Ganztagsschule kommt nach Jünkerath

Mit knapper Mehrheit hat sich der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll dafür entschieden, an der Jünkerather Graf-Salentin-Grundschule ein Ganztagsangebot einzurichten. In offener Abstimmung hatte es ein Patt gegeben, erst in einer geheimen Abstimmung gab eine Stimme den Ausschlag.

Die Graf-Salentin-Grundschule in Jünkerath wird eine Ganztagsschule. Das hat der VG-Rat Obere Kyll beschlossen und sich damit gegen den Standort in Stadtkyll entschieden. TV-Foto: Christian Brunker

Jünkerath. Jünkerath oder Stadtkyll? Die Frage, an welcher Grundschule an der Oberen Kyll eine Ganztagsschule eingerichtet werden soll, hat den Rat der Verbandsgemeinde in seiner jüngsten Sitzung gespalten. In offener Abstimmung votierten zehn Ratsmitglieder für Stadtkyll, zehn für Jünkerath - ein Patt. Doch eine Entscheidung für einen der beiden Standorte musste her, wollte man nicht ein weiteres Jahr ohne Grundschule mit Ganztagsangebot auskommen müssen. "Um die Kuh vom Eis zu bekommen", schickte die erste Beigeordnete Melitta Gray, die in Vertretung von VG-Bürgermeister Werner Arenz die Sitzung leitete, die Fraktionsvorsitzenden in Klausur. Diese verständigten sich darauf, geheim abzustimmen - in der Hoffnung auf den einen oder anderen Meinungsumschwung.

In der Diskussion waren die Grenzen klar gezogen: Die CDU sprach sich für den Standort Jünkerath aus - allerdings in Abwesenheit des ehemaligen Stadtkyller Ortsbürgermeisters Nikolaus Simon. Sein Fehlen stieß vor allem bei Stadtkylls neuem Ortsbürgermeister Harald Schmitz auf Unverständnis - schließlich hätte seine Stimme für Stadtkyll den Ausschlag geben können.

FWG und Martin Schulz (Grüne) sprachen sich für Stadtkyll aus, wie auch die SPD-Fraktion bis auf Norbert Bischof. Es sei eine schwere Entscheidung, bei der es vor allem darum gehe, welcher Standort besser für die Eltern und Kinder sei, sagte der FWG-Vorsitzende Lothar Schun. In der Abwägung habe dann das bereits seit längerem bestehende Ganztags-Engagement der Schule in Stadtkyll den Ausschlag gegeben. Ähnlich sah es Ewald Hansen (SPD): "In Stadtkyll ist man seit Jahren bemüht und arbeitet dabei sehr gut mit der Hortgruppe zusammen." Martin Schulz (Grüne) verwies auf die zentralere Lage von Stadtkyll.

Diese Lage hatte auch Johann Thielen (CDU) im Blick, allerdings mit einem anderen Ergebnis. Denn die Busverbindungen nach Jünkerath seien bereits vorhanden, so dass man hier keine zusätzlichen Kosten verursachen würde, sagte Thielen. Außerdem gebe es dort mehr Räume und damit mehr Möglichkeiten. Rainer Helfen (CDU) ergänzte, dass es mit Blick in die Zukunft wichtig sei, einen Schulstandort klar zu stärken, und das sei nun mal Jünkerath mit der weiterführenden Realschule plus.

Weil die offene Abstimmung keine Entscheidung brachte, musste die Wahlkabine her. Und in der Tat: Einer der Befürworter von Stadtkyll entschied sich um, so ging Jünkerath mit elf zu neun als Sieger hervor. Danach zeigte sich der Rat wieder geschlossen: Nachdem die Standortfrage entschieden war, stimmten alle Ratsmitglieder geschlossen für die Einrichtung einer Ganztagsschule am Standort Jünkerath.

Meinung

An der Blamage vorbei

Nur um Haaresbreite ist der Rat der Verbandsgemeinde Obere Kyll an einer riesengroßen Blamage vorbeigeschrammt. Denn wenn die Einrichtung einer Ganztags-Grundschule - die mittlerweile von allen befürwortet wird - daran gescheitert wäre, dass man sich nicht auf einen Standort einigen kann, wäre das ein eklatantes Armutszeugnis geworden. Doch auch so sind die tiefen Gräben innerhalb der VG sichtbar geworden. Auch nach 40 Jahren ist die Obere Kyll noch lange nicht zusammengewachsen - und wird zukünftig wohl auch keine Zeit mehr bekommen, das noch nachzuholen. Stadtkyll oder Jünkerath - für beide Standorte sprechen gute Argumente, an keinem Standort sind die Kinder schlecht aufgehoben. Doch wenn so verbissen diskutiert wird, dass sogar ein Scheitern in Kauf genommen wird, zeigt sich deutlich, dass es - wie so oft - um mehr geht als die Einrichtung eines Betreuungsangebots. c.brunker@volksfreund.de