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Gastronomie-Projekt in der Warteschleife

Gastronomie-Projekt in der Warteschleife

Die Giesdorfer Familie Lentz, Betreiber des "Nimstaler Getränkegroßhandels" (NGL), hat das ehemalige Café Brodel erworben und will es umbauen. Allerdings passen die Ideen der Eigentümer nicht ins Konzept der Stadt und den Bebauungsplan im Sanierungsgebiet Klosterhof.

Prüm. "Wir wollen sanieren, restaurieren und den Gastronomiebetrieb erhalten", sagt Monika Schmitz, die mit ihrer Schwester Irene Lentz gemeinsam den Nimstaler Getränkegroßhandel in Giesdorf führt. Anfang 2010 hatte das Unternehmen das ehemalige Café Brodel in der Hahnstraße gekauft, kurz darauf begann man mit der Planung dessen, was laut Auskunft der neuen Eigentümer eine moderne Mischung aus Café, Restaurant und Kneipe werden soll.
Zum Rheinland-Pfalz-Tag in knapp drei Wochen hätte alles fertig sein sollen, zumal das Gebäude an der Vorderseite alles andere als einladend aussieht - aber daraus wird nun nichts. Denn das Vorhaben der Giesdorfer passt, so die Überzeugung von Stadt und Verbandsgemeinde, nicht in den Bebauungsplan am Klosterhof. Der Bauausschuss lehnte deshalb eine Genehmigung ab - die gestalterischen Abweichungen seien "städtebaulich nicht vertretbar".
Die Rückseite des Gebäudes liegt direkt gegenüber der historischen Abtei - und genau dort wollten die Eigentümer eine Terrasse und sechs Parkplätze anlegen. In der vorliegenden Planung ist das jedoch nicht genehmigungsfähig.
Stadt und Ausschuss bedienten sich in der strittigen Frage auch einer Stellungnahme des Aachener Städteplaners Harald Heinz vom Büro HJP Planer. Und der bestätigte die Bedenken - was zu einer Verschärfung der Angelegenheit führte: Kurz darauf klebte in einigen Fenstern des Gebäudes ein Plakat, auf dem Heinz die Rolle des Bösewichts zugeschoben wurde. Zitat: "Aufgrund der Ablehnung durch Städteplaner Heinz aus Aachen kann dieses Projekt nicht weitergeführt werden."
"Wir wurden dauernd von den Leuten gefragt, was da passiert", sagt Monika Schmitz zur Begründung. Mit dem Plakat habe man die Antwort geben wollen. Was wiederum auf der anderen Seite gar nicht gut ankam: Von Rufschädigung war die Rede, das Plakat musste wieder abgenommen werden.
Weinandy regt Gespräch an


Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy regte ein Gespräch zwischen Heinz und Lentz an, das zunächst jedoch nicht zustande kam. Weitere Wochen verstrichen - bis sich nun doch eine zaghafte Annäherung ergab: Harald Heinz und Familie Lentz haben kürzlich doch in Giesdorf miteinander geredet. "Es war ein gutes Gespräch, auch von Herrn Heinz aus", sagt Monika Schmitz.
Harald Heinz, der ebenfalls den positiven Grundton der Gesprächsrunde unterstreicht, bescheinigt Familie Lentz einerseits "das große Glück, ein ganz tolles Grundstück zu besitzen, das für die Mitte Prüms wichtig ist". Allerdings verpflichte Besitz an dieser bedeutenden Stelle eben auch "zu einer gewissen Qualität". Dabei sei der Wunsch nach Terrasse und Parkflächen "völlig in Ordnung", sagt Heinz. Das Ganze sei jedoch eine gestalterische Frage. Konkret gehe es darum, welche Ausrichtung die Terrasse bekomme und wie man die Stellplätze so einrichte, "dass sie nicht zu sehr das Gesamtbild stören".
Und darüber ist bislang eben noch keine Einigung erzielt worden - aber die Gespräche sollen in den kommenden Wochen weitergehen. Es gehe jetzt darum, einen Kompromiss zu finden, "mit dem wir alle leben können", sagt Monika Schmitz. "Aber es muss auch wirtschaftlich vertretbar sein." Harald Heinz ist überzeugt, dass man das auch hinbekommen werde: "Wir werden reden - und zu einer Lösung kommen."Meinung

Erst reden, dann bauen
Wenn jemand viel Geld ausgibt, um an einer doppelt bedeutenden Stelle - Hahnstraße und Klosterhof - einen heruntergekommenen Bau zu sanieren und dort Gäste zu bewirten, dann ist das sehr willkommen. Und wenn sich die Investoren jetzt schikaniert fühlen, weil sie nicht ungebremst schalten und walten dürfen, dann kann man das auf den ersten Blick verstehen. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden: Was am Klosterhof entsteht, sollte ins Umfeld passen. Deshalb hätten die Gespräche, die nun endlich geführt werden, schon viel früher laufen müssen. Dann wäre allen der Ärger erspart geblieben - und den Besuchern des Rheinland-Pfalz-Tags der Blick auf eine schäbige Fassade mitten in der Stadt. fp.linden@volksfreund.de