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Geschichtsverein Prümer Land hat neues Jahresprogramm: Altes nicht vergessen, Neues begreifen

Kultur : Bienen im Winter, Pastöre in Dachau

Im Programm des Geschichtsvereins Prümer Land wird der Iran bei „Brennpunkt Geschichte“ ebenso Thema sein wie das Schicksal Eifeler Geistlicher in der NS-Zeit und das Altwerden.

Volker Blindert, dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins Prümer Land, fehlt noch eine Zusage, ansonsten steht das Programm für 2020. Und das ist mal wieder beachtlich. Neben prominenten Gästen haben auch Mitglieder des Vereins vielversprechende Vorträge vorbereitet.

Los geht es am Freitag, 28. Februar, 20 Uhr im Konvikt mit der Jahreshauptversammlung. Ein Abend, bei dem auch Nichtmitglieder willkommen sind. Denn dort zeigen Manfred Klein und Robert Fuchs die Dokumentation „Grenzland in Flammen: Der Untergang – Die Woche vor dem Neubeginn“.  Worum geht’s? Vor 75 Jahren waren die Orte rund um Prüm von den Amerikanern besetzt.  Sie sind entschlossen, dem Dritten Reich den entscheidenden Stoß zu versetzen. „Dieses Thema wird aufgearbeitet in einer Kombination aus Vortrag und Film. Dabei werden Aufnahmen gezeigt, die noch keiner gesehen hat“, sagt Blindert.

Am 13. März ist dann Prinz Asfa-Wossen Asserate bei der Reihe „Brennpunkt Geschichte“ in Prüm zu Gast. Der in Deutschland lebende Bestsellerautor, Unternehmensberater und politische Analyst ist der Großneffe des früheren äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Er spricht über das Thema: „Die neue Völkerwanderung – Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten“.

„Ich gucke immer, welche Themen gerade interessant sind und wer bei den Verlagen Bücher neu veröffentlicht“, sagt Blindert. Prinz Asfa-Wossen Asserate sei ihm dort mit seinem Buch (gleicher Titel wie der Vortrag) aufgefallen. Daraufhin habe er  über dessen Internetseite mit ihm Kontakt aufgenommen. Das sei recht unkompliziert gewesen.

Aufspüren, planen, Kontakt aufnehmen – auch das  gehört zum Handwerk des Vorsitzenden dazu. „Ich stelle jedes Jahr unfassbar viele Anfragen.“ Im vergangenen Jahr hat er sich besonders über die Zusage von Ex-Bundespräsident Christian Wulff gefreut, der ohne Honorar nach Prüm gefahren kam. „Wir zahlen aber generell den Referenten keine hohen Honorare. Das ist alles nicht der Rede wert“, sagt Blindert. Der Verein lebt von den Beiträgen der Mitglieder, die dafür viermal im Jahr den Landboten erhalten. Die Kosten der Veranstaltungen decke man über Eintritte und Spenden.

Traditionell hat der Geschichtsverein auch etwas zum Lachen im Programm. So gibt es in diesem Jahr Wiederholungstäter.

Wer sie bereits kennt, darf sich beim Kabarett-Abend auf den Auftritt der Bonner Springmäuse freuen, am 3. April. Den Auftakt an diesem Abend macht Sebastian Schnoy mit seinem Kurzprogramm, Titel: „Dummikratie – Warum Deppen Idioten wählen“.

Ein weiterer Höhepunkt soll der Vortrag des Politologen Adnan Tabatabai zum Thema „Iran – Ein Land in innen- und außenpolitischer Krise“ sein. Aber auch die Heimat kommt nicht zu kurz. Vor drei Jahren wurde der Heimatabend eingeführt. Diesmal sind am 8. Mai der preisgekrönte Schriftsteller Norbert Scheuer sowie Wilhelm Geschwind und Susanne Riemer (Musik) zu Gast.  Scheuer, 1951 in Prüm geboren, liest aus seinem aktuellen Buch „Winterbienen“.

Im September kommt Franz Müntefering, ehemaliger Minister und SPD-Parteivorsitzender, in die Eifel. Sein Vortrag dreht sich um das Älterwerden in dieser Zeit.

