1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Zweiter Weltkrieg: Geschichtsarbeiter im Grenzland

Zweiter Weltkrieg : Geschichtsarbeiter im Grenzland

Die Ardennenoffensive: Die beiden Eifeler Manfred Klein und Robert Fuchs zeigen demnächst im Islek wieder ihre multimediale Dokumentation zu Hitlers gescheitertem Versuch, das Kriegsgeschehen noch einmal herumzureißen. Und sie arbeiten bereits am zweiten Teil.

Buchet/Habscheidermühle Sie hatten das nicht so erwartet: Als sich Manfred Klein aus Buchet und Robert Fuchs aus Habscheidermühle vor zwei Jahren daransetzten, eine Dokumentation über die Ardennenoffensive 1944 zusammenzustellen (der TV berichtete), war ihnen nicht klar, wie lange sie daran arbeiten würden. Am Ende waren es 1700 Stunden: und zwar nur für den ersten Teil, der die Situation vom Sommer 1944 bis zum Beginn der Offensive im Dezember nachzeichnet, als Hitler alles an verfügbaren Kräften nach Westen schickte, um die anrückenden Alliierten zu stoppen.
Ein Familienleben, sagt Fuchs, habe während der Arbeit "zwar irgendwie noch stattgefunden, aber es war doch sehr eingeschränkt". Die Geduld der Lieben zu Hause hat sich gelohnt: Ihre Multimediaproduktion haben die beiden Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Luftkrieg über der Eifel schon einige Male präsentiert. Zuletzt in Losheim, und der Zuspruch, sagt Manfred Klein, "war überwältigend". Man habe mit höchstens 150 Besuchern gerechnet - es kamen 232. Und alle zeigten sich sehr angetan.
Das Interesse ist natürlich auch deshalb groß, weil sich damals in der Region der Verlauf der Weltgeschichte entschied - auf grausame Weise und unter immensen Verlusten auf allen Seiten. Viele tausend Menschen starben in den Kämpfen und Gefechten, andere wurden misshandelt und ermordet.
Die beeindruckende Präsentation, kombiniert aus alten und neu gedrehten Film- und Tonaufnahmen, Fotos und animierten Elementen, enthält unter anderem Zeugenberichte und Karten, auf denen der Verlauf des Geschehens nacherlebt werden kann. Einen Teil der Aufnahmen kolorierten Klein und Fuchs nach, "um das Gesicht des Krieges richtig darstellen zu können", sagt der 46-jährige Klein. Und sie legen Wert auf Korrektheit. Manfred Klein: "Gerade die letzten Monate haben dramatisch gezeigt, dass sich unsere Gesellschaft im Zeitalter von Vernetzung und Massenmedien durch bewusst falsch gestreute Informationen sehr verletzbar macht."
Wie recht er damit hat, denkt man angesichts der Twittokratie eines Donald Trump und der vielen, vielen Lügen, die erst einmal rausgehauen werden, bevor sie die Rechercheure, viel zu spät und meist mit erschreckend geringer Wirkung, richtigstellen können.
"Wir gehen vom Großen, Weltpolitischen ins Kleine, bis in unsere Region", sagt Manfred Klein. Stets mit dem Ziel, alles "für den historisch Unbefangenen sowie den militärisch Bewanderten gleichsam interessant zu gestalten".
Wir treffen uns auf dem Ehrenfriedhof in Daleiden. Dort liegen 3224 Gefallene der Kämpfe im Winter des vorletzten Kriegsjahres. Einige der Soldaten haben die beiden selbst gefunden - darunter einen jungen, erst 20-jährigen Piloten, der aus Hamburg stammte: Joachim Selpin, abgeschossen im Grenzgebiet zwischen Krewinkel (Belgien) und Kehr. 50 Jahre nach seinem Tod am 17. Dezember 1944 grub man seine sterblichen Überreste aus.
Die Ardennenoffensive sei von deutscher Seite minutiös geplant gewesen, sagt Robert Fuchs. Aber sobald sie begann, "herrschte ein heilloses Durcheinander". Nicht nur das: Viele Kriegsverbrechen sind aus dieser Zeit verzeichnet. Darunter auch der Mord an elf afroamerikanischen Soldaten in Wereth bei Schönberg (siehe weiteren Artikel auf dieser Seite).
Bei ihrer Recherche in den Archiven stießen die beiden auch auf eine Geschichte, die kaum jemand noch kennen dürfte: Die Ermordung zweier deutschsprachiger Juden, die für die Amerikaner gedolmetscht hatten: Sie waren im Dezember mit der 106. US-Infanteriedivision in Ihrenbrück gefangen genommen worden. Die Amerikaner hatten wiederum einige Tage davor eine Gruppe deutscher Soldaten geschnappt und mit Hilfe ihrer jüdischen Kameraden verhört. Die von ihren Landsleuten befreiten Deutschen wiesen den Bataillonskommandanten Curt Bruns auf die Juden hin. Die Gerichtsakte aus dem späteren Prozess gegen Bruns in Düren (im April 1945) zitiert ihn mit dem Satz: "Die Juden haben kein Recht, in Deutschland zu leben." Er ließ sie in Richtung Bleialf abführen - und dann am Straßenrand erschießen.
Teil 2 der Dokumentation ist derzeit noch in Arbeit - bis Jahresende wollen Klein und Fuchs damit fertig sein. Darin werden sie sich auch mit den Grausamkeiten befassen, die neben den Kämpfen während der Offensive begangen wurden. Ein hochsensibles Thema, sagt Fuchs, deshalb versuchen sich die beiden "streng an die Gerichtsakten zu halten", erstellt bei den Prozessen, "die nach dem Krieg zur Verurteilung der Täter geführt haben".
Den ersten Teil präsentieren die beiden unter dem Titel "Grenzland in Flammen" demnächst zweimal im Islek: Am Freitag, 10. März, um 19.30 Uhr im Gasthaus Kaut in Leidenborn, und am Samstag, 1. April, 19.30 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Arzfeld.
Karten kosten 8 Euro, man erhält sie unter Telefon 0160/91507174 oder per E-Mail an 5minto12@online.de
DIE OFFENSIVE BEGINNT


