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Georges und andere seltsame Vögel

Georges und andere seltsame Vögel

Wenn es nichts wird mit dem größeren Urlaub, muss man sich daheim umschauen. Manchmal lohnt sich das sogar. Der zweite Teil unserer entspannten Bilderreise durch die Nachbarschaft - und in die abenteuerliche Tierwelt.

Prüm/Lüttich. Schräg, schrecklich, schön: Fahren Sie sonntags doch einmal nach Lüttich, am besten frühmorgens. Das ist zwar keine anheimelnde Stadt, aber erstens die, in der Georges Simenon aufwuchs (seine "Maigret"-Romane werden derzeit vom Diogenes Verlag neu und günstig herausgebracht). Und zweitens gibt es dort jede Woche am Ufer der Maas von 8 bis 14 Uhr zwischen dem Quai Roosevelt und dem Quai de Maestricht die "Batte" (reimt sich auf "Stadt"), einen der buntesten und schönsten Wochenmärkte überhaupt.

Buntes Treiben zwischen Nepp und Nahrungsmitteln



So bunt, dass der Pfau auf unserem Foto - den man dort genauso kaufen kann wie etliche andere Viecher - fast nicht mehr auffällt unter den ganzen farbenfrohen Vögeln, die sich dort tummeln. Die "Batte" ist ein großer Spaß - dafür sorgt allein schon das Treiben der Händler zwischen Nepp und Nahrungsmitteln, Blumen und Büchern, Klamotten und so schrillen Erfindungen wie der "elektronischen Zigarette". Dann doch lieber ein Schinken aus Italien, den es hier selbstverständlich ebenfalls gibt.

Der Name "Batte" kommt aus dem wallonischen Dialekt, bedeutet "Damm" oder "Kai" und stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, als man das Ufer mit einem Deich absicherte und einen Markt möglich machte.

"Und dazu", so heißt es auf einer Lütticher Internetseite, "die typische Stimmung der kleinen Kneipen am Flussufer". Von denen die legendärste der "Jardin des Olivettes" sein dürfte, in Marktnähe in der Rue Pied du Pont des Arches gelegen: Ein Schummer-Schuppen, wie er im Buche steht. Aber Achtung: "Vernietung von Sarl nur an Wochentaos", heißt es, buchstabengetreu wiedergegeben, im mehr oder weniger deutschen Werbetext für die historische Kneipe.

Aber auch sonntags kann man dort, um im falschen Bild zu bleiben, ordentlich einen vernieten (im "Sarl", also dem Saal). Und jede Menge schriller Atmorphäre genießen: Bei einem Besuch vor vielen Jahren wurden wir dort von Kellnern in nachgemachten Lederhosen aus dünnstmöglichem, bajuwarisch bedrucktem Stoff bedient. Wobei die Bedienung im "Olivettes" gar nicht die eigentliche Attraktion darstellt. Sondern die kleine Bühne, auf der sich jeder - wirklich jeder - im Gesang üben darf. Und das auch gnadenlos tut. Das ist manchmal schrecklich. Aber nie langweilig. So wie ganz Lüttich.

Nächste Folge: Ein Gesicht wie ein Pferd!