Ganze Stationen ziehen in Bitburg und Gerolstein um

Kostenpflichtiger Inhalt: Archiv : Viel Bewegung in den Eifeler Krankenhäusern

Die Krankenhäuser in Bitburg und Gerolstein werden zurzeit umstrukturiert – ganze Stationen ziehen um, teils um sie zukunftssicher zu machen, aber auch, um Personal zu sparen.

Jede dritte deutsche Klinik hat im Jahr 2017 rote Zahlen geschrieben. Besonders prekär ist die Lage der Häuser auf dem Land. Auch in der Region mussten einige in jüngster Zeit schließen oder ihren Betrieb umstrukturieren. Das Spital in Neuerburg etwa gibt es seit 2014 nicht mehr. Im Krankenhaus Daun hat jüngst die Geburtsstation dichtgemacht.

„Die beiden Standorte des Marienhaus Klinikums Eifel in Bitburg und Gerolstein sind derzeit nicht in Gefahr“, wie Christoph Wagner, kaufmännischer Verbunddirektor, sagt. Damit das so bleibt, seien in den beiden Häusern aber Veränderungen im Gange: „Wir wollen die zwei Einrichtungen erhalten.“ Doch dazu müsse man sie zukunftssicher machen, „fit for future“.

Aus diesem Grund läuft in Gerolstein und Bitburg derzeit eine „Umstrukturierung“, wie Wagner es ausdrückt. Bis Anfang Dezember ziehen Stationen innerhalb der Einrichtungen um. Die Bitburger Chirurgie zum Beispiel sei dabei, sich in einem neuen Stockwerk breitzumachen. Danach folgen die Urologie und die Internisten.

Damit die Patienten von diesen Arbeiten nicht betroffen sind, finden sie am Wochenende statt. „Im laufenden Betrieb ist davon nichts zu merken“, verspricht Wagner. Die Mitarbeiter seien aber über die Zusatzschichten an Samstagen und Sonntagen nicht unbedingt erfreut.

Doch warum überhaupt der ganze Aufwand? Das Ziel dieses „Räumchenwechseldich“ ist es laut Wagner, Gebäude, Geräte und Betten effektiver zu nutzen. „Man muss sich die Auslastung eines Krankenhauses wie eine Ziehharmonika vorstellen“, erklärt er: „Im Winter braucht man wegen der Grippewellen zum Beispiel mehr Betten. Da zieht sich das Instrument auseinander.“ Im Sommer schnurre die Harmonika wieder zusammen.

Diese Varianz wolle man sich nun stärker zunutze machen. Betten, Räume und Geräte werden neu sortiert und verteilt. Gerüchte, dass in Gerolstein oder Bitburg ganze Stationen auf dem Spiel stehen, dementiert Wagner aber: „In beiden Häusern wird es weiterhin alle bekannten Abteilungen geben.“

Personal allerdings soll in den nächsten Jahren wohl eingespart werden, räumt der Kaufmännsiche Verbunddirektor ein. Er stellt aber klar: „Betriebsbedingte Kündigungen wird es keine geben.“ Es werde nur im Rahmen der natürlichen Fluktuation von zehn bis fünfzehn Stellen im Jahr geprüft, welche Posten wieder besetzt werden – und welche nicht. „Das heißt nicht, dass wir jetzt jedes Jahr zehn Pfleger abbauen“, sagt Wagner. Die Marschrichtung allerdings ist klar: In Zukunft soll weniger Personal gebraucht werden.

Eine Handvoll Stellen ist der Umstrukturierung bereits zum Opfer gefallen. Die Marienhaus-Gruppe hat jüngst die Personalabteilung und die Finanzbuchhaltung an zwei Dienstleistungszentren zusammengefasst. Den Mitarbeitern aus den 31 Standorten wurde angeboten, entweder ins saarländische Dillingen oder nach Neuwied umzusiedeln.

Während sich ein großer Teil der Angestellten aus den Häusern in Hermeskeil und im Saarland darauf einließen, sei sieben von acht Eifeler Angestellten der Weg zu weit gewesen. Sie seien zum Teil an anderer Stelle im Unternehmen untergekommen oder hätten sich neue Arbeitgeber gesucht.

Für die Patienten, verspricht der kaufmännische Verbunddirektor, werde dies alles aber keine Auswirkungen haben. Weiterhin wolle man in Bitburg 12 000 bis 13 000 Menschen im Jahr stationär behandeln, in Gerolstein rund 6000. Fallzahlen, die man auch 2019 erreichen werde und die allgemein nicht rückläufig seien.

Dennoch, das verschweigt Wagner nicht, werde es auch für die Krankenhäuser der Marienhaus-Gruppe immer schwieriger zu wirtschaften. Da reiche auch ein jährlicher Sicherheitszuschlag der Krankenkassen von rund 400 000 Euro nicht aus. Fördergeld, das wie jüngst bekannt wurde, auch das Krankenhaus Bitburg erhalten wird. „Wenn die Politik sich nicht um die gesundheitliche Versorgung auf dem Land bemüht“, sagt Wagner: „erledigt sich das Problem irgendwann von selbst.“

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