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Gesucht: Ein neuer Turmwächter von Prüm

Gesucht: Ein neuer Turmwächter von Prüm

Hoffen auf neue Basilikabewohner: Die katholische Pfarrei Prüm hat gemeinsam mit dem Naturschutzbund Nabu auf einem der Basilikatürme einen Nistkasten für Wanderfalken aufgestellt. Aufgabe der Vögel, wenn sie dort einziehen: die Tauben zu verjagen.

Prüm. Kommen sie, kommen sie nicht? Der katholische Prümer Pfarrer Christian Müller hofft sehr darauf, dass sich im rechten der beiden Basilikatürme bald ein Wanderfalken-Pärchen einnistet. "Der Anlass ist eigentlich die Taubenplage an der Basilika", sagt Müller. Die Vögel hinterlassen nämlich so einiges an Dreck auf Dach und Mauerwerk. "Da haben wir überlegt: Was kann man da tun - und gehört, dass es an manchen Kirchen Nistplätze für Wanderfalken gebe."
Das wäre doch auch etwas für Prüm, dachten sich Pastor und Verwaltungsrat. Die Kirchengemeinde nahm Kontakt mit Jan-Roeland Vos auf. Der Grafiker, Vogelkundler und Naturschützer, in den Niederlanden geboren, lebt seit vielen Jahren in Habscheid und betreibt dort ein Büro für Gutachten zu den Vögeln der Region und zur Biotoppflege. Vos kennt sich auch mit Nisthilfen aus: Vor einiger Zeit brachte er einen solchen Holzkasten an einer Autobahnbrücke an. Und tatsächlich: Ein Falkenpaar zog ein. "An der Brücke musste ich zwei Jahre warten", sagt Vos. "Aber es hat sich gelohnt." Und wie sieht es in Prüm aus? "Die Chance ist sehr reell", sagt Vos. "Die Jungfalken streifen herum. Und es ist erstaunlich, wie schnell sie sich an geeigneten Orten niederlassen."
Ein geeigneter Ort: Das sei auch der Basilikaturm. "Es sind Tauben da, andere Vögel und Wald in der Nähe. Da wird er schon auf seine Kosten kommen." Vos zerstreut auch die Sorge, dass der Falke zum reißenden Räuber an allerlei Tieren werden könnte, zum Beispiel den Krähen: "Das ist nicht zu befürchten. Die Saatkrähe hat eine sehr gute Population. Das ist die größte Brutkolonie hier in der Nähe. Und die Krähe ist auch ein bisschen groß für den Falken." Außerdem, sagt Pastor Müller, sei das eben die Natur. Und: "Der Falke holt sich schon mal eine Taube. Aber gleichzeitig haben die Respekt vor ihm - und dann verziehen sie sich."
Der Kasten ist installiert, "ich kann ihn von meinem Fenster aus sehen", sagt Christian Müller. Auch das Ansitzbrett, über das die Tiere in den Turm spazieren können, ist angebracht: "Das sieht man sehr schön, wenn man in der Eisdiele sitzt", sagt Jan-Roeland Vos. Gebaut hat die Nisthilfe der Schreiner Peter Brixius aus Godingen an der Sauer, das Gerüst, an dem er fixiert ist, lieferte Markus Thies aus Pronsfeld. Weiteres Fachwissen steuerten Vertreter der Nabu-Gruppen Südeifel und Kylleifel bei.
Und auch die Prümer Schüler sind ins Projekt eingebunden: Clemens Hackenberg, Vorsitzender im Nabu Kylleifel und Lehrer an der Realschule plus, behält mit den Jugendlichen den Kasten ebenfalls im Auge.
Noch ist kein Falke aufgetaucht. "Aber wir hoffen, dass sich da ein Paar findet", sagt Pastor Müller. "Man kann das nicht erzwingen, sondern muss der Natur ihren Lauf lassen." Es wäre jedenfalls, so findet er, auch eine weitere Attraktion für die Stadt. Und was ihn besonders freut: Der wissenschaftliche Name des Tiers lautet "falco peregrinus". Und peregrinus heißt auf Deutsch: Pilger.
Extra

Rasend schnell sind sie, die Falken, und sie können in der Luft richtige Kunststücke vollbringen. Der Wanderfalke, sagt Fachmann Jan-Roeland Vos, "ist der größere Bruder des Turmfalken". Wenn er genug Nahrung (beim Falken sind das andere Vögel) finde und Platz, um seine Eier zu legen und den Nachwuchs großzuziehen, dann lasse er sich sogar in Städten und Industriegebieten nieder. Auch am Kölner Dom sei das Tier zu Hause. "Der Wanderfalke baut kein Nest, sondern legt seine Eier in großer Höhe ab, auf gut anfliegbaren Kanten und in Nischen", sagt der Experte. Das können hohe Häuser sein, Türme, aber auch Felsen. Weil aber immer mehr Gebäude für die Tiere verschlossen werden, kann man ihnen mit einem Nistkasten helfen - wie jetzt in Prüm. fpl