Kinder : Der erste Tag nach Corona

Viele Wochen sind vergangen, einsam ohne Freunde, ohne die Schule, die Lieblingslehrerin, Oma und Opa, keine Hobbys, keine schöne Zeit. Dann endlich kam der große Tag nach Corona.

Es stand uns ein „Neuanfang“ bevor. Alle fragten sich, wie es werden wird, ob es wie vor dieser Zeit wird oder ganz anders. Keiner wusste es.

An diesem Tag hatte Prüm eine Kirmes veranstaltet, sozusagen eine Willkommensparty. Alle kamen, die aus Prüm und die von den Dörfern um Prüm. Man merkte die lange Zeit, die vergangen war.  Manche Leute wussten sogar nicht mehr, wie man Hände schüttelt, so lange war das jetzt schon her, dass sie sich gesehen haben, und andere Leute wussten nicht mehr wie man ein Karussell benutzt. Oje!

Meine Eltern und ich waren auch auf die Kirmes gegangen. Dort haben wir meine Oma und Opa getroffen. Als mein Opa mir fünf Euro  Kirmesgeld geben wollte, merkte er, dass es ja nur noch eine EC-Karte gab, ganz schön blöd. Na ja, dann bin ich erst mal zum Karussell gerannt, Opa hat mit EC-Karte bezahlt. Dort gab es einen Zweisitzer, ich wollte mich gerade setzen, als ein anderes Mädchen kam und sich genau dorthin setzte. Ich überlegte kurz, ob ich mich daneben setzen durfte, ich war es ja gewohnt ,den Abstand zu halten, aber dann fiel es mir wieder ein, es war ja endlich vorbei.

Gott sein Dank! Als ich mich setzen wollte, erkannte ich das Mädchen, es war meine beste Freundin Lisa. Ihre Haare waren so lang geworden, dass ich sie bald nicht erkannt hätte. Alle Friseure sind ein Jahr ausgebucht, jetzt hatten viele Menschen lange Haare, auch Männer und manche Frauen haben Haare bis zum Boden. Lisa guckte dann auch mich an und erkannte, dass ich das bin. Lisa stand auf, und wir fielen uns in die Arme. Man sah überall Menschen, die sich umarmten, auch Menschen, die sich nicht kannten, umarmten sich, weil alle einfach so froh waren, dass sie es wieder durften.

Wir haben uns schnell hingesetzt, das Karussell fuhr los. Lisas und meine Haare wehten im Wind, wir lachten viel zusammen und waren einfach so glücklich, dass wir die Fahrt nebeneinander verbringen durften und keiner uns ermahnte, Abstand zu halten. Nach der Fahrt kauften wir uns Zuckerwatte und teilten sie. Es war so schön, dass man wieder etwas zusammen machen konnte, Teilen kann so schön sein.

 Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen auf der Kirmes. Alle Menschen konnten sich wieder freundlich anlächeln, weil sie endlich keinen Mundschutz mehr tragen mussten. Es war ein so schöner Tag. Lisa und ich überlegten uns, dass man mit unserer Klasse alle Mundschutzmasken zusammen binden könnte. So könnte man sehen, dass wir wieder nah zusammen sein dürfen. „Oh was wird das wieder ein schönes Leben“! Etwas später an dem Tag durften sich alle vor der Basilika versammeln.

Jeder bekam einen Herzluftballon, den musste man gut festhalten, weil Helium drin war. Jeder durfte seinen wichtigsten Wunsch auf eine Karte schreiben und diese an den Luftballon hängen. Ich habe auf meine Karte geschrieben: Ich wünsche mir, dass es nie wieder eine Coronazeit gibt. Das hatte ich geschrieben, weil ich nie wieder so lange von meinen Omas und Opas, meinen Freunden und von der Schule getrennt sein möchte. Dann haben wir alle zusammen die Luftballons steigen lassen und haben ihnen nachgeguckt.

Wieder fielen sich alle in die Arme und sahen so glücklich aus. Nur Gott wird wissen, was auf all den vielen Zetteln stand. Aber ich könnte mir vorstellen, dass wir alle das Gleiche geschrieben haben, denn welcher Wunsch könnte größer sein?

Am Abend kam noch ein großes Feuerwerk. Wir haben uns alle im Arm gehalten und die schönen Lichter geguckt –  Mama, Papa, meine Schwester, Oma und Opa, Lisa, in der Reihe hab ich auch meine Lehrerin entdeckt und alle anderen. Alle waren wieder glücklich. Bis Mitternacht ging das alles, keiner wollte mehr von dem anderen weggehen. Bevor Lisa und ich uns verabschiedet haben, haben wir uns für den nächsten Tag verabredet und sagten gleichzeitig: „Aber ohne Abstand“ und lachten. So wünsche ich mir einen Neuanfang!