Einen besonderen Ort für seinen Vortrag hat Alois Mayer gewählt. Im Chorgestühl der St. Salvator Basilika spricht der Lokalhistoriker über das Thema „Priester im Konzentrationslager  - Eifeler Geistliche sterben in Dachau“. Darunter befanden sich auch Johannes Ries, Arzfeld, Johannes Schulz, Nickenich, und der Prümer Pfarrer Josef Zilliken. „Sie verloren ihr Leben“, heißt es in der Ankündigung, „weil sie Göring nicht grüßten“.

Den Abschluss macht am 8. November der Mundartnachmittag  im Konvikt. Nicht zu vergessen sind die Ausflüge und Studienreisen, Wanderungen und Tagesfahrten, die von Mitgliedern des Geschichtsvereins organisiert und begleitet werden.

Und was sind die Publikumslieblinge? „Brennpunkt Geschichte läuft immer sehr gut. Das sind total aktuelle Themen, die die Bevölkerung interessieren. Aber auch die regionalen Angebote, wie zum Beispiel die Gedenkveranstaltung zur Explosionskatastrophe in Prüm, wurden im vergangenen Jahr  von 300 Menschen besucht.“ Es gebe gewisse lokale Ereignisse, die ein großes Interesse hervorrufen, wie etwa der Vortrag zu den Ausgrabungen am Hahnplatz. Prüm habe da einiges zu bieten, sagt der 39-Jährige.

Prominente wie auch lokalhistorisch bewanderte Redner, Kabarett, Heimatliches und Ausflüge – das ist der bewährte Mix, der gut beim Publikum angenommen wird. Sorgen bereitet dem Vorsitzenden nur die Überalterung des Vereins. „Wir arbeiten daran, neue Mitglieder zu gewinnen. Unsere Kabarettveranstaltungen und Brennpunkt Geschichte sollen auch Jüngere anlocken“, sagt Blindert, der sich freut, wenn die Angebote auf große Resonanz stoßen.

Auch Grund zur Freude bei Blindert: wenn ein Referent zusagt, bei dem er gedacht hat, „den bekommst du nie im Leben“. Auch die Herausgabe des Landboten mache ihm Spaß. „Und dass es so viele Menschen gibt, die für ihren Ort was schreiben. Wir haben einen Riesen-Vorrat an Beiträgen“, sagt er.

 ARCHIV - 14.05.2018, Nordrhein-Westfalen, Dortmund: Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering lacht bei einer Pressekonferenz zum 12. Deutscher Seniorentag. Franz Müntefering brachte die Rente mit 67 auf den Weg und geißelte gierige Finanzinvestoren als «Heuschrecken». Donnerstag wird der Vollblut-Politiker aus dem Sauerland 80 Jahre alt. Foto: Bernd Thissen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 14.05.2018, Nordrhein-Westfalen, Dortmund: Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering lacht bei einer Pressekonferenz zum 12. Deutscher Seniorentag. Franz Müntefering brachte die Rente mit 67 auf den Weg und geißelte gierige Finanzinvestoren als «Heuschrecken». Donnerstag wird der Vollblut-Politiker aus dem Sauerland 80 Jahre alt. Foto: Bernd Thissen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Bernd Thissen
 bb_alois-mayer-abdankung-eifelverein-daun (Bettscheider Brigitte) ORT: Daun-Pützborn *** PERSONEN: Mayer Alois *** Heimat- und naturverbunden: Alois Mayer, der zwar die Geschäftsführung der Eifelvereins-Ortsgruppe Daun abgegeben hat, dem Verein aber als Wanderführer und Kulturwart erhalten bleibt TV-Foto: Brigitte Bettscheider ***
bb_alois-mayer-abdankung-eifelverein-daun (Bettscheider Brigitte) ORT: Daun-Pützborn *** PERSONEN: Mayer Alois *** Heimat- und naturverbunden: Alois Mayer, der zwar die Geschäftsführung der Eifelvereins-Ortsgruppe Daun abgegeben hat, dem Verein aber als Wanderführer und Kulturwart erhalten bleibt TV-Foto: Brigitte Bettscheider *** Foto: TV/Brigitte Bettscheider (bb)

Und wer steht noch auf seiner Wunschliste? „Ich würde mich freuen, wenn Joachim Gauck nochmal zu uns kommt“, sagt Blindert. Die Anfrage läuft.