Geköpfter Milan gefunden – Sind Windräder eine rotierende Gefahr?

Naturschützer wollen Stilllegung : Geköpfter Milan gefunden – Sind Windräder eine rotierende Gefahr?

Ein Windkraftgegner hat einen geköpften Milan nahe einem Rotor in der Südeifel gefunden. Nun fordert er, die Anlage stillzulegen.

Ein blutiges Federknäuel liegt im Feld. Der Kopf des Rotmilans fehlt, ebenso eine Schwinge. Dieses Bild bietet sich Jürgen Zedler am 21. Mai nördlich von Uppershausen (VG Südeifel). Und für den pensionierten Förster ist klar, was den Tod des Greifvogels verursacht hat: ein Windrad, das sich unweit des Fundortes dreht. Nach Ansicht Zedlers wurde der Milan von den Rotoren zerteilt. Und er ist sich sicher, dass dies kein Einzelfall ist. „Bei der enormen Zunahme von Windindustrieanlagen in unserer Gegend“ sieht er gar den Fortbestand der Art in der Südeifel gefährdet.

Unterstützung bekommt der Neuerburger, der Mitglied der Gruppe „Gegenwind“ ist, von der „Naturschutzinitiative“. Das ist keine Überraschung: Der Umweltverband setzt sich seit Jahren mit dem Einfluss von Windrädern auf Tier- und Pflanzenwelt auseinander. Für den Milan, so heißt es in einer Pressemitteilung, seien die Türme die „Todesursache Nummer eins“.

Auch in der Windmühle nahe Uppershausen sieht  Harry Neumann, Vorsitzender der Initiative, eine Gefahr für die seltenen Vögel. Der Umweltschützer fordert die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm daher auf, „die Anlage so lange stillzulegen, bis Maßnahmen zur Vermeidung des Vogelschlages gefunden sind.“

Eine Maßnahme könnte es zum Beispiel sein, die Luftschrauben während der Erntezeit abzuschalten. Denn die Greifvögel jagen gerne auf dem frisch gemähten Feld. „Die Mahd ist für die Tiere, als würde man das Tuch vom Buffet ziehen. Mäuse zum Beispiel können sich dann nicht mehr verstecken“, erklärt Zedler. Das Problem: Die Milane hätten dann vor allem Augen für die Beute und nicht für die Rotoren.

Für die Kreisverwaltung ist all das nichts Neues. Dass Milane zu Schlag­opfern werden, scheint unstrittig. Auch, weil die Horste der Raubvögel schon so manchen Windpark – etwa kürzlich einen in Großlangenfeld bei Prüm – vereitelt haben. Sofern sich ein Nest in der Nähe befinde, schreibt Pressesprecher Ansgar Dondelinger, sei es auch möglich, Anlagen während der Ernte oder der Bearbeitung des Bodens stillzulegen. Genehmigte Windräder nachträglich abzuschalten, sei im Eifelkreis bislang hingegen „nicht thematisiert“ worden. Mit Paragraf drei des Bundesnaturschutzgesetzes hätte die Naturschutzbehörde zwar eine Handhabe, teilt Dondelinger mit. Allerdings bräuchte es für eine solche Anordnung Belege. Ein Nachweis für die Gefährlichkeit einer konkreten Anlage fehle aber. Es sei, so Dondelinger, „keine Häufing der (sehr wenigen) Todfunde in bestimmten Windparks“ zu erkennen.

Tatsächlich zählt das Umweltlandesamt Brandenburg in den vergangenen Jahren nur vier Schlagopfer im Eifelkreis. In einer Kartei der Vogelschutzwarte werden alle gemeldeten Kollisionen zwischen Windrädern und Vögeln, beziehungsweise Fledermäusen, seit dem Jahr 2002 erfasst.

Demnach wurde 2009 in Nusbaum (Südeifel) ein toter Milan gefunden. 2015 gab es  einen Todfund bei Sefferweich (Bitburger Land) und einen bei Leimbach (Südeifel). Hinzukam  im Mai der Vorfall in Uppershausen, den Zedler der Schlag­opferkartei gemeldet hat.  Weder für die Kreisverwaltung, noch für den ehemaligen Förster, sind diese Zahlen aber aussagekräftig. Die Dunkelziffer der durch Windkraftanlagen zu Tode gekommenen Milane sei, da sind sich Windkraftgegner und Behörde einig, höher.

Die Kartei stelle nur eine Sammlung von Zufallsfunden dar. Bei sommerlichem Bewuchs in Wald und Flur würden nicht alle Vögel entdeckt. Außerdem würden getötete Exemplare sicher häufig von Aasfressern verschleppt.

Können Windräder für Rotmilane gefährlich werden? Der Vogel im linken Bild, nahe Hallschlag (VG Obere Kyll) fotografiert, ist dem Rotor entkommen. Das Tier aus Uppershausen (rechts) ist offenbar einer Anlage zum Opfer gefallen. Foto: Jürgen Zedler

Auch über die Population der Rotmilane in der Gegend gibt es kaum Daten. Ein Horst bei Uppershausen ist allerdings weder der Naturschutzbehörde, noch dem zuständigen Forstamt Neuerburg bekannt. Das nächste kartiere Nest befinde sich nahe Schankweiler, schreibt Förster Rudolf Becker: Das heiße aber nicht, dass in Uppershausen keine Milane vorkämen.

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