Gefangen im Gestern

BITBURG. Das Bitburger Alten- und Pflegeheim "Eifel Haus" wurde als einzige Einrichtung der Region für ein Modellprojekt des Landes ausgewählt: Vor Ort erarbeiten insgesamt acht Einrichtungen Konzepte, wie die Situation Demenzkranker in den Heimen verbessert werden kann.

Manche erkennen ihre Kinder nicht mehr, gegenwärtig ist ihnen nur längst Vergangenes: Demenzkranke scheinen in einer anderen Welt zu leben - als würde die Zeit für sie rückwärts laufen. Nach Schätzungen leben 49 000 an Demenz erkrankte Menschen in Rheinland-Pfalz - Tendenz steigend. Denn der Anteil hochbetagter Menschen in unserer Bevölkerung steigt. Demenz gilt als unheilbar. Reibereien mit Mitbewohnern

Da ein Großteil der Demenzkranken in Heimen betreut wird, hat das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium zusammen mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) Rheinland-Pfalz ein Modellprojekt für Demenzkranke gestartet. Aus 99 Bewerbern wählte die Projektgruppe acht Einrichtungen aus, in denen über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren vor Ort Betreuungs-Konzepte entwickelt und erprobt werden. Daran beteiligt sich - als einzige Einrichtung aus der Region - auch das Bitburger "Eifel Haus", dessen Träger der Saarländische Schwesternverband ist. Von den 142 Bewohnern der Bitburger Einrichtung seien etwa die Hälfte mehr oder weniger stark von Demenz betroffen, sagt Heimleiterin Lisa Leinen. Eine Verteilung, wie sie für die Alten- und Pflegeheime in Rheinland-Pfalz charakteristisch ist. "Im Pflege-Alltag fehlt häufig die Zeit, angemessen auf die Bedürfnisse dieser Bewohner-Gruppe einzugehen", sagt Leinen. Die besondere Problematik beim Umgang mit den Demenzkranken: "Es ist noch keiner aus der Demenz zurückgekehrt, der über Dinge, die ihm geholfen haben oder ihn belastet haben, berichten könnte." Die Mitarbeiterinnen der Bitburger Einrichtung besuchen deshalb gezielt Fachtagungen und Fortbildungen zu diesem Thema. Arbeit mit Angehörigen ist wichtig

"Im Heimalltag kommt es öfter zu Spannungen zwischen den Demenzkranken und anderen Bewohnern", berichtet Pflegedienstleiterin Irene Schilling. Großer Bewegungsdrang und Unruhe würden häufig im Zusammenhang mit Demenz auftreten. "Einige laufen durch die Zimmer anderer Bewohner, um dort aufzuräumen, und verlegen dann Sachen." Brillen seien beispielsweise besonders beliebte "Sammelobjekte". "Wir arbeiten viel mit den Angehörigen, um herauszufinden, wie die Demenzkranken früher gelebt haben", erklärt Leinen. Für die Angehörigen sei es oft nicht leicht, mit einem dementen Familienmitglied umzugehen. Häufig würden die Betroffenen ihre Kinder nicht mehr erkennen - manche erkennen sogar ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr. Geplant ist, eine Wohngruppe für zwölf bis 14 noch nicht bettlägerige Demenzkranke einzurichten. Dabei sollen die Wünsche der Bewohner bei der Auswahl der Ausstattung berücksichtigt werden. Mitte September wird ein Architekt, der sich auf Wohnbedürfnisse alter Menschen spezialisiert hat, das "Eifel Haus" bei der konkreten Gestaltung beraten. "Wichtig für die Demenzkranken ist, dass sie sich auch außerhalb des Hauses bewegen können, ohne sich zu verlaufen", erklärt Leinen. Gedacht sei an einen Rundweg um das "Eifel Haus", der beispielsweise durch Hecken begrenzt sei. Die Erfahrungen der acht Einrichtungen des Modellprojekts trägt der MDK zusammen und wertet sie aus. Die Ergebnisse der anderthalb Jahre währenden Projektphase sollen in einem Handbuch veröffentlicht werden. Denn, so Sozialstaatssekretär Richard Auernheimer bei der Vorstellung des Modellprojekts in Mainz: "Die an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtete Versorgung von Demenzkranken wird immer wichtiger."