Germany's next Sprachpanscher

Germany's next Sprachpanscher

Der Verein Deutsche Sprache hat morgen Regionalversammlung im Konvikt Prüm. Dazu sind alle eingeladen, die sich für das Thema interessieren. Mit dabei ist auch der Vorsitzende Walter Krämer, der den Gastvortrag halten wird. Krämer ist ein gebürtiger Eifeler: Er stammt aus Ormont.

Wie steht es um die deutsche Sprache? Welche Entwicklung, welche Wörter sind verzichtbar, wo geht es nicht ohne Lehnbegriffe aus anderen Sprachen?
Mit diesen und ähnlichen Fragen befasst sich der Verein Deutsche Sprache. Morgen, am Samstag, treffen sich die Mitglieder aus dem Gebiet mit 54-er Postleitzahl im Prümer Konvikt zur Regionalversammlung. Beginn ist um 18 Uhr. Die Versammlung ist öffentlich, Besucher sind ausdrücklich willkommen.
Auch der Bundesvorsitzende Walter Krämer kommt nach Prüm. Thema seines Vortrags im Konvikt: die Zukunft unserer Sprache. Sofern sie überhaupt eine hat, denn da macht sich der Statistik-Professor von der Universität Dortmund so seine Sorgen.
Krämer und der Verein sind vor allem bekannt für ihren Kampf gegen unnötige Lehnwörter aus dem Englischen, die sogenannten Anglizismen. Und sie wehren sich dagegen, dass das Deutsche zurückgedrängt wird: Wenn zum Beispiel die Technische Universität München ihre (noch so ein Begriff) Master-Studiengänge nur noch auf Englisch anzubieten plane, "dann sind wir dagegen, weil wir hier die Rolle des Deutschen als Kultursprache gefährdet sehen". Und wenn der EU-Kommissar und ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, in einem Gespräch mit dem Fernsehen behaupte, das Englische werde in Zukunft die allgemeine "Arbeitssprache", Deutsch brauche man nur noch "für Familie und Freizeit", dann läutet Krämer die Alarmglocken. Der Verein wählte Oettinger dann auch prompt zum "Sprachpanscher des Jahres" 2006.
Es sei geradezu pervers, sagt Krämer, von ausländischen Mitbürgern, die im Land bleiben wollen, einen Sprachtest auf Deutsch zu verlangen, "und die verantwortlichen Politiker gehen hin und senden die Botschaft: Deutsch ist nicht wichtig."
Im vergangenen Jahr traf die Panscher-Peitsche die Duden-Redaktion in Mannheim. Begründung des Vereinsvorsitzenden: "Wer in einem Wörterbuch der deutschen Sprache als Ersatz für Fußball den lächerlichen Angeber-Anglizismus ‚Soccer\' vorschlägt, hat es nicht besser verdient."
Krämer, der seine Kritik schneidig-sarkastisch zu formulieren weiß, wehrt sich genauso vehement gegen den hin und wieder zu hörenden Vorwurf, der Verein geriere sich als sprachstalinistischer Anti-Anglizismus-Club: Gar nicht, sagt Krämer. Im Verein gebe es viele Anglisten, "die sehen das übrigens viel entspannter als die Germanisten". Zudem gebe es etwa 200 englische Wörter in unserem Sprachgebrauch, "die Lücken füllen" und für die es eben keinen guten deutschen Begriff gebe. Und deshalb, genau: cool sind.
"Wir haben nur etwas dagegen, wenn schöne, eingeführte Wörter ersetzt werden sollen", sagt der Professor. Deshalb reagiere er auch nicht auf Einladungen zu "Meetings", wenn man doch "Treffen" sagen könne. Er gibt auch keine "Statements" ab, wenn er um eine Aussage oder einen Kommentar gebeten werde. "Oder nehmen Sie ,events\' (Deutsch: Ereignisse, Anm.) - es gab früher die Kirmes, das Schützenfest, heute gibt es nur noch ,events\'." Solche Wörter seien regelrechte "Plattmacher", sagt Krämer. "Und da haben wir durchaus was dagegen."
Ansonsten benutze er selbst dauernd englische Begriffe, wenn sie eine Sache besser träfen oder kürzer seien als eine umständliche deutsche Beschreibung.
Gute Anglizismen, schlechte Anglizismen: Der Verein hat dazu einen Index ins Internet gestellt. Die Adresse: www.vds-ev.de/anglizismenindex/
Nur mit einer deutschen Sprachvariante hat der 1948 geborene Walter Krämer selbst Probleme: dem Eifeler Dialekt. Er verstehe ihn zwar noch - aber seine Eltern seien eben mit der Familie aus der Eifel weggezogen, als er elf Jahre alt war. "Da hab ich\'s leider verlernt."Extra

Die Vereinsmitglieder wählen bis Ende August den aktuellen "Sprachpanscher des Jahres". Auf der Kandidatenliste: die ProSiebenSat.1 Media AG, die sich mit Produktionen wie "The Voice Kids", "red! Stars, Lifestyle & more" und anderen "wie kein anderes deutsches Unternehmen dem angelsächsischen Kulturkreis" anbiedere; Modeschöpfer Wolfgang Joop, der bei "Germany\\'s Next Top Model" mit englischen Wendungen nur so um sich werfe ("You are supercute" … "Great face!"); Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die bei einer Sicherheitskonferenz ihren Vortrag auf Englisch hielt, obwohl doch Simultandolmetscher alles übersetzten; der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, der die Verantwortung "für eine unsägliche Kampagne" trage, mit der man Jugendliche für die Vorsorge gewinnen wolle - mit Formulierungen wie "Your next Top Check-Up"; Letzter Kandidat: Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, der "Arbeitsschritte in Workflows" zusammenführen wolle und dabei unter anderem "Supply Chain Managern Transparenz über die Lieferantenperformance" vermitteln möchte, und der auch sonst allerlei, pardon, "Business"-Kauderwelsch von sich gibt. fpl