Gas gegeben, Lappen weg

PRÜM. (fpl) Die Prümer Polizei-Inspektion hat in den vergangenen Tagen auf der A 60 mehrfach die Geschwindigkeit kontrolliert – und eine ganze Reihe von Führerscheinen einkassiert.

"Der Spitzenreiter liegt jetzt bei 105", sagt Polizei-Hauptkommissar Richard Schleder von der Prümer Inspektion am Dienstagmorgen. Und das bei einem Tempolimit von 60 Stundenkilometern. Der Fahrer wurde am Kontrollpunkt kurz vor der Prümtalbrücke erwischt: Dort wird seit Monatsbeginn die Fahrbahn erneuert, deshalb gilt zurzeit die Geschwindigkeitsbegrenzung. Bereits am Freitag der Vorwoche hatten die Prümer an dieser Stelle ihre Radarfalle aufgebaut - auf Bitte der Autobahnmeisterei. "Die Arbeiter haben gesagt: Die fahren uns die Füße weg", berichtet Josef Junk, Chef der Prümer Inspektion. "Da hatten wir eine erschreckend hohe Zahl von Anzeigen und Fahrverboten in kurzer Zeit" erzählt Schleder. Der Rekordhalter sei mit 149 Sachen unterwegs gewesen (TV vom 9. Oktober). Rasante 89 Stundenkilometer schneller als erlaubt - außerhalb geschlossener Ortschaften heißt das: vier Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei, drei Monate ohne Fahrerlaubnis und schmerzhafte 375 Euro Bußgeld. Am Dienstag ist es etwas ruhiger. Dennoch haben Schleder und sein Kollege, Oberkommissar Walter Meyers, binnen einer Stunde ebenfalls bereits zehn Anzeigen geschrieben. Die gibt es bei einer Überschreitung von mehr als 20 Kilometern, plus einem Punkt in Flensburg, darunter bleibt es bei einem Verwarnungsgeld von maximal 30 Euro. Schleder rätselt, warum so viele so schnell durch die Baustelle fahren: immerhin gebe es ja einen gut erkennbaren "Geschwindigkeitstrichter" - mit einer schrittweisen Tempo-Reduzierung von 100 auf 80 und dann auf 60 Stundenkilometer. "Aber wenn Sie die Leute dann anhalten, dann machen die noch Terz, dass sie nicht schnell weiterkommen.""Jetzt kommt ein Fahrverbot"

Der nächste macht zumindest keinen Terz, obwohl auch er deutlich zu schnell an den Arbeitern vorbei gerast ist: "Jetzt kommt ein Fahrverbot", sagt Meyers und winkt den Piloten raus. Mit 104 Stundenkilometern wurde der erwischt. Das wird teuer, aber ein Fahrverbot werden die Beamten nicht durchbekommen: Der Mann hat seinen Wohnsitz in der Schweiz. "Aber er muss mit einem erhöhten Bußgeld zur Abwendung dieses Fahrverbots rechnen", erklärt Meyers. Bei dem Schweizer summiert sich das, inklusive Verwaltungsgebühr, auf letztlich 370 Euro. Die hat der Familienvater aber nicht dabei, deshalb wird der Kontrollpunkt aufgelöst: "Wir müssen zur Bank fahren", erklärt Schleder. Die Beamten begleiten den Temposünder nach Bleialf, damit er dort das Geld abheben kann. Immerhin: Der Mann zeigt sich kooperativ. "Das ist ein großes Problem zum Beispiel mit ausländischen LKW", sagt Meyers. "Die wissen, dass wir hier kein Festhalterecht haben." Werde ein solcher Fahrer von der Polizei gestoppt, dann behaupte er einfach, nicht bezahlen zu können. "Und wir müssen den dann irgendwann fahren lassen." Die Bußgeldstelle versuche dann, die verhängte Summe schriftlich einzutreiben. "In den EU-Staaten ist das noch okay", sagt Meyers. "Aber wehe, wir haben einen Fahrer aus einem südosteuropäischen Staat. Wenn der dann nicht bezahlt, dann bezahlt er eben nicht."

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