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Geschichten von der Milch-Tanke

Geschichten von der Milch-Tanke

Vor gut einem Jahr waren Andrea und Lothar Hansen aus Bleialf die ersten im Eifelkreis, die ihre Milch auch am "Büdchen" vor der Haustür verkauften, inzwischen sind weitere Landwirte gefolgt, unter anderem in Brühlborn, Hersdorf und Rommersheim. Das ließ sich gut an - und doch hat Lothar Hansen festgestellt: Die Milch alleine macht’s nicht.

Bleialf. Wie macht sich das Büdchen von Andrea und Lothar Hansen in der Bleialfer Bahnhofstraße? Seit dem vorigen August (der TV berichtete), kann man dort, zu einem bauernfreundlichen Preis, kurz zum "Tanken" anhalten.
"Der Milchverkauf liegt bei zirka 20 bis 25 Litern am Tag", sagt Hansen. Das decke die Kosten, "könnte aber besser sein". Dabei macht's die Milch nicht allein. Mittlerweile verkaufen die Bleialfer auch Eier vom Geflügelhof Lehnertz in Habscheid und Kartoffeln von Bauer Peters aus dem Nachbarort Buchet.Preis bleibt zu niedrig


So weit, so mittelgut also. Hansen hat sich dennoch vor kurzem beim TV gemeldet: Weil er sich über ein paar Dinge ärgert. "Ich krieg von den Leuten immer zu hören: ,Euch geht's ja jetzt wieder besser, der Milchpreis ist doch gestiegen'", erzählt er.
Das aber gebe die Wirklichkeit nicht so ganz wieder: Zwar erhielten die Landwirte von den Molkereien im November 28,7 Cent für den Liter Milch, wirtschaftlich arbeiten können sie damit allerdings nicht unbedingt. Als Hansen mit dem Büdchen anfing, stand der Preis bei 28 Cent, sank danach aber noch einmal deutlich weiter, es ging hinab bis auf rund 23 Cent. Die Bauern sagen aber, dass sie 35 brauchen, um ihre Kosten zu decken, und rund 40, um wirklich Geld zu verdienen.
"Aldi verkauft Milch bereits 15 Cent teurer", sagt Lothar Hansen. Das sehe dann so aus, als erhielten die Landwirte deutlich mehr - so aber sei es eben nicht. Die Hansen-Milch (man kann von 0,2 bis fünf Liter bei ihm zapfen) geht für einen Euro pro Liter weg. Im Supermarkt zahlt man dafür etwa 1,20 Euro. Aber er verkauft eben auch nur gut 20 Liter am Tag - es bleibt also nicht allzu viel hängen. Ein Eindruck, den Landwirt Berni Schaal aus Hersdorf teilt. Im November 2015 nahm auch er seine "Milchtankstelle" in Betrieb. "Anfangs lief es sehr gut, dann kam aber ein Einbruch. Wir kalkulierten damit, dass 30 Liter am Tag abgesetzt werden müssten, damit die Maschine sich rentiert. In den ersten Monaten war das auch soviel, dann ging es allerdings zurück", sagt er.
Mittlerweile verkaufe er in Hersdorf ähnliche Durschnittsmengen wie sein Kollege in Bleialf. "Wir grämen uns nicht und wollen definitiv nicht klagen, aber es könnte halt ein bisschen mehr sein." Er sehe das Angebot auch als Werbemaßnahme. "Wir werden es fortführen, auch wenn wir uns bewusst sind, dass man mit dem Automaten allein nicht unbedingt Geld verdienen kann." Die Kunden, die man habe, seien treu, die Gäste in den Ferienwohnungen rund um den Hof würden das Angebot gerne annehmen. "Eine Investition ins Image der Milch und unsere Region."
Auch die Feriengäste am Görgenhof im Rommersheim nutzten zuverlässig den dort seit dem Sommer stehenden Automaten, sagt Regina Barthems. Insgesamt lägen die Verkaufszahlen aber auf dem Niveau der Mitbewerber. Überspitzt könne man sagen, dass täglich für den Verkauf am Automaten eine Kuh gemolken werden müsse. "Dass das nicht unbedingt reicht, damit sich das Gerät rentiert, liegt auf der Hand." Aber auch in Rommersheim halte man an dem Service fest. "Es ist ein weiteres Standbein und wir sehen ja, dass es treue Kunden gibt, die es annehmen." Sie hoffe, dass der Verkauf noch etwas anzieht. "Deutlich rückläufig ist er seit Beginn der dunklen Jahrezeit. Wird es erstmal heller, hoffen wir wieder auf mehr Kunden - wir werden sehen, was das Jahr 2017 bringt."
Ob es für die Milchbauern besser wird, kann bisher niemand so recht einschätzen. Hansen ist skeptisch: "Von Brüssel werden wir mit Vorschriften überhäuft ob bei Tierhaltung, Gülle-Silage oder Stallmistlagerung. Bei derBewirtschaftung unserer Flächen müssen wir uns an Vorgaben halten." Im Grunde sei dies eine Form der "modernen Land-enteignung": Halte man sich nicht daran, werde den Milchbauern die " Landwirtschaftliche Sozialhilfe" - auch Direktzahlung genannt - gekürzt. Da helfe dann auch kein Milchautomat mehr.