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Geld für die Wehren, Lob für den Chef

Geld für die Wehren, Lob für den Chef

Mammutprogramm, zügig durchgearbeitet: Der Rat der Verbandsgemeinde Arzfeld hat am Donnerstag den Haushalt und etliche Investitionen beschlossen. Und Andreas Kruppert wird im September wieder zur Bürgermeisterwahl antreten.

Arzfeld. Wer künftig in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld einen Notfall hat und die erforderlichen Feuerwehrleistungen von der Versicherung bezahlen lassen muss, sollte schauen, dass es irgendwas mit Wasser zu tun hat. Denn beim Blick auf die Gebührenliste hat Wolfgang André von Bündnis 90/Die Grünen festgestellt: "Das Schlauchboot ist ja ein richtiges Schnäppchen."Alles genau durchgerechnet

Kostet nämlich nur einen Euro die Stunde, weil längst abgeschrieben. Hintergrund: Die Kommunen sind angehalten, für ihre Wehren eine rechtssichere Gebührensatzung zu erstellen, damit die Einsatzkosten korrekt mit den Versicherungen abgerechnet werden können. Bisher galt im Eifelkreis eine vereinheitlichte Satzung. Die aber ist perdu: Denn die tatsächlichen Aufwendungen sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich - weil zum Beispiel hüben ein längst abgeschriebenes Fahrzeug günstiger berechnet werden muss als drüben ein neues.Also hat man in der VG alles durchgerechnet und dafür einen Stundenpreis festgelegt. Nicht nur für die Technik: Wehrleute kosten pro Einsatzstunde 37 Euro. Die Satzung wird beschlossen, Bürgermeister Andreas Kruppert soll sie noch diesen Monat in Kraft setzen, damit man rückwirkend bis März Kosten geltend machen kann.Das Geld brauchen sie auch, gerade für die Wehren: In Lützkampen soll ein neuer Löschwagen her, für 138 000 Euro, das Land gibt 38 000 Euro dazu, weitere Fahrzeuge sollen die Arzfelder und die Waxweiler Wehr erhalten. Auch der VG-Bauhof muss investieren, in einen Schlepper und einen Unimog: Die Reparaturkosten von rund 18 000 Euro im Jahr, sagt Kruppert, seien zu hoch, die Fahrzeuge zu alt - der Rat zieht mit und beschließt den Kauf neuer Fahrzeuge für insgesamt 271 000 Euro. VG-Werkleiter Herbert Gierenz stellt den Wirtschaftsplan für 2017 vor. Und zwar so anschaulich, lobt Michael Horper (CDU), "dass auch ein Bauer wie ich das versteht" - als wüsste nicht jeder, dass kaum einer schärfer rechnen kann als Eifeler Landwirte.Abtragen, abtragen, abtragen

Ein paar Zahlen: Den Erträgen in Höhe von 2,79 Millionen Euro stehen Ausgaben von gut 2,8 Millionen gegenüber. Fehlbetrag: 25 000 Euro. Der aber, sagt Gierenz, werde sich nicht in höheren Gebühren für die Bürger niederschlagen, zumal man noch 2015 ein Plus von 72 000 Euro verzeichnete. Schuldenstand der Werke: 23,5 Millionen Euro. Und doch schaffe man es, jedes Jahr gut eine halbe Million abzutragen. Das finden alle gut, wenn auch Rainer Hoffmann (SPD) daran erinnert, dass es "immer noch 42 Jahre sind, in denen wir stramm abbezahlen müssen". Der Wirtschaftsplan geht einstimmig durch. Wie auch der Haushalt, den Kruppert erläutert. Schwerpunkte bei den Ausgaben: die Feuerwehren, der Bauhof, die Sanierung der Turnhalle in Arzfeld, ein neues Dach für die Grundschule in Lützkampen. An Krediten werde man dafür insgesamt 1,84 Millionen Euro aufnehmen müssen. "Das ist schon 'ne Hausnummer", sagt Kruppert. Auch die VG-Umlage bleibe "eine der höchsten im Kreisgebiet", mit 46,9 Prozent. Es gebe zurzeit einfach keinen Puffer, um sie zu senken. Deshalb setzt Rainer Hoffmann darauf, dass das mit der Errichtung neuer Windkraftanlagen klappt: Dann, sagt er, sollte man noch einmal über das Thema Umlagesenkung nachdenken. Immerhin: Man ist dabei, das Eigenkapital zu vergrößern. Die Fraktionen zeigen sich zufrieden, das sei doch alles sehr stabil, der Haushalt geht einstimmig durch.Bei Tagesordnungspunkt 16 (von stattlichen 17 insgesamt) übernimmt der erste Beigeordnete Gerhard Kauth (CDU) kurz die Leitung. Denn es geht darum, wann in der Verbandsgemeinde die Bürgermeisterwahl sein soll. Die Amtszeit von Andreas Kruppert endet am 30. April 2018. Der Wahltermin muss zwischen dem 31. Juli 2017 und dem 31. Januar 2018 liegen, die Kommune hat ein Vorschlagsrecht. Die Fraktionen beschließen, ihn auf den Termin der Bundestagswahl zu setzen, die voraussichtlich im September 2017 sein wird.Anlass für Andreas Kruppert, schon mal die erwartete Katze aus dem Sack zu lassen - und dafür hörbar Zustimmung einzufahren: "Nach Rücksprache mit meiner Familie habe ich mich ganz klar entschieden, mich dieser Wahl noch einmal zu stellen." Die Zusammenarbeit mit allen Fraktionen sei top, die Mitarbeiter in der Verwaltung leisteten großartige Arbeit, er sei allen dankbar. Was soll man da anderes machen als: weiter.Meinung

Macht ja auch Spaß, das Amt: Bürgermeister Andreas Kruppert als Trommler beim Liederwettbewerb auf der Westeifelschau. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden Foto: (e_pruem )

Ein paar wenigerAls ein 30-jähriger Jungspund namens Andreas Kruppert 2010 in Arzfeld zur Bürgermeisterwahl antrat, war er, obwohl in der CDU, nicht der offizielle Parteikandidat. Eine Gruppe von Renegaten hatte ihn gegen Klaus Juchmes ins Rennen geschickt. Es krachte gewaltig, und auch im Rat lieferte man sich später das ein oder andere Scharmützel. Jetzt aber: Frieden. Und das hat nicht nur mit Weihnachten zu tun, sondern auch damit, dass da einer offensichtlich in sein Amt gewachsen ist. Fünf Kandidaten traten damals an. Bei der nächsten Wahl dürften es weniger sein. f.linden@volksfreund.de