Gericht befasst sich mit aggressivem Patienten in der Eifel

Vorfall hat sich am 21. März in Bitburg abgespielt : Gericht befasst sich mit aggressivem Patienten in der Eifel

Ein psychisch kranker Mann soll im Betreuungszentrum in Bitburg zwei Angestellte verletzt haben. Das Landgericht Koblenz klärt jetzt die Frage, ob der Täter in eine geschlossene Psychiatrie muss.

Am 21. März 2019 rücken Streifenwagen in die Erdorfer Straße aus. Der Grund: Ein Patient des Regionalen Betreuungszentrums hat eine Angestellte angegriffen. Über einen längeren Zeitraum würgte er die Mitarbeiterin.

Foto: picture alliance / dpa/Jan-Philipp Strobel

Es ist nicht das erste Mal, dass er gewalttätig wurde. Immer wieder hat der psychisch kranke Mann in den vergangenen Jahren offenbar andere Menschen attackiert. Insgesamt zehn Fälle von Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft Koblenz dem 25-Jährigen vor.

Begangen haben soll er die Taten zwischen Dezember 2016 und März 2019 in zwei Betreuungseinrichtungen in Cochem und Bitburg. Das geht aus einer Antragsschrift des Landgerichtes Koblenz hervor. Aber verurteilt werden wird er für diese Angriffe wohl nicht, wie Claudia Göbel, Sprecherin des Gerichtes, sagt. Denn der junge Mann ist  schuldunfähig. Er beging die Taten wohl im Wahn.

Was ihm genau vorgeworfen wird, ist die „körperliche Misshandlung“ verschiedener Geschädigter. Die meisten von ihnen waren Mitarbeiter des Klosters Ebernach in Cochem an der Mosel, wo er bis Anfang 2019 lebte. Danach zog er ins vor Kurzem eröffnete Regionale Betreuungszentrum (RBZ) nach Bitburg. Dort soll er einen Psychologen geschlagen haben und dann besagter Angestellten den Hals zugedrückt haben.

Nach diesem Vorfall am 21. März haben die Barmherzigen Brüder vom Schönfelderhof „das Betreuungsverhältnis umgehend gekündigt“, sagt Wolfgang Michaely, Fachleitung für die Psychiatrischen Dienste. Er sei adäquat untergebracht. Eine Gefährdung für die Allgemeinheit bestehe nicht mehr. Mehr könne er zum laufenden Verfahren nicht sagen.

Doch wie geht es jetzt weiter? Was passiert, wenn schuldunfähige Menschen gewalttätig werden? Machtlos ist die Justiz nicht, wie Göbel erklärt. Das Landgericht kann in solchen Fällen nämlich anordnen, dass eine Person langfristig in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird. Weil dies einen erheblichen Eingriff in Leben und Rechte eines Angeklagten darstellt, muss aber vorher belegt werden, dass er gefährlich für die Allgemeinheit ist.

Genau diese Frage soll nun in Koblenz geklärt werden. Dazu wurde am Dienstag ein psychiatrischer Gutachter gehört. Geschädigte und Zeugen der Taten sollen, sagt Göbel, an den kommenden Verhandlungstagen am 30. September und 14. Oktober Aussagen machen. Wann ein Urteil fällt, sei noch unklar.

Auch der Bitburger Polizeichef Christian Hamm kann sich an den Einsatz am 21. März erinnern, der für seine Kollegen „gefährlich und schwierig“ gewesen sei. Der Dienststellenleiter stellt aber auch klar: „Das war eine Ausnahmesituation.“

Wohl rückten Beamte in den vergangenen Monaten immer mal wieder zum Regionalen Betreuungszentrum in der Erdorfer Straße aus. Meist sei es dann aber nur um Sachbeschädigungen gegangen oder es galt, einen aufgebrachten Patienten durch die Polizeipräsenz runterzubringen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Angestellten der Einrichtung sei „vorbildlich“. „Das sind alles Profis“, sagt Hamm: „Die haben uns einen Zugang ins Gebäude eingerichtet. Und wenn etwas passiert, haben die Mitarbeiter sofort Akten zur Hand, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben.“ Auch Wolfgang Michaely von den Barmherzigen Brüdern, sieht in den Beamten der Inspektion Bitburg  „gute und verlässliche Partner“. Er bestätigt zwar, dass es „vor dem Hintergrund der bestehenden psychiatrischen Symptomatik der Klienten natürlich auch zu Krisensituationen kommen kann“. Diese würden aber immer im „Rahmen klarer Absprachen und Handlungsprozesse bearbeitet“. Der Vorfall vom 21. März stelle „eine einmalige Ausnahmesituation“ dar.

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