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Gehen Kreistag und Stadtrat bald auf Sendung?

Offener Kanal will in den Gremien filmen : Kreistag und Stadtrat bald auf Sendung?

Nach den Sitzungen des Stadtrats Trier sollen auch die des Kreistags Bitburg-Prüm aufgezeichnet werden. Zumindest, wenn es nach der Jungen Union geht. Derweil plant der Offene Kanal auch Übertragungen aus dem Rathaus Bitburg.

Wer Publikum will, muss etwas bieten. Und eigentlich bieten Sitzungen kommunaler Gremien ja nicht wenig. Politiker entscheiden dort, was vor der Haustür passiert – ob Schwimmbäder und Straßen saniert, Breitbandleitungen verlegt, Häuser oder Windräder gebaut, Steuern und Gebühren erhöht werden, und und und.

Zuschauer verirren sich trotzdem nur selten in die Rathäuser und Sitzungssäle. Denn die Debatten, etwa im Bitburger Stadtrat oder im Kreistag, stehen im Verdacht, sich hinzuziehen und dröge zu sein. Es muss schon ein Ausnahmethema, wie die geplante Wiedereröffnung des Bitburger Flüchtlingsheims, auf der Agenda stehen, um Bürger herzulocken. Oftmals sind wir Journalisten die einzigen Gäste.

Nach Meinung der Jungen Union im Eifelkreis sollte sich das bald ändern. Die jungen Konservativen setzen aber nicht auf mehr Publikum im Sitzungssaal, sondern vor den Bildschirmen.

 „Es sollte das Ziel aller politischen Parteien sein, möglichst nah am Bürger zu sein und umfangreich zu informieren“, findet der Vorsitzende Christian Mörsdorf. Und mit modernen technischen Mitteln ließe sich das heute auch erreichen.

Was den Christdemokraten konkret vorschwebt, sind Live-Übertragungen aus dem Sitzungssaal des Kreistages, die aber auch aufgezeichnet werden sollen. Damit man sich die Debatten im Internet auch später noch ansehen kann, schlägt Mörsdorf vor.

Denn für den Vorsitzenden der Jungen Union liegt es nicht am mangelnden Interesse, dass  sich bei Sitzungen kaum Zuschauer blicken lassen. Sondern vielmehr daran, dass das Gremium meist um die Mittagszeit tagt: „Und dann sind die meisten Bürger ja auf der Arbeit.“

Ein Streaming der Sitzung würde da „eine echte Erleichterung darstellen und Flexibilität schaffen.“ Einen entsprechenden Antrag soll die Kreistagsfraktion der CDU bald aufsetzen, fordert Mörsdorf.

Die Idee ist nicht neu. Diverse Gemeinden gehen bereits mit ihren Gremien auf Sendung, seit 2017 etwa auch der Stadtrat Trier. Hier zeichnen die Ehrenamtlichen vom Offenen Kanal 54 die Sitzungen mittels dreier Kameras auf, schneiden und bearbeiten, dann live vor Ort, um sie dann im Bürgerfernsehen und im Internet auszustrahlen.

Und das durchaus professionell: Man darf sich diese Filme nicht als Standbild aus dem Rathaus vorstellen, sondern als einen gut produzierten Mitschnitt mit Schnitten und Schwenks. Wer gerade spricht, wird ins Bild genommen, sein Name und der jeweilige Tagesordnungspunkt eingeblendet. Und auch der Ton ist glasklar.

Darin mag einer der Gründe liegen, warum das Format in Trier funktioniert. Das belegen jedenfalls die Aufrufzahlen beim Kanal der Ehrenamtlichen auf der Plattform Youtube.

Dort erreichen die Stadtratssitzungen nicht selten weit über 500 Klicks, nicht selten auch über 1000. Und somit eine Reichweite, die im Vergleich zu anderen Videos des Offenen Kanals 54 recht hoch ist. Und freilich deutlich über den ebenfalls bescheidenen Zuschauerzahlen im Trierer Stadtrat liegt.

Wäre so etwas auch in der Eifel möglich? Erich Weiler vom Offenen Kanal Bitburg jedenfalls glaubt daran, dass Menschen einschalten würden. Und er sieht die Übertragung der Sitzungen, genauso wie Mörsdorf, auch als einen Gewinn für die Demokratie an: „Die politische Arbeit wird dadurch transparenter. Und jeder, der das möchte, kann sich davon dann ein eigenes Bild machen.“

Und auch für das Medium selbst könnte es eine Chance sein. Es gebe zwar keine Quoten für die Beiträge des Offenen Kanals. Aber das Beispiel aus Trier zeige doch, dass man durch das Format möglicherweise mehr Leute erreiche als durch andere Sendungen.

Das Vorstandsmitglied plant allerdings, zunächst nicht im Kreistag zu filmen, sondern erst mal im Stadtrat Bitburg. Auf seine Initiative hin laufen bereits seit Monaten Gespräche.

Die Resonanz von Fraktionsvorsitzenden und Stadtverwaltung bislang: durchweg positiv, sagt das Vorstandsmitglied des Offenen Kanals: „Abgeneigt war niemand.“

Die Herausforderung für Weiler und seine Kollegen schlummert aber auch nicht in den politischen Gremien, sondern in Technik und ehrenamtlichem Personal. „Wir müssen schauen, dass wir das Equipment zusammenbekommen und jemanden finden, der die Sitzungen dann auch regelmäßig begleitet.“

Die Kameras seien dabei das geringste Problem. Aber es müsse eine Leitung geschaffen werden, die es möglich macht, die großen Datenmengen, die beim Filmen in Bitburg entstehen, zum Offenen Kanal nach Trier zu senden.

Bis Weiler und sein Team all das auf die Beine gestellt haben, könnte noch ein Jahr ins Land gehen, schätzt er. Das nächste Gespräch im Rathaus sei aber schon für den März angesetzt.

Wenn das dann in Bitburg klappt, könne man auch über Übertragungen aus dem Kreistag nachdenken, meint der Beisitzer des ehrenamtlichen Vereins.

Vorher müssten aber auch die politischen Voraussetzungen geschaffen werden. Entsprechende Beschlüsse stehen ja derzeit noch aus.

Zumindest Andreas Kruppert, Chef der CDU-Fraktion im Kreistag, kann sich mit der Idee aber durchaus anfreunden. Er habe zwar mit seinen Kollegen noch nicht über den Antrag der Jungen Union beraten, aber er persönlich könne diesem einiges abgewinnen.

„Oft genug sitzen bei den Sitzungen nur sehr wenige Leute im Zuschauerbereich“, bedauert Kruppert: „Ein Live-Stream ist aber ein Medium, das auch junge Leute ansprechen könnte.“

So erreiche man dann vielleicht eine ganz neue Zielgruppe, die auch für die politische Arbeit gewonnen werden könnte. Bis zur nächsten Sitzung des Kreistags, Ende März, wolle er sich daher mit seinen Parteifreunden absprechen.