Caritas startet mit neuem Angebot Gespräche gegen das Alleinsein

Speicher/Gerolstein · Einsamkeit trifft Menschen gerade in Corona-Zeiten hart. Ein offenes „Eifelohr“ will der Caritasverband Westeifel mit seinem neuen Cari-Talk bieten. Zunächst nur rund um Speicher und Gerolstein vermittelt die Organisation Ansprechpartner an Alleinstehende Menschen.

 Vor allem alte Menschen sind von Einsamkeit betroffen.

Vor allem alte Menschen sind von Einsamkeit betroffen.

Foto: dpa/Karo Kraemer

Es gibt Wohnungen, in denen über Wochen nur der Fernseher spricht. Einsame Menschen, deren einziger sozialer Kontakt der Postbote ist. Häufig sind es Senioren, die zurückbleiben, wenn Partner, Verwandte und Freunde sterben, Kinder und Enkel vom Land in die Städte ziehen.

Thomas Schneider vom Caritas Verband Westeifel arbeitet als Pflegeberater im Pflegestützpunkt Speicher und kennt viele solcher Schicksale. Oft, sagt er, blieben sie im Verborgenen: „Das sind Menschen, die niemand sieht, die niemand hört und mit denen niemand spricht. Sie haben keine Lobby. Für die meisten von uns ist das nicht vorstellbar.“

Und gerade jetzt, wo das Corona-Virus die Leute zwingt, soziale Kontakte einzuschränken, spitze sich die Lage zu. Denn Senioren gehören laut Robert-Koch-Institut zur Risikogruppe und sollten daher möglichst isoliert bleiben. Was derzeit viele Kinder, Enkel und auch Besuchsdienste zwingt, sich fernzuhalten. Die Folge, sagt Schneider: „Alleinstehende ziehen sich weiter zurück, verlassen die Wohnung gar nicht mehr.“

Dabei müsste das nicht sein, findet Schneider. Denn auch in der Krise bietet der Caritasverband Westeifel Unterstützung. Die gemeinnützige Orgsanisation hat sich mit den Verbandsgemeinden Gerolstein und Speicher zusammengetan, um ein neues Angebot auf den Weg zu bringen: den „Cari-Talk“.

Die Idee dahinter ist simpel. Wer Kontakt zu Mitmenschen sucht, bekommt von der Caritas einen Ansprechpartner, ein sogenanntes „Eifelohr“, vermittelt. Diese ehrenamtlichen Paten melden sich dann regelmäßig zum Gespräch über Telefon, Whatsapp oder Videochat.

Bei diesen „Talks“ soll es sich nicht um Beratungen handeln, auch nicht um Seelsorge, sagt Schneider: „Alleinstehende bekommen einfach jemanden zum Plaudern. So lange, wie gewünscht und über die Themen, die sich gerade ergeben.“

Verpflichtungen seien dabei keine im Spiel, auch kein Zwang, sich täglich zu melden. Telefoniert oder gechattet wird, so oft es eben passt und beide es wollen: „Das Ganze soll ja Spaß machen.“ Am 17. April startet das Projekt offiziell in den Verbandsgemeinden Speicher und Gerolstein. Kooperationen mit den beiden Kommunen hätten sich, wie Schneider sagt, mehr oder minder spontan im direkten Kontakt mit den Bürgermeistern ergeben. Wenn die Aktion Erfolg habe, und auf Resonanz stoße, könnte das Modell aber Schule machen. Und sich auch in anderen Eifeler Kommunen verbreiten.

Dafür brauche es dann aber auch noch mehr Freiwillige. Einige „Eifelohren“ hätten sich zwar bereits rund um Speicher und Gerolstein gefunden, sagt Schneider. Weitere Ehrenamtler seien aber jederzeit willkommen.

Koordiniert wird der Cari-Talk rund um Speicher von Thomas Schneider, in Gerolstein übernimmt Michaela Merx, die Gemeindeschwester Plus. Kooperationspartner ist außerdem Ursula Berrens von der Caritas-Anlaufstelle für Senioren in der VG- Speicher.

Sie kennen jemanden, der einsam ist und Zuwendung gebrauchen könnte? Oder sie wollen selbst „Eifelohr“ werden? Dann melden Sie sich bei Thomas Schneider unter Telefon: 0170/2015916 oder E-Mail: t.schneider@caritas-westeifel.de. Oder bei Michaela Merx unter Telefon: 0151-10287547 oder E-Mail: m.merx@caritas-westeifel.de

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort