Gegen die fehlende Mitte

Der Gewinner des Architektenwettbewerbs "Forum Vogelsang" ist gefunden. Die besten drei Entwürfe wurden der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bauarbeiten könnten bereits im Herbst 2009 beginnen.

Vogelsang. (red) "Ich bin optimistisch, dass im Herbst 2009 die ersten Bagger anrollen können", sagte Landrat Günter Rosenke am Rande der Ergebnispräsentation des Architektenwettbewerbs. In die EuRegionale 2008 eingebettet, hatte der Kreis Euskirchen den Wettbewerb "Forum Vogelsang" mit finanzieller Unterstützung des Bauministeriums ausgeschrieben. Die besten drei Entwürfe präsentierte NRW-Bauminister Oliver Wittke.

Ein Buchenhain als "Platz der Stille"



Wie auch Professor Fritz Auer, Vorsitzender des Preisgerichts, betonte Wittke die "Offenheit", die aus dem Gewinnerentwurf des Büros "sinai" spreche: "Hier gibt es nichts Geheimnisvolles, Verborgenes und auch keine Tore mehr." Es gehe nun auch darum, ein "geschichtliches Versäumnis aufzuarbeiten, den Missbrauch an einem Ort."

"Uns fiel direkt auf, dass diesem Ort die Mitte fehlt", beschrieb Landschaftsarchitekt A.W. Faust (Büro "sinai") seinen Eindruck. Damit spielt er auf das zwar vom NS-Architekten Clemens Klotz vorgesehene, aber nie gebaute "Haus des Wissens" in der Mitte des Vogelsang-Komplexes an. "Die Anlage erschließt sich erst, wenn man was mit der Mitte macht." Schnell habe sich daraus die "Landschaftsidee" ergeben: Neue "Mitte" Vogelsangs soll ein Buchenhain werden, ein "Platz der Stille", der auf einem Rundweg über internationale Nationalparke informiert. Der Buchenhain "bricht" die historische Achse des Ortes.

Auch das Kino sowie die "Reste" (Grundmauern) des "Van Dooren"-Komplexes wurden in die Planung integriert. Auf die Frage, ob Van Dooren abgerissen werde, antwortete Rosenke: "Der Plan geht davon aus, dass das Gebäude bis auf den denkmalgeschützten Sockel abgerissen wird." Der gesamte Innenbereich des Geländes soll nach Ansicht der Planer autofrei bleiben.

Im Adlerhof soll ein Eingangspavillon entstehen, der sich von der vorhandenen Gebäudestruktur absetzt. Durch den Pavillon gelangen die Besucher auf die sogenannte "-1 Ebene", den Ort der Besucherinformationen. Weiter gelangen sie in Ausstellungsräume, die Architekt Henner Winkelmüller in eine "Schutzhülle" gepackt hat. Dabei sollen in der bestehenden Bausubstanz neue "Innenräume" entstehen, in denen die tatsächliche Ausstellung installiert wird. Winkelmüller: "Eine Art Haus im Haus, das verhindert, dass die Ausstellungsobjekte direkt mit dem geschichtlich belasteten Gebäude in Berührung kommen."

Hoch angerechnet wurden dem Entwurf die behutsamen Eingriffe in die vorhandene Struktur und Bausubstanz. Monika Herzog vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege: "Der Plan ist eine sensible Sache, weil er dem Ort eine neue Note gibt - aber mit ganz leisen Tönen. Der Denkmalschutz kann damit nur zufrieden sein."

Im Westflügel des Forums ist eine Ausstellung mit allen Entwürfen bis zum 30. November, täglich von 10 bis 17 Uhr, zu sehen.