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Getränkemarkt Berger in Bitburg schließt - aber nicht freiwillig

Zahlungsunfähig : Kampf um Geschäft verloren – Getränkemarkt Berger in Bitburg meldet Insolvenz an

„Ich bin dann mal weg“ – so lauten die trockenen Worte von Inhaberin Cornelia Uhl. Ihr Getränkefachhandel in Bitburg ist zahlungsunfähig. Welche zwei Gründe dafür verantwortlich sind.

Dem Getränkegroßhandel Berger ist die Luft ausgegangen. Zwei Jahre Corona und eine Langzeitbaustelle vor der Tür haben dem Betrieb extrem geschadet. Unternehmerisch hatte Inhaberin Cornelia Uhl noch versucht, zu retten, was zu retten ist. Ein „Drive In“ sollte das Einkaufen in Zeiten des Coronavirus sicherer machen.

Stichwort „social distancing“. Auf der Homepage, YouTube und Facebook warb der Getränkemarkt mit den Worten: „Ein Abholmarkt, in dem Sie mit dem Auto direkt in die Verkaufshalle fahren, bestellen und Ihr Kofferraum wird von unserem Team geladen – ein einmaliges Angebot in der Großregion.“ Das ist jetzt vorbei. Und daran habe das Coronavirus seinen Anteil, sagt Conny Uhl.

Insolvenzverwalterin nennt eindeutigen Grund

Die Unternehmerin hat den Getränkehandel am Königswäldchen, der ursprünglich von Namensinhaber Matthias Berger gegründet wurde, 2008 übernommen. In dem gepachteten Betrieb hat sie vier Mitarbeiter beschäftigt. Nach Angaben der Insolvenzverwalterin Kathrin Hell von der gleichnamigen Bitburger Anwaltskanzlei beruht die Insolvenz vor allem auch auf Umsatzrückgängen infolge der Corona-Pandemie, in der viele Veranstaltungen und private Feiern ausgefallen sind.

Inhaberin Cornelia Uhl sieht einen weiteren Grund für die Umsatzeinbußen in der Sperrung der direkten Zufahrtsstraße „Kölner Straße“ zum Betrieb. Fünf Monate lang, von Juni bis in den Oktober 2021 hinein, war die Zufahrt gesperrt. „Den ganzen Sommer. Die Zeit, in der das Meiste getrunken wird“, blickt Cornelia Uhl zurück. Nur noch über komplizierte Umwege fanden Kunden den Weg zu dem Getränkemarkt.

Umsatz brach um 25 Prozent ein

Ein klein wenig kam die Stadt der Unternehmerin entgegen und öffnete einen Wirtschaftsweg, das Schlangenpfädchen, für die Kundschaft. Trotzdem hatte Cornelia Uhl Bedenken wegen der eingeschränkten Erreichbarkeit. Zu Recht, wie sie heute weiß. „Über die Umleitung durch Matzen und aus dem Norden sind wir ja auch weiter erreichbar, aber ich mache mir schon Sorgen“, sagte Uhl im Juli 2021 während der Baustellenphase unserer Zeitung. Durch Corona sei schon einiges weggebrochen, „da fehlt dann selbstverständlich jeder Kunde, der nicht kommt, umso mehr.“ Um 25 Prozent brach der Umsatz ein. „Was blieb, war zu wenig“, sagt Uhl heute.

Dass es überhaupt eine Straßensperrung geben würde, habe sie erst in der Rathauszeitung gelesen. „Ich wurde gar nicht informiert“, sagt sie. „Das war schon komisch“, beurteilt sie die Informationspolitik der Stadt. Daraufhin habe sie Flugblätter verteilt, um ihre Kunden über die Öffnung des Schlangenpfädchens zu informieren. Mehr Möglichkeiten sah sie nicht. „Die Sache war lange beschlossen. Dagegen konnte ich nichts unternehmen.“

Wie es weitergeht? „Konkrete Aussagen über eine eventuelle Weiterführung des Betriebes sind zu diesem frühen Zeitpunkt nicht möglich und auch nicht angezeigt“, so die Insolvenzverwalterin.

Und was macht Cornelia Uhl? „Ich gehe jetzt nach Hause“, antwortet sie trocken, „und bin dann mal weg.“ Sie stelle sich auf den Ruhestand ein. Was ihre vier Angestellten betrifft, sei sie „optimistisch“, dass sie eine andere Arbeit finden.

(sys)