Gesucht: Neue Ideen für ein Lebenswerk

Gesucht: Neue Ideen für ein Lebenswerk

Wie geht es mit dem Prümer Museum weiter? Aus gesundheitlichen Gründen kann sich der bisherige Leiter Franz-Josef Faas nicht mehr um die Einrichtung kümmern. Auch über einen Umzug des Museums mit seinen 12 000 Ausstellungsstücken wird nachgedacht.

Prüm. "Eifelbauer" - unter diesem Namen wurde Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine Zeitschrift in der Westeifel verkauft, eine "Wochenschrift für fortschrittliche Land- und Volkswirtschaft". Eine Ausgabe davon - die vom 26. April 1913 - hat den Weg durch die Wirren der Zeit überlebt und ist mittlerweile im Prümer Museum zu sehen. Ein Ausstellungsstück unter vielen. Auf vier Etagen im Gebäude der Verbandsgemeinde-Verwaltung ist ausgestellt, was Leiter Franz-Josef Faas in den vergangenen fast 50 Jahren überall in der Eifel an Funden zusammengetragen hat - rund 12 000 Exponate. Von Versteinerungen aus der Frühgeschichte der Erde, dem Devon, bis zu Trockenhauben, alten Feuerwehr-Pumpenwagen und Fotografien berühmter Menschen, die irgendwann einmal die Abteistadt besucht haben. Außerdem wird die Geschichte der Abtei von ihren Anfängen bis zur Auflösung geschildert.Doch aus gesundheitlichen Gründen kann sich der 88-jährige Faas nicht mehr um das Museum kümmern, das viele als "sein Kind" bezeichnen. In der Stadt wird nun überlegt, wie man die Einrichtung attraktiver machen kann, damit wieder mehr Menschen dorthin finden. Denn der Besucherzuspruch ist überschaubar, rund 1000 sind es pro Jahr. Darunter sind viele Schulklassen, die einen Ausflug machen, oder der eine oder andere Tourist. Doch gerade die Schulen finden seltener den Weg ins Museum, sagt Jakob Weinand, der erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde (VG). "Seit rund zehn Jahren werden das immer weniger." Auch viele Einheimische würden das Museum gar nicht kennen. Barbara Hiltawski, die Vorsitzende der SPD-Fraktion im VG-Rat, wünscht sich eine professionelle Führung für diese "einmalige geschichtsrelevante Einrichtung". Das Museum sei "durch die Arbeit von Herrn Faas zu einem Kronjuwel geworden", sagt Hiltawski. "Man hat nur manchmal den Eindruck, dass es in einem Safe verschlossen ist." Man freue sich, dass so viele Leute es aufrechterhalten. "Aber wir denken, das Marketing ist nicht optimal." Außerdem platze es aus allen Nähten, und es gebe kaum noch Räume für Sonderausstellungen. "Wir haben uns darüber Gedanken gemacht: Wenn das Kreiswasserwerk aus der ehemaligen Verwaltung rausgeht, wäre das ein guter Ort. Da hätten wir zwei Jahre Zeit", sagt Hiltawski. Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm, räumt Handlungsbedarf ein: "Wir hatten das Thema auch schon. Herr Faas lebt mittlerweile in Trier, wir möchten ihm einen schönen Abschluss ermöglichen. Er ist nicht umsonst Ehrenbürger." Zurzeit laufe das Museum in ehrenamtlichem Betrieb. "Wir haben uns lange bemüht, einen Nachfolger aus dem Bereich der Prümer Pädagogen zu finden. Das ist uns misslungen." Jetzt müsse man sich Gedanken machen, wie es weitergehen könne. www.volksfreund.de/videosMeinung

Den Unersetzlichen ersetzenMenschen wie Franz-Josef Faas sind nahezu unersetzlich. Es ist beeindruckend, mit welch großem Engagement er das Museum über die Jahrzehnte aufgebaut hat. Die Bezeichnung "Kleinod" ist wahrlich nicht übertrieben. Und doch steht die Verbandsgemeinde Prüm nun vor der schweren Aufgabe, jemanden zu finden, der sich des Museums annimmt und überdies Ideen hat, wie man wieder mehr Menschen anlocken kann. Grundsätzlich wäre es natürlich wünschenswert, neue Räume zu finden, die mehr Platz bieten als der beschränkte Bereich unter dem Dach der Verbandsgemeinde-Verwaltung. Ein solcher Umzug böte auch die Chance, die Ausstellung neu zu strukturieren, so dass Besucher sich einfacher zurechtfinden. Überlegenswert wäre außerdem der Ansatz, den Blick des Museums stärker auf die Karolinger und die bedeutende Klostergeschichte zu richten, sodass etwa der Name "Karolinger-Museum" interessierten Einheimischen und Gästen eine bessere Vorstellung von dem bietet, was sie in den Räumen erwartet. Das würde zudem dem Wunsch vieler entsprechen, diesen Teil der Prümer Geschichte stärker nach außen herauszustellen. Doch darf man dabei auch die Kosten nicht aus den Augen verlieren. Wer sich auch immer dieser Aufgabe in Zukunft annimmt, er hat eine große Herausforderung vor sich. c.brunker@volksfreund.de Das Museum wurde 1929 gegründet, einer der Initiatoren war der Landrat und spätere Vorsitzende des Eifelverein Alexander Schlemmer. Erste Heimat fand es im Keller der ehemaligen Benediktinerabtei. Im Krieg gingen alle Ausstellungsstücke verloren. Erst 1966 wurde wieder damit begonnen, einen Fundus zusammenzutragen. Verantwortlich seit diesen Tagen: Franz-Josef Faas. 1973 konnte das Museum wieder eröffnen. Seit 1987 ist es im ehemaligen Krankenhaus, der heutigen Verbandsgemeinde-Verwaltung, untergebracht. Auf insgesamt rund 1300 Quadratmetern wird dort die Geschichte der Abtei und der Stadt vermittelt. Der Eintritt kostet einen Euro für Erwachsene, Kinder zahlen 50 Cent. Die Aufsicht während der Öffnungszeiten (vom 1. Juni bis zum 15. September: dienstags, donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr) übernehmen ehrenamtliche Helfer. Träger der Einrichtung ist die Verbandsgemeinde Prüm, rund 25 000 Euro kostet der Betrieb pro Jahr, dazu kommt noch ein Budget von 5000 Euro jährlich für Neuanschaffungen. ch