Geschäftsleute in Bitburg sind erleichtert weil nur wenige Parkplätze wegfallen.

Innenstadt Bitburg : Händler atmen auf, Parkplätze bleiben

Die Geschäftsleute rund um die Liebfrauenkirche in Bitburg sind erleichtert. Nach Protesten hat der Stadtrat nun entschieden, dass dort nur vier statt, wie ursprünglich geplant, 19 Parkplätze wegfallen. Nur eine Ladeninhaberin sieht das anders.

Unermüdlich klingelt das Glockenspiel in Bitburgs Fußgängerzone. Zu jeder vollen Stunde gibt es hier, im oberen Bereich der Hauptstraße, ein fröhliches Lied. Doch die kleine Attraktion zieht auch nicht das Ausmaß an Publikum, das sich die Geschäftsleute hier wünschen würden, damit auch ihre Kassen fröhlicher klingeln. Bis hierhin bummeln nur wenige. Gefühlt hört für die meisten die Fußgängerzone beim Petersplatz auf.

Das liegt natürlich auch an der Struktur der Läden. Rund um die Liebfrauenkirche gibt es nur zwei Boutiquen und einen Schuhladen, dafür aber Restaurants, Metzger, Bäcker, Versicherungsbüros und Nagelstudios, Friseur und Fußpflege. Wer hier hinwill, steuert meist gezielt eins dieser Geschäfte an – und diese Kunden schätzen es, wenn sie direkt vor der Haustür parken können. Davon jedenfalls sind die meisten Händler in diesem Bereich überzeugt, wie eine TV-Umfrage zeigt.

Sie haben mit Unterschriftenlisten gegen den ursprünglich geplanten Parkplatz-Abbau protestiert. 19 Parkplätze hätten allein rund um die Liebfrauenkirche nach dem ursprünglichen Stadtratsbeschluss wegfallen sollen. 24 weitere am benachbarten Grünen See (siehe Info). Für die Händler ein Unding. Sie haben Unterschriftenlisten gegen den Parkplatzabbau ausgelegt.

Allein in der Prümtaler Mühlenbäckerei haben binnen einer Woche mehr als 50 Kunden sich mit ihrer Unterschrift gegen den geplanten Parkplatz-Abbau gewehrt. „Die meisten unserer Kunden kommen eben mit dem Auto“, sagt Verkäuferin Inga Wilhelm, da seien die Parkplätze wichtig. Ähnlich sieht es in der Metzgerei gegenüber aus. Neben den Kunden, die hier ihren Wocheneinkauf erledigen, kommen auch viele zum Mittagstisch. In den Restaurants ringsum sieht es nicht anders aus.

„Um die Mittagszeit“, sagt Weinhändler Paul Steinbach, „ist das hier ein einziges Kommen und Gehen.“ Er schätzt, dass rund 40 Autos Tag für Tag dann in die obere Hauptstraße vorfahren. Auch wenn es danach dann deutlich ruhiger sei, findet Steinbach: „Hier wird jeder Stellplatz gebraucht.“ Zumal es ja auch in der Nähe keinen größeren Parkplatz oder ein Parkhaus gibt: „Das sieht im südlichen Bereich der Fußgängerzone, die ja über den Beda-Platz oder das Alte Gymnasium gut zu erreichen ist, anders aus.“

Mehr Grün würde sich Weinhändler Steinbach natürlich trotzdem wünschen. Bitburg sei, auch im Vergleich mit anderen Städten doch eher „arg kahl“. Aber eine schönere Gestaltung, findet Steinbach, sollte auch möglich sein, ohne in diesem Ausmaß, wie es zunächst geplant war, auf Parkplätze zu verzichten.

So sieht man das wenige Meter weiter in der Boutique Astra auch. „Die Parkplätze sind wichtig. Gerade hier oben in dem Bereich, weil hier auch sonst nicht viel ist“, sagt Verkäuferin Vera Rings. Ihre Kunden kämen überwiegend mit dem Auto. „Und da beklagen sich viele, wenn sie dann hier sind, wie lange sie hätten suchen müssen.“ Schon heute. Noch weniger Stellplätze wären schwierig.

Gudrun Blatzheim kennt die Hauptstraße noch aus der Zeit vor dem Ausbau zur Fußgängerzone. Damals, als Autos durchrollten und es selbstverständlich war, dass jeder direkt vors Geschäft fahren konnte. „Es gibt doch schon jetzt zu wenige Parkplätze in diesem Bereich“, sagt sie. Selbst ein größeres Parkhaus am Annenhof würde ihrer Meinung nach den Händlern im oberen Bereich der Fußgängerzone nicht viel nutzen: „Das ist den meisten schon zu weit entfernt.“ Vielleicht seien es die Leute in einer Kleinstadt auch einfach gewohnt, möglichst direkt am Laden zu parken.

Gewohnheiten aber, so jedenfalls sieht das Petra Solchenbach vom gleichnamigen Schuhgeschäft, können aber geändert werden. „Natürlich sind drei, vier kostenlose Kurzzeitparkplätze wichtig, damit man kurz in die Bäckerei oder Metzgerei gehen kann“, sagt die Geschäftsfrau. Darüber hinaus hätte sie es aber besser gefunden, wenn der Platz rund um die Kirche schöner gestaltet worden wäre – auch, wenn dafür etliche Parkplätze mehr hätten weichen müssen.

„Das sieht einfach nicht einladend aus, wenn man vom unteren Bereich der Fußgängerzone hier hochblickt und dann Auto an Auto steht“, findet Solchenbach. Ihrer Beobachtung nach würden Touristen meist die ganze Fußgängerzone von unten nach oben oder umgekehrt entlanglaufen. Es seien eher die Einheimischen, die direkt vorm Laden parken wollen. „Ich mache das ja selbst auch, wenn ich die Möglichkeit dazu habe“, sagt Solchenbach. Gäbe es die Möglichkeit nicht, würde sie gehen. „Ich glaube auch, dass die meisten unserer Kunden kein Problem damit haben, ein paar Meter mehr zu laufen. Erst recht nicht, wenn der Weg an schönen Plätzen vorbeiführt.“ Ihre Überzeugung: „Was uns das Leben wirklich schwer macht, ist der Onlinehandel. Deshalb kämpfen wir ums Überleben, nicht wegen der Frage, ob ein Kunde nur zehn oder auch 100 Meter bis zum Laden geht.“

Was ist Ihre Meinung? Wären Sie bereit, auch ein paar Meter bis zum Geschäft zu laufen, oder erwarten Sie, dass in einer Kleinstadt wie Bitburg möglichst direkt vor dem Laden geparkt werden kann? Hat Bitburg ein Parkplatz-Problem? Wo gibt es zu wenig Parkplätze? Oder sollte die Stadt lieber ihre Plätze schöner gestalten? Mailen Sie uns Ihre Meinung an eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort bitte nicht vergessen). Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Mehr von Volksfreund