1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Gerd Wanken wird vor seinem Ruhestand noch so richtig geehrt

Gerd Wanken wird vor seinem Ruhestand noch so richtig geehrt

Da ist er baff: Der Stadtrat hat am Mittwochabend einstimmig beschlossen, Gerd Wanken mit der Ehrenplakette Bitburgs auszuzeichnen. Der Mann, der das Haus der Jugend aufgebaut und fast vier Jahrzehnte geleitet hat, verabschiedet sich im September in den Ruhestand.

Stille am anderen Ende der Leitung. Gerd Wanken hat es die Sprache verschlagen - und das will schon was heißen. "Jetzt, echt, warum ich?", fragt er noch immer ein bisschen ungläubig. Da hat er gerade erfahren, dass er die Ehrenplakette der Stadt Bitburg verliehen bekommt. Das hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwochabend beschlossen - einstimmig.

Seit 39 Jahren leitet Wanken das Haus der Jugend, das er 1979 als Mitglied einer Initiativgruppe mitbegründet hat. "Über Jahrzehnte engagiert sich Gerd Wanken auf unermüdliche und vorbildliche Weise in der Kinder-, Jugend- und Behindertenarbeit", sagt Joachim Kandels in seiner Ansprache und erklärt: "Durch sein überdurchschnittliches Engagement hat er sich Verdienste erworben, die durch eine besondere Ehrung gewürdigt werden sollen."

Bisher wurde die Ehrenplakette sieben Mal verliehen: Theobald Simon (Brauerei-Chef), Eugen König, Johann Ernst (beide verdiente Kommunalpolitiker der 50er und 60er Jahren), Theo Hallet (Bürgermeister 1978 bis 1987), Werner Pies (Kulturgemeinschaft), Axel Simon (Brauerei-Chef) und Peter Neu (Stadthistoriker)
. Und jetzt eben Gerd Wanken. "Das kommt mir irgendwie übertrieben vor", sagt Wanken. Er mache ja nur seine Arbeit. Er ist kein Mann der lauten Töne. Aber wenn eine Idee ihn nicht mehr loslässt, ist er ausdauernd. So war das auch in den 70er Jahren, als für Jugendarbeit demonstriert wurde.

Es war eine andere Zeit damals, als man nicht gegen, sondern für etwas auf die Straße ging. In Bitburg war eine Gruppe junger Menschen der Überzeugung, dass Jugendarbeit ein Haus braucht. An vorderster Front mit dabei: Gerd Wanken. "Wir dachten ja, das bekommen wir ganz schnell hin", erzählt Wanken. Es kam anders. 1979 wurde eine Initiativgruppe gegründet - und die hat Programm gemacht: Kinderflohmärkte, Jugendtage, Tagesfreizeiten und mehr.

Dann hat das Ganze fünf Jahre gedauert, bis das Bistum für damals 1,6 Millionen Mark das alte Jugendheim umbaute und das Haus der Jugend 1981 einzog. Für Wanken eine prägende Erfahrung: "Dieses Gefühl, dass man als junger Mensch was bewegen kann, wenn man sich einsetzt, das hat mich immer begleitet."

Keine Frage: Wanken wurde Chef dieses Hauses. Wer sonst? Heute gibt es elf Mitarbeiter und mehr als 300 Menschen, die sich ehrenamtlich für das HDJ - ob als Betreuer, Begleiter oder Fahrer - engagieren. Rund 100 Jugendliche kommen Tag für Tag ins HDJ: zum Mittagstisch, zur Mitarbeit in einer der vielen Arbeitsgruppen von Medien, Gitarren, Aerobic bis zur AG für die Integration von Behinderten, die BAG. In diesem Haus ist Leben. Natürlich auch dank Wanken, der in Bitburg das Gesicht des HDJ ist, untrennbar mit der Einrichtung verbunden. Das wird bleiben, auch wenn bald ein Ende naht.

Er verabschiedet sich im September in den Ruhestand. Dann ist er 63 Jahre alt. "Naja, und es gibt ein paar Wehwehchen. Ich bin halt einfach nicht mehr so fit", sagt er. Und außerdem findet er, sei es auch mal im HDJ Zeit für einen Wechsel. Der langjährige Mitarbeiter Thorsten Hauer, auch schon seit 17 Jahren an Bord, übernimmt dann das Ruder.

Und am Ende freut er sich dann doch wie Bolle über die Ehrung - natürlich auf seine Weise: "Diese Auszeichnung drückt eine Wertschätzung unserer aller Arbeit hier aus. Es ist viel gewonnen, wenn Jugendarbeit in Bitburg eine starke Lobby hat. Wir brauchen junge Menschen."
Aufruf

Machen Sie mit: Wir suchen kleine Erinnerungsstücke, Puzzleteile für ein großes Bild: Waren auch Sie im Haus der Jugend? Kennen Sie das HDJ noch aus der Teestuben-Zeit? Was bedeutet Ihnen dieses Haus? Und der langjährige Chef? Warum ist es gut, dass Bitburg ein Haus der Jugend hat? Was haben Sie im HDJ gelernt? Was werden Sie nicht vergessen? Mailen Sie uns - gerne auch alte Fotos - an: eifel@volksfreund.de

Kurz-Interview

Was werden Sie aus vier Jahrzehnten Jugendarbeit nicht vergessen?
Gerd Wanken: Ach, es gibt glücklicherweise so verdammt viele schöne Erlebnisse. Die Ferienfreizeiten, die Zeltlager, was aus der BAG geworden ist. Das hätte doch 1983 keiner gedacht. Ich mag die Atmosphäre bei unseren Veranstaltungen, die Begegnungen und Gespräche, vor allem aber die Freude in den Gesichtern der Kinder und Jugendlichen.

Sind Jugendliche heute anders?
Gerd Wanken: Zum Glück sind sie anders. Die Gesellschaft ist ja auch eine andere. Jugendliche sind heute immer noch genauso leicht zu motivieren, sich sozial zu engagieren. Was sich gravierend geändert hat, sind die Zeitfenster, in denen sie überhaupt noch selbst bestimmen können, was sie machen.

Was möchten Sie Jugendlichen mit auf den Weg geben?
Gerd Wanken: Sie sollen die Jugend, ihre Freiheit genießen. Ihre Talente, Fähigkeiten und Träume entdecken und daraus was machen. Sich ausprobieren, Fehler machen und lernen dürfen und sich nicht berieseln zu lassen.
Kommentar

Das Gute an der Ehrenplakette ist, dass sie so selten verliehen wird, dass es auch wirklich eine Ehre ist. Und keine Frage: Gerd Wanken hat sie verdient, aber so was von! Er ist einer, der sagt, was er denkt, und macht, was er sagt. Ohne ihn gäbe es so vieles nicht in dieser Stadt, was heute wie die BAG einfach dazu gehört. Dafür mal: Danke!
d.schommer@volksfreund.de