Gefährdet die Brückensanierung in Alsdorf die Existenz eines Reitstallbesitzers?

Gefährdet die Brückensanierung in Alsdorf die Existenz eines Reitstallbesitzers?

Reitstallbesitzer Elmar Epper ärgert sich. Seit Monaten kommt er mit seinen Pferden nicht mehr auf die Weiden, weil die Brücken in Alsdorf saniert werden. Dadurch sieht er seine Existenz gefährdet.

Alsdorf "Das ist eine Sauerei hoch drei. Das ist schon existenzgefährdend." Elmar Epper, Reitstallbesitzer aus Alsdorf, redet sich in Rage. Der Grund: Schon seit Ende März werden die beiden Brücken in Alsdorf saniert. Normalerweise führt er unterhalb der Brücke in der Hauptstraße seine Pferde durch, um zu seinen Koppeln zu gelangen - vom Stall aus sind das ungefähr 400 Meter.

Doch seit März geht das nicht mehr. Die ehemalige Eisenbahnbrücke musste im Zuge des B 257-Ausbaus saniert und verbreitert werden (der TV berichtete). "Dahinter steckt ein neues Sicherheitskonzept", sagt Bruno von Landenberg, stellvertretender Dienststellenleiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Gerolstein. Auf der B 257 zwischen Masholder und Irrel werden neue Überholbereiche ausgewiesen. Es wird in beide Richtungen zweispurige Straßenabschnitte geben. Dafür müssen die Brücken verbreitert werden.

So auch die beiden Bauwerke in Alsdorf. Zugestimmt hatten dem Vorhaben die Verbandsgemeinde Südeifel, die Ortsgemeinde Alsdorf und die Landwirtschaftskammer Trier. Ende März ging es los mit den Bauarbeiten. "Wir wussten, dass die Sanierung ansteht, aber wann es genau losgehen soll, konnte uns so genau keiner sagen", sagt Ortsbürgermeister Manfred Heinen. Er hat Verständnis für Eppers Nöte. "Blöde Sache, dass die beiden Brücken gleichzeitig gesperrt wurden."

Elmar Epper fühlt sich schlecht informiert. "Ich habe meine Koppeln im Frühjahr sehr hochwertig gedüngt - und jetzt können wir keine Pferde dort draufstellen", ärgert er sich. Denn um zu den Wiesen zu gelangen, müsste man mit den Tieren durch Alsdorf laufen, auf die Kreisstraße 94 in Richtung Niederweis und Kaschenbach abbiegen und weiter über einen Feldweg gehen. Hin und zurück sind das exakt fünf Kilometer.

"Das ist nicht zumutbar", sagt Epper. Sein Glück ist, dass ihm ein Landwirt, der sein Milchvieh gerade abgibt, Wiesen in der Nähe seines Stalls verpachtet. "Da musste ich auf vier Hektar aber erstmal 500 Pfähle setzen und einen Elektrozaun ziehen", sagt der Reitstallbesitzer. 2500 Euro Kosten seien ihm insgesamt schon entstanden.
Die Besitzer der Tiere, die in seinem Stall betreut werden, sind ebenfalls wenig begeistert. Viele geben ihr Pferd deshalb zurzeit nicht in Pension, Urlauber mit Pferd bleiben aus.
"Letztes Jahr hatte ich in dieser Zeit 23 Pferde hier stehen, jetzt sind es nur zwölf." Zwei davon gehören Andrea Ghribi, die sich auch über die lange Sperrung ärgert. "Es ist nicht gut, wenn die Pferde nicht auf die Koppel können", sagt sie.

Bruno von Landenberg kann die Aufregung nicht ganz verstehen. Die Ortsgemeinde sei über die Maßnahme informiert worden. Die Vollsperrung beider Brücken sei geplant gewesen. Am 20. März war Baubeginn. Vertraglich vorgesehen war eine Bauzeit von sechs Monaten. Bruno on Landenberg sagt: "Bisherige Bauzeit ist vier Monate. Die Asphaltarbeiten werden diese Woche fertiggestellt. Zum Wochenende sollte alles fertig sein, wenn nichts mehr dazwischenkommt. Wir sind also schneller fertig als geplant."KommentarMeinung

Straßensanierung muss sein
Baustellen erhitzen die Gemüter. Sie kommen immer zur unrechten Zeit, dauern gefühlt ewig und sind tägliche Zeiträuber. Und wie im Fall von Elmar Epper können sie Betroffene sogar richtig Geld kosten. Klar ist aber, dass saniert werden muss. Und dass es für den Steuerzahler wirtschaftlicher ist, wenn, wie in Alsdorf, Aufträge gebündelt vergeben werden. So werden demnächst viele Autofahrer von der Brückensanierung profitieren. Dass es in diesem Fall Elmar Epper hart getroffen hat, ist richtiges Pech. Aber Schuld trägt daran eigentlich keiner. Denn auch eine frühe Information hätte ihm höchstens die Kosten für den Dünger erspart. s.glandien@volksfreund.deExtra: 8700 FAHRZEUGE TÄGLICH


Laut Bundesanstalt für Straßenwesen wurde im Jahr 2015 auf dem B 257-Abschnitt bei Alsdorf eine tägliche Verkehrsbelastung von rund 8700 Fahrzeugen ermittelt. Um das neue Sicherheitskonzept in diesem Bereich umzusetzen, mussten auch die beiden Brücken in Alsdorf saniert werden (der TV berichtete). Nach Angaben des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Gerolstein kostet die Sanierung beider Bauwerke zusammen 700 000 Euro. Weitere Arbeiten entlang der B 257 sind geplant.