Gemeinnützig arbeiten statt abhängen

Gemeinnützig arbeiten statt abhängen

Zehn junge Leute aus sechs Ländern sind vom 30. Juli bis 21. August an der Oberen Kyll zu Gast, um dort in mehreren Dörfern freiwillig gemeinnützige Arbeit zu leisten. Die Verbandsgemeinde richtet erstmals dieses sogenannte Workcamp aus.

Stadtkyll/Steffeln. "Ich habe schon einmal bei einem Workcamp in Deutschland mitgemacht. Es macht mir Spaß. Ich lerne viele Leute aus anderen Ländern, deren Sitten und Bräuche kennen und kann meine Sprachkenntnisse verbessern", sagt Eleonora Ferioli, Studentin aus Italien. Ähnliche Beweggründe werden auch die anderen zehn Teilnehmer im Alter von 17 bis 24 Jahren aus Spanien, der Ukraine, Argentinien, Weißrussland und Südkorea haben. Anstatt irgendwo in einem Hotel am Strand zu liegen und sich rundum verwöhnen zu lassen, sind sie zurzeit im Rahmen internationaler Workcamps zu Besuch in der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll.
Für fünf Stunden gemeinnützige Arbeit am Tag erhalten sie freie Kost und Logis im Waldjugendlager Stadtkyll und ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Kosten entstehen für sie nur insofern, als sie die Anreise bis nach Stadtkyll und eine Teilnahmegebühr an die Organisation "Internationale Jugendgemeinschaftsdienste" (ijgd) für die Vermittlung bezahlen müssen.
Kenntnisse werden auch nicht gefordert. "Ein grundlegendes Interesse an Natur reicht vollkommen", erklärt Anita Sekyra aus Leipzig, die die Gruppe gemeinsam mit Nele Deters aus Köln betreut. Und Interesse an Natur werden sie in ihrer Zeit hier in Deutschland zeigen müssen: Stehen doch die Pflege des Eichholzmaars in Steffeln, ein neuer Anstrich für die Hütten im Waldjugendlager, die Instandsetzung des Ehrenmals in Stadtkyll und vielleicht sogar noch Arbeiten auf dem Ehrenfriedhof in Esch auf dem Programm. Aber das umfangreiche Arbeitsprogramm verdirbt die Laune der Jugendlichen nicht. Im Gegenteil, die Stimmung ist etwas verlegen, aber sehr freundlich und locker, als VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz die Besucher gemeinsam mit den Ortsbürgermeistern von Stadtkyll, Harald Schmitz, und Steffeln, Werner Schweißthal, begrüßt. Sie sagt voller Bewunderung: "Ich hätte mich das als Jugendliche nicht getraut. Ihr könnt sehr stolz darauf sein!" Und Harald Schmitz fügt hinzu, dass er es einfach klasse findet, dass sie in ihrem Urlaub bereit sind, zu arbeiten.
Und das werden die Jugendlichen an diesem Tag noch bis etwa 16.30 Uhr tun: Gemeinsam mit dem Geografen und Leiter der Tourist-Information Oberes Kylltal Andreas Wisniewski werden sie Sichtfenster auf das Maar bauen, den Ginster zurück- und einen Wanderweg am Eichholzmaar freischneiden.
Aber auch das Freizeitprogramm kann sich sehen lassen: eine Einladung zum Tag der Offenen Tür bei der Firma Backes in Stadtkyll, Harald Schmitz hat Karten zur Kirmes in Stadtkyll spendiert, und am Sonntag, 14. August, unternimmt Diane Schmitz mit der Gruppe zusammen mit dem Eifelverein einen Ausflug rund um die Maare.
Und Ortsbürgermeister Werner Schweißthal lädt alle spontan zum Abendessen nach Steffeln ein. Das müssen die beiden Betreuerinnen der Gruppe dann allerdings dolmetschen. Denn die Verständigung ist auf Englisch, und wie Nele Deters sagt, die selbst schon einmal in einem Workcamp in Frankreich dabei war, "über Hände und Füße".
Auch wenn die Verbandsgemeinde Obere Kyll ein solches Workcamp zum ersten Mal ausgerichtet hat, macht es doch allen viel Spaß. Und Diane Schmitz ist froh, dass die IJGD damals mit einem Flyer auf sie zugekommen ist und alles so überhaupt zustande gekommen ist. Und sie hofft darauf, dass auch im nächsten Jahr wieder eines der mehr als 100 Workcamps bundesweit in die VG kommt. kba