Geteerter Weg zur Insolvenz

Geteerter Weg zur Insolvenz

BETTINGEN. Seit März ist die K 7 zwischen Bettingen und Oberweis wegen Straßenarbeiten gesperrt. Eigentlich sollte die Verbindung bereits seit Juli wieder befahrbar sein, doch Probleme an einer Stützmauer haben die Maßnahme verzögert. Für Gaststätten- und Geschäftsbetreiber in Bettingen bedeutet das zum Teil hohe finanzielle Einbußen, weil die Kunden ausbleiben.

Die "Arte Kulturkneipe" von Reinhard Hager liegt am Ende einer Sackgasse. Das gilt derzeit sowohl für die geografische als auch für die finanzielle Lage seines Bistros. "Wir bewegen uns nahe der Insolvenz", sagt der Wirt aus Bettingen. Ansonsten aber bewegt sich wenig. Seit März dieses Jahres wird die Kreisstraße zwischen Bettingen und Oberweis erneuert und ist aus diesem Grund gesperrt. Wer von Oberweis kommend nach Bettingen will, muss über Olsdorf fahren. Touristen finden kaum nach Bettingen

Das ist ein Umweg, den viele nur ungern in Kauf nehmen, vor allem Touristen und Gäste des Oberweiser Campingplatzes. Und von denen, die sich dennoch nach Bettingen verirren, gelangt kaum einer bis zu der Stelle, wo es nicht mehr weiter geht: Den Durchgangsverkehr, von dem Hager vor allem während der Ferienzeit profitiert, hat der Kneipier in diesem Sommer noch nicht gesehen - Baustellenfahrzeuge ausgenommen. "Anfangs hieß es noch, es werde zwei, drei Monate dauern", sagt Hager, doch mittlerweile kursieren Gerüchte an seiner Theke und im Rest der Bettinger Gemeinde, wonach frühestens im Spätherbst, wenn nicht sogar im Winter mit einer Öffnung der Strecke zu rechnen sei. Helmut Barz von der Straßenmeisterei Irrel ist da jedoch weitaus zuversichtlicher und erklärt, dass die Straße voraussichtlich Mitte September wieder befahrbar sein werde. Dass es sich überhaupt so lange verzögert habe, liege an der Stützmauer in Höhe der Kläranlage zwischen Bettingen und Oberweis. "Ursprünglich sollte die Mauer auf Steinen aufgesetzt werden", sagt Barz, "aber die waren gar nicht vorhanden." Deshalb habe sich die Statik und der Unterbau geändert, fügt er hinzu. Jetzt aber sei das knapp 250 Meter lange Mauerwerk weitestgehend fertig und müsse nur noch verfüllt werden. Anschließend werde eine 40 Zentimeter dicke Tragschicht aufgebracht und der komplette Abschnitt schließlich mit einer Deckschicht überzogen. Dass diese Arbeiten bis kommenden Monat abgeschlossen sein werden, glaubt Reinhard Hager jedoch nicht. Rosemarie Ambros auch nicht. Ihre Familie betreibt in der Bettinger Ortsmitte eine Metzgerei sowie einen Gastronomiebetrieb. Letzterer wurde vor knapp zwei Jahren im Zuge der Marktplatz-Neugestaltung erweitert - inklusive Biergarten für die Sommergäste, von denen es in diesem Jahr trotz Rekordwetter deutlich weniger gab als in den Jahren davor. "Die Saison ist gelaufen, der Sommer ist vorbei", sagt Rosemarie Ambros, und dass die Verbindung nach Oberweis gesperrt ist, merkt sie nicht nur in der Gaststätte, sondern auch in der Metzgerei. Die Straßenarbeiten und die damit verbundene Sperrung nehme man auch im Hause Ambros gerne in Kauf, dass es allerdings so lange dauere, sei sehr ärgerlich. Für sie wie auch für die Kulturkneipe, den Lebensmittelladen einige Meter oberhalb der Metzgerei, den Getränkehandel unterhalb oder aber das Bäckerlädchen im Ort. Auf Grund fehlender Kundschaft hat die Betreiberin der Bäckerei die Öffnungszeiten in diesem Sommer deutlich verkürzt und das Geschäft zwischenzeitlich für zwei Wochen sogar komplett geschlossen. Und als seien die Bettinger derzeit nicht schon genug von der Außenwelt abgeschnitten, wird jetzt auch noch die K 4 zwischen Stockem und Halsdorf bis voraussichtlich Ende Oktober ebenfalls wegen Straßenbauarbeiten gesperrt. Davon bleibt die derzeitige Umleitung von Oberweis über Olsdorf nach Bettingen zwar unberührt, doch für Rosemarie Ambros ist das wenig Trost, wird dadurch doch der Weg in und aus Richtung Mettendorf auch erschwert: "Wenn da jetzt auch noch eine Umleitung kommt, finden uns die Leute gar nicht mehr."

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