Gewaltsamer Tod auf dem Feld
Wiesbaum · Mitten in Wiesbaum auf einer Kreuzung steht ein beeindruckendes graues Buntsandsteinkreuz. Es ist fast vier Meter hoch und erinnert an ein Ereignis, bei dem der Ritter Johann Oswald Mohr vom Wald auf tragische Weise aus dem Leben schied.
Wiesbaum. Während der Feudalzeit zählten die Familien Mohr vom Wald zu den bedeutenden Rittergeschlechtern der Eifel. Sie begegnen uns vielerorts, so in Daun (Waldenhof), an der Mosel, im Hunsrück und in weiten deutschen Landen. Angesehene Vertreter dieser weitverzweigten Familie genossen bei Kaiser und Königen hohes Ansehen und Vertrauen.
Zum Beispiel wurde 1634, mitten im Dreißigjährigen Krieg, der Wallensteinische Offizier, Oberst Friedrich Wilhelm Mohr von Wald, beauftragt, Kaiser Ferdinand eine schriftliche Botschaft zukommen zu lassen.
Als der Krieg endete, der die Eifel total verwüstete und mehr als die Hälfte der Bevölkerung aussterben ließ, gab es für einen anderen Spross jenes Rittergeschlechtes ein tragisches Ende. Es war Johann Oswald Mohr von Wald. Am 17. Oktober 1650 fand er bei Wiesbaum seinen Tod.
Geklärt sind die Umstände bis heute nicht genau. Die Volksüberlieferung will wissen, dass "Auf dem Hasselt", etwa 20 Minuten von Wiesbaum entfernt, ein militärisches Lager gewesen sein soll.
Zwischen diesem und umherziehenden feindlichen Soldaten sei es dann auf dem "Stückchen", einem Felde nahe bei Wiesbaum in Richtung Mirbach, zu einer kriegerischen Auseinandersetzung gekommen. Dabei seien dem Johann Oswald der rechte Arm und die Schulter weggeschossen worden. Als er auf einer Trage zum Verbandsplatz fortgetragen wurde, habe er noch befohlen, an jener Stelle, wo er später seinen Geist aufgeben sollte, ein Kreuz zu errichten. Der Prümer Landrat Bärsch berichtete 1844 ebenfalls vom tragischen Ende jenes Ritters. Er schreibt dazu, er habe gelesen, dass dieser Johann Oswald Mohr von Wald von umherstreifenden Soldaten überfallen und getötet worden sei.
Dorf geschichte(n)
Links ist die Inschrift "Mohr Vom Walde" und rechts "Schilling von Lahnstein" sowie das elterliche Wappen der Familie Mohr vom Wald eingeprägt
Und wenn wirklich an jener Stelle, an der Ritter Mohr vom Wald sein Leben verlor, ein Kreuz errichtet worden war, dann war dies mitten im heutigen Wiesbaum.
Denn genau dort, wo dereinst eine mächtige, uralte Hainbuche gestanden hatte, steht es noch heute. 1923 wurde es um einige Meter versetzt und mit der Front zur Straße hin gedreht. Auf seinem Steinpfosten trägt es eine lateinische Inschrift, die übersetzt etwa folgendermaßen lautet: "Wehe! Hier fiel der sehr edle und ehrenwerte Herr Johann Oswald Mohr von Wald, Herr von St. Peterswald und Reichsberg, den im blühenden unschuldigen Jünglingsalter umherziehende Soldaten am 17. Oktober 1650 grausam niederstreckten. Seine Seele ruhe in heiligem Frieden. Amen."
Der Überlieferung nach soll Oswald Mohr vom Wald auf dem Kirchhof zu Wiesbaum, nahe der Kirchentür, begraben worden sein. Jener Ritter, der "im blühenden unschuldigen Jünglingsalter" starb, war der Sohn des Paul Dietrich Mohr von Wald, Amtmanns zu Echternach und der Anna Katharina Schilling von Lahnstein. Die Familie hatte dereinst in Wiesbaum mehrere Güter und war auch Miteigentümer des dortigen Turmhofes. Viele fahren achtlos an diesem steinernen Dokument vorbei.
Es lohnt sich jedoch, zu verweilen, ein wenig nachzudenken und sich vielleicht den Sinnspruch zu Herzen zu nehmen, der dem Bild des gekreuzigten Erlösers, umgeben von Maria Magdalena und Mutter Maria, zu entnehmen ist. Gleichsam als Mahnung verkündet er (auf lateinisch) "Heute mir - morgen dir".