Extra

Die "Tagesmeldung West" vom 17. Dezember 1944, Heeresgruppe B: "Die Heeresgruppe trat am 16. 12. an der 100 km breiten Eifelfront mit 6.Pz.Armee, 5. Pz. Armee und 7. Armee nach kurzer starker Feuervorbereitung aller Waffen zum Angriff nach Westen an. Der Angriff traf den Gegner völlig überraschend, überrumpelte seine vordersten Sicherungen und gewann zunächst überall schnell Boden." Aus der Tagesmeldung der Heeresgruppe H: "Erbitterter Kampf gegen zaehen feindl. Widerstand hart ostw. Kobscheid, beiderseits Beialf, am Suedrand Großlangenfeld und ostw. Winterspelt haelt an. Heckhuscheid trotz zaehen Widerstandes genommen, ging aber am Abend wieder verloren."ANTONY BEEVORS PACKENDE DARSTELLUNG


Extra

 Manfred Klein.
Manfred Klein. Foto: Fritz-Peter Linden
 Robert Fuchs.
Robert Fuchs. Foto: Fritz-Peter Linden

Vor wenigen Wochen ist bei C. Bertelsmann das neue Buch des britischen Historikers Antony Beevor erschienen: "Die Ardennen-Offensive 1944 - Hitlers letzte Schlacht im Westen" erzählt so packend wie erschütternd von den Ereignissen damals. Beevor liefert eine genaue und detailreiche Tag-für-Tag-Schilderung der Vorbereitungen und der Kämpfe - und er spart die Kriegsverbrechen, die aus aufgestautem Hass auf praktisch allen Seiten begangen wurden, ebensowenig aus wie viele weitere Einzelheiten. Darunter auch den Hader, den vor allem die Amerikaner mit dem britischen Feldmarschall Bernard Montgomery hatten. Antony Beevors Buch hat 480 Seiten, inklusive zahlreicher Karten und Fotos, und kostet 26 Euro.