Gestörte Ruhe in Bleialf

Immer wieder kommt es zwischen dem Jugendlager der Gemeinde und dem angrenzenden Campingplatz zu Konflikten wegen Ruhestörungen. Der Vorschlag der Liste "Bleialf Aktiv", die Leitung des Ferienlagers deshalb auf den Campingplatz zu übertragen, fand allerdings keine Mehrheit im Gemeinderat.

Bleialf. Keine Ruhe: Zwischen dem Campingplatz und dem Jugendlager der Ortsgemeinde kriselt es. Denn Campingplatz-Betreiber Camiel van der Horst beklagt, dass seine Gäste durch nächtlichen Lärm der Jugendlichen gestört werden. Immer wieder komme es zu Problemen. Die Hausordnung werde einfach nicht eingehalten. Daher hat er sich an die Liste "Bleialf Aktiv" gewandt. Diese stellte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats den Antrag, die Leitung über das Jugendlager an den Campingplatz zu übertragen. "Es geht uns nicht um Personen, sondern um die Sache", sagte Fraktionsvorsitzender Oliver Grunow. Man müsse klären, wie man ein vernünftiges Miteinander hinbekomme.

Van der Horst zeigte sich überzeugt, für Ruhe sorgen zu können, wenn er zuständig wäre: "Ich habe das besser im Griff als jeder andere." Man müsse klare Ansagen machen, dass entweder Ruhe herrsche oder die Gruppe abreisen müsse.

Verantwortlich für das Jugendlager ist seit rund elf Jahren die Familie Hacken. Die Klagen seien ihm bekannt, sagte Egon Hacken. Er sei deshalb oft mit Ortsbürgermeisterin Edith Baur nachts unterwegs. Schon bei der Anreise würden die Gruppen auf die Hausordnung und die Nähe zum Campingplatz hingewiesen. Ihn verwundert allerdings die Häufung der Klagen in den letzten Wochen. Außerdem sei er enttäuscht, dass niemand von der Liste "Bleialf Aktiv" mit ihm gesprochen habe, um auch die andere Seite zu hören. "Das wäre anständig gewesen." Denn dann hätte er sagen können, was er nun in der Sitzung nachholte: dass es nämlich auch Klagen von Jugendgruppen über den Campingplatz-Betreiber gebe. So sei er unter anderem Anfang August in ein Zelt von zwei Betreuern gegangen und habe Bedrohungen geäußert.

Neu sind die Probleme zwischen den beiden Einrichtungen nicht. Wie VG-Bauamtsleiter Ewald Dockendorf berichtete, wurde die Situation bereits bei einer Campingplatz-Erweiterung 2001 diskutiert. Damals wurde vertraglich geregelt, dass der Campingplatz, wenn er sich in Richtung Jugendlager ausdehnt, einen Lärmschutzwall auf eigene Kosten bauen müsse. Ein rund eineinhalb Meter hoher Wall wurde zwar angelegt, ist aber mittlerweile mit Unkraut überwuchert und in sich zusammengesackt.

Nicht zuletzt wegen dieser Ausführungen fand der Antrag der Liste "Bleialf Aktiv" keine Mehrheit. Bei der abschließenden Abstimmung stimmte die Liste Bleialf Aktiv für den eigenen Antrag. Bei zwei Enthaltungen und 10 Nein-Stimmen wurde der Antrag dennoch abgelehnt.

Meinung: Hausaufgaben machen

Wenn Jugendliche ihre Freizeit in einem Ferienlager verbringen, kann es nachts schon mal lauter werden. Das lehrt die Erfahrung, Hausordnungen hin oder her. Das ist kein Freibrief für nächtlichen Radau, aber es muss berücksichtigt werden, wenn man sich erweitert. Umso unverständlicher ist es, warum der Campingplatz nicht zuerst seine Hausaufgaben erledigt und den Lärmschutz so herrichtet, wie es vor zehn Jahren gefordert worden ist. Das würde das Konfliktpotenzial reduzieren. Genauso unverständlich ist es, warum stattdessen allein ein Wechsel bei der Leitung die Lösung sein soll. Das heißt ja nichts anderes, als dass die bisher Verantwortlichen ihre Aufgabe nicht erfüllen - nur so offen spricht es niemand aus. Offenbar geht es sehr wohl um Personen und nicht um die Sache. c.brunker@volksfreund.de

Extra: Das Jugendlager in Bleialf ist eine Einrichtung der Gemeinde. In den zehn tipi-artigen Holzhütten stehen rund 70 Betten zur Verfügung. Zwischen 8000 und 10 000 Übernachtungen zählt die Einrichtung jedes Jahr. Der angrenzende Campingplatz hat rund 200 Stellflächen und wird seit 2000 von der Familie van der Horst betrieben. ch

Korrektur: In unsere Berichterstattung über die Gemeinderatssitzung in Bleialf zum Konflikt zwischen Campingplatz und Jugendlager hat sich leider ein Fehler eingeschlichen. Bei der abschließenden Abstimmung hat sich die Liste Bleialf Aktiv nicht wir ursprünglich gemeldet enthalten, sondern für den eigenen Antrag gestimmt. Bei zwei Enthaltungen und 10 Nein-Stimmen wurde der Antrag dennoch abgelehnt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.