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Gesundheit darf nicht zur Ware für Profiteure werden

Gesundheit darf nicht zur Ware für Profiteure werden

Konzentration auf ein Thema - und angeregte Diskussion mit den Zuhörern: Die Vertreter von Die Linke haben am Freitagabend in Prüm erläutert, was sie an der Gesundheitspolitik ändern würden, wenn man sie ließe.

Prüm. Genussfeindlichkeit kann man, zumindest als Raucher, der Partei Die Linke nicht vorwerfen: Beim Wahlkampfabend in der Jugendherberge Prüm verteilt sie Feuerzeuge mit eingebautem Flaschenöffner.
Dabei geht es am Freitag vor allem um die Gesundheit: Dazu haben sich die regionalen Vertreter Hildegard Slabik-Münter (Vulkaneifel), Marco Burbach (Bitburg-Prüm) und Spitzenkandidatin Kathrin Meß (Trier) Verstärkung eingeladen: Kathrin Vogler, Bundestagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecherin der Partei.
Sie treffen auf ein kleines aber aufmerksames, diskutierfreudiges Publikum: Gesundheit, sagt Kathrin Vogler, sei Menschenrecht - sofort schränkt Zuhörer Horst Pfeiffer aus Niederprüm ein: Nein, nicht Gesundheit - aber die bestmögliche Behandlung, die solle für jeden möglich sein.Landtagswahl 2016


Die gibt es aber im Land nicht, findet man bei der Linken: Denn der Sektor sei mehr und mehr dem Kapitalismus vorgeworfen worden, eine Kommerziaslisierung, die allein den Konzernen diene. "Gesundheit wird immer mehr zur Ware, es geht viel zu sehr um die Frage, ob man damit Geld verdienen kann", sagt Kathrin Vogler. Das habe unter anderem zur Folge, dass die Städte über-, die Dörfer aber unterversorgt seien. Dass überall Personal abgebaut worden sei, bundesweit fehlten rund 100 000 Pflegekräfte - aber die Preise für Arzneien seien deutlich gestiegen. Wovon vor allem die Pharmaindustrie profitiere. Die wiederum den niedergelassenen Ärzten allerlei Angebote unterbreite, wie die sogenannte Anwendungsbeobachtung: Da erhalte der Doktor Geld vom Konzern, wenn er ein neues Mediament einsetze.
Das aber sei "reines Marketing", denn eine Studie von Trasparency International belege, dass diese Beobachtungen "zu 99 Prozent keinen Nutzen für die Patienten oder die Wissenschaft" böten. Es gehe schlicht darum, eine neue Arznei zu verkaufen.
Was die Linke ändern will - und was der eine oder andere Zuhörer "utopisch" fand: Der Gesundheitssektor gehöre zurück in die öffentliche Hand. Und wer bezahlt's?: "Alle", sagt Kathtin Vogler. "Mit einer solidarischen Gesundheits- und Pflegeversicherung." Dabei würden alle den gleichen Prozentsatz auf ihr Einkommen zahlen. Es wäre das Ende der privaten "Rosinenpicker"-Krankenversicherungen. Und damit, sagt die Linke, die das alles auch durchgerechnet hat, blieben zum Beispiel einem Versicherten mit einem Monatseinkommen von 2900 Euro brutto am Jahresende 1000 Euro mehr in der Tasche. fpl