gemeinde hat das Gebäude vor vielen Jahren gekauft und würde es nun gerne abreißen, um unter anderem Platz für ein Buswartehäuschen zu schaffen. Ganz gelegen kam den Gransdorfern in diesem Zusammenhang das im vergangenen Jahr ins Leben gerufene Anreizprogramm der VG Bitburger Land. Mit Hilfe dieses Programms soll der Abriss gemeindeeigener Gebäude unter bestimmten Voraussetzungen von der VG mit bis zu 5000 Euro bezuschusst werden, wenn damit eine qualitative Aufwertung innerhalb der Ortslage erreicht werden kann.

ls die so genannte Abrissprämie im Rat beschlossen wurde, gab es dazu durchaus kontroverse Meinungen. So hatte ein Ratsmitglied die Befürchtung geäußert, dass aufgrund dieser Förderung an sich erhaltenswerte und ortsbildprägende Häuser vorschnell abgerissen werden könnten. Und genau diese Befürchtung scheint sich nun im Fall Gransdorf zu bestätigen. Das Haus Löwen ist das erste und laut VG-Verwaltung bislang auch einzige Gebäude, für das eine Förderung im Rahmen des neuen Programms beantragt wurde. Der Knackpunkt ist allerdings der, dass der Kreis diesen Antrag ebenfalls genehmigen muss. Doch das tut er nicht. Zumindest nicht ohne weiteres.

Wie der Denkmalschutzbeauftragte Detlef Kleintitschen erklärt, müsse für einen solchen Abriss zunächst ein schlüssiges Innenentwicklungskonzept vorliegen, woran die Gemeinde derzeit noch arbeite. Zudem habe er nach wie vor die Hoffnung, für das Haus doch noch eine Verwendung zu finden. "Das Gebäude beschäftigt uns schon seit einigen Jahren", sagt Kleintitschen, nur habe sich bislang leider noch kein Käufer gefunden.

Das bestätigt auch Friedebert Spoden, Ortsbürgermeister in Gransdorf. "Die Gemeinde hätte es auch gerne erhalten", sagt er, "aber wir haben dazu weder die Mittel noch den Bedarf." Und es zu verkaufen, sei schwierig, weil das Haus so gut wie kein zusätzliches Grundstück habe. Damit das Haus für einen potenziellen Käufer überhaupt interessant wäre, hätte die Gemeinde seinerzeit auch noch das angrenzende Ökonomiegebäude kaufen müssen, erklärt der Ortsbürgermeister. Doch das sei finanziell nicht machbar gewesen. "Wir haben schon ein Dorfgemeinschaftshaus, das uns genug beschäftigt", so Spoden. "Da müssen wir uns jetzt nicht noch was zusätzlich ans Bein binden."

Meinung
Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Gleich zwei Förderprogramme hat die Verbandsgemeinde Bitburger Land 2016 auf den Weg gebracht: die Fusionsprämie für den freiwilligen Zusammenschluss von Gemeinden und eben die Abrissprämie. Und in beiden Fällen stellt sich die Frage, ob diese Programme wirklich sinnvoll sind. Die Fusionsbereitschaft wird dadurch nicht gesteigert, und um ein Haus abzureißen, muss die Gemeinde es erst einmal besitzen.

Für beide Programme wurden jeweils 100 000 Euro bereitgestellt - viel Geld, mit dem man beispielsweise auch den Ausbau von Kitas hätte unterstützen können. Vielen Gemeinden wäre damit wohl mehr geholfen.