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Gehasst, verdammt, vergöttert

Gehasst, verdammt, vergöttert

BITBURG/FRANKFURT. (cus) Seit 25 Jahren setzen die "Böhsen Onkelz" auf gitarrenlastigen Hardrock mit sozialkritischen Texten. Wohl keine andere deutsche Band war und ist so umstritten wie Kevin (41), Stephan (42), Peter (41) und Matthias (43).

FEHLGESTARTET: "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen" aus den Anfangsjahren in Frankfurt sind die einzigen bekannten Onkelz-Lieder mit ausländerfeindlichen Inhalt. Die Band spielte die Lieder nach eigenen Angaben nach 1983 nicht mehr. VERBOTEN: 1986 setzte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften das 1984 erschienene Debutalbum "Der nette Mann" auf den Index. Das bedeutet: Es ist verboten, die Platte Jugendlichen unter 18 zugänglich zu machen. Von den sechs indizierten Liedern spaltet vor allem der Titelsong in Ich-Form die Meinungen. Im Text bekennt sich ein Kinderschänder zu seinen abartigen Gelüsten - für die Prüfer eine unzulässige Gewaltverherrlichung. Laut Songschreiber Stephan Weidner wollte er durch die krasse Form das Gegenteil erreichen, nämlich den Wahnsinn eines pädophilen Mörders abschreckend darstellen. Für diese Version spräche die Zeile "Ich bin das perverse Schwein" - und eindeutigere Onkelz-Titel, die sich zweifellos gegen grausame Triebtäter richten. Weil die Onkelz "Der nette Mann" beim Abschlusskonzert spielten, gab es eine Anzeige.PEINLICH: Insgesamt ist der Prüfbericht dilettantisch gemacht, wirkt stellenweise peinlich oder einfach nur lächerlich. Fehlerhafte oder erfundene Zitate und abenteuerliche Deutungen reihen sich aneinander. Die Hymne "Böhse Onkelz" auf die Band stellen die Prüfer als Weg zu einem nationalistischen Staat dar. Das Lied "Mädchen" sei pornografisch. Nach dieser Logik wäre also nur ein gehemmtes Geschlechtsleben erlaubt.GEWALTIG: Die mangelnde Sorgfalt und Kompetenz der Prüfer ändert nichts daran, dass die indizierten Lieder "Fußball und Gewalt" und "Dr. Martens Beat" mit dem Thema Gewalt zu unkritisch umgehen. Ironie lässt sich darin zumindest nicht erkennen, zumal die Onkelz damals ihr Image als zwar weitgehend unpolitische, aber harte Skinhead-Band kultivierten. Dieses Problem gibt es später im Wesentlichen nur noch bei dem jeweiligen Titelsong der (nicht beanstandeten) Alben "Onkelz wie wir" (1987) und "Kneipenterroristen" (1988). Den Song "Bomberpilot" bezeichnet Weidner als "Antikriegslied".SAUBER: Bei ihren zehn weiteren Studioalben blieben die Onkelz sozialkritisch und deftig, aber inhaltlich sauber. Sie nehmen Stellung gegen Ausländerfeindlichkeit ("Deutschland im Herbst"), Links- und Rechtsextremismus ("Ohne mich"), Kindesmissbrauch und Sextourismus ("Viel zu jung", "Wie kann das sein"), Hass und Gewalt ("Hass-tler") sowie Drogen ("H", "Prinz Valium"). In Interviews bekennt die Band Fehler aus ihren Anfangsjahren und distanziert sich von der rechten Szene (per Ansage, Anzeige und Homepage).