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Geschäftsführer der Jugendhilfestation nimmt Absschied aus dem Beruf

Soziales : Jugendhilfe ist sein roter Faden im Beruf

Christoph Schaal hört nach 35 Jahren mit seiner sozialen und seiner geschäftsführenden Tätigkeit auf. Im TV-Gespräch erläutert er, worauf es bei der Arbeit in den ökumenischen Jugendhilfestationen ankommt.

Durchhaltevermögen und Persönlichkeit  –  das sind für Christoph Schaal zwei elementare Kriterien in der Jugendhilfe. Und er selbst hat Durchhaltevermögen bewiesen: Der 62-Jährige gestaltet seit 35 Jahren Jugendhilfe in seiner Heimat mit. „Und dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Schaal, der 1958 als zweites von fünf Kindern in Baustert geboren wurde. Sein Abitur hat er am Gymnasium in Biesdorf gemacht, und dort war er auch im Internat. Die Internatszeit bezeichnet er als sehr prägend, auch im Hinblick auf seinen späteren Beruf. In Köln hat er Sozialpädagogik studiert, nachdem er zuvor – 1980/81 – ein Praktikum bei der stationären Jugendhilfe in Helenenberg gemacht hatte. Seinen Eltern ist er dankbar, dass er studieren konnte, obwohl er sein Studium selbst finanzierte, wie er betont.

Nach einem Anerkennungsjahr bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm und einigen Monaten Einsatz in der Sozialeinrichtung Maria Grünewald Wittlich, kehrt er nach Helenenberg zurück, wo er durch „eine harte Schule“ ging, wie er erzählt. „Als junger Kerl muss man sich selbst durchbeißen, Autorität verschaffen, schließlich ist man nicht der gute Kumpel der dort wohnenden Jugendlichen“, sagt Schaal, der immer für professionelle Distanz bei der Jugendhilfe plädiert. Die Kollegen in Helenenberg hätte ihn gut begleitet, elf Jahre war er dort – Durchhaltevermögen halt. „Ich bin froh, dass ich das gemacht habe“, sagt der 62-jährige. Der Helenenberg selbst habe sich jetzt gut entwickelt, findet Schaal.

1997 kommt er zu dem freien Träger, der ökumenischen Jugendhilfestation. Seit 2007 ist er deren Geschäftsführer im Hauptsitz in Bitburg. Seinen Beruf bezeichnet er als vielfältig und abwechslungsreich: „Das ist kein reiner Bürojob, Ich habe auch immer noch Basisarbeit gemacht, mit Familien, Kindern, Jugendlichen gearbeitet“, sagt der Sozialpädagoge.

Die ökumenische Jugendhilfestation, eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung, hat vier Standorte, neben Bitburg noch in Prüm, Daun und Adenau, mit insgesamt 74 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Der Jahresumsatz beträgt vier Millionen Euro. Das ist eine große Verantwortung, und „alles Geld muss erwirtschaftet werden, wie in einer mittelgroßen Firma“, wie Schaal es formuliert. Und: „Der Finanzdruck ist schon belastend.“

Belastend kann auch das Schicksal der betreuten Familien sein. So erinnert er sich an den Fall einer Familie mit kleinen Kindern, die er eine längere Zeit betreut hatte. Er sah die Missstände, sah, dass Dinge nicht umgesetzt und die Kinder nicht von ihren Eltern gefördert wurden. Oft sei es so, dass in Problemfamilien die Bedürfnisse der Kinder nicht gesehen würden und eine Förderung nicht stattfinde.

In dem beschriebenen Fall wurden die Kinder schließlich aus der Familie genommen, erinnert sich der Sozialpädagoge. Das ist auch nicht einfach für den jeweiligen Betreuer – da ist professionelle Distanz einfach wichtig. Und wichtig ist auch, dass die Hilfe immer in Zusammenarbeit mit den Eltern und auf freiwilliger Basis erfolgt, sonst gehe das zulasten der Kinder.

Die Einbeziehung der Eltern sei heute im Gegensatz zu früher selbstverständlich. Was Schaal in seiner 35-jährigen Tätigkeit beobachtet hat, ist, dass es immer mehr prekäre Lebensverhältnisse gibt, immer mehr alleinerziehende Frauen. „Und die Anforderungen an die Gesellschaft nehmen zu, zum Beispiel durch die Digitalisierung, und oft fehlt in den betreuten Familien das Geld“, sagt Schaal.

Gleichzeitig habe sich auch sehr viel getan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Hilfe könne sehr früh ansetzen, zum Beispiel durch Familienhebammen. Auch sei die Schulsozialarbeit gut geregelt. „Es gibt einen roten Faden der Hilfen, der soziale Bereich ist sehr wichtig, das hat sich auch in der Politik durchgesetzt“, sagt Schaal. Und er lobt das Jugendamt als Geldgeber für die gute Zusammenarbeit, und auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Corona-Krise sehr verantwortlich agieren.

„Der Kontakt zu den Familien ist nie abgerissen, und die Betreuung in allen Gruppen weitergelaufen“, sagt der ehemalige Geschäftsführer. Er ist zufrieden.

Dennoch hat er sich entschieden, mit 62 Jahren in den Ruhestand zu gehen; am 26. März wird er verabschiedet, seine Nachfolge ist schon geklärt.

„Ich will meine Lebenszeit nun nutzen, wie es mir gefällt“, sagt Schaal, der Hobby-Imker ist, sportlich sehr aktiv und auch Großvater. Er kann sich vorstellen, in Sachen Supervision und Coaching tätig zu werden, aber zunächst lässt er erst mal alles auf sich zukommen, ohne sich unter Druck zu setzen.

„Denn die Zeit vergeht verdammt schnell“, sagt Christoph Schaal.