Geweihtes unter der Lupe

Das seit wenigen Wochen vorliegende neue Verzeichnis der Kulturdenkmäler des Landes sorgt nicht nur wegen der Unterschutzstellung leerer Flächen und der Überraschung mancher Eigentümer für Verwunderung gesorgt (der TV berichtete). Wer die Liste liest, wundert sich auch darüber, dass im Eifelkreis Bitburg-Prüm die meisten Kirchen und Kapellen aufgeführt sind - aber eben nicht alle. Auch ein Gotteshaus muss gewissen Kriterien gerecht werden, damit es als erhaltenswert eingestuft wird.

Bitburg/Prüm. Die Frage, ob ein Kirchengebäude als Kulturdenkmal eingestuft wird, kann nicht zuletzt auch von den innenarchitektonischen Vorstellungen eines Pfarrers abhängen. Diese Erfahrung hat zumindest Joachim Glatz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz gemacht. "Manchmal reicht da schon ein Pfarrerwechsel", sagt Glatz und erzählt von einem Fall, in dem die Einrichtung der Kirche von dem neuen Pfarrer derart geändert worden sei, dass darunter der kulturelle Wert gelitten habe.

Und so sei aus der Kirche aufgrund dieser Änderung kein Kulturdenkmal geworden. Doch solche Beispiele sind eher die Ausnahme, denn die meisten Kirchen in Rheinland-Pfalz und auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm gelten als Kulturdenkmal. Das liegt in erster Linie daran, dass ein Großteil der Gotteshäuser schon ein gewisses Alter hat, was die Einstufung als Denkmal begünstigt. Doch das Baujahr allein ist nicht ausschlaggebend.

Bevor es zur Klassifizierung kommt, werde alles geprüft, sagt Glatz. Und dazu zählten neben dem Alter auch die architektonische Bedeutung, Abweichungen vom Originalzustand oder aber der Anlass für die Errichtung der Kirche.

Und weil es diese Anlässe in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger gegeben hat, ist die Zahl jüngerer Kirchen überschaubar. "Bei uns im Kreis sind eigentlich fast alle Kirchen Kulturdenkmäler", sagt Kreisdenkmalpfleger Michael Berens.

Und dazu zählen auch die neueren Bauten wie beispielsweise in Bitburg die katholische Pfarrkirche St. Peter (errichtet 1956 bis 1958) sowie die evangelische Kirche samt Pfarrhaus in der Trierer Straße (1950 bis 1952), die katholische Filialkirche in Prümzurlay (1956 bis 1960), die Pfarrkirche in Irrel (1961 bis 1962), aber auch die 1951 errichtete Liborius-Kapelle in Echternacherbrück.

Nicht weit von der Liborius-Kapelle entfernt steht auch die im vergangenen Jahr entweihte Notkirche der Gemeinde Echternacherbrück. Die ist weder historisch bedeutsam, noch aufgrund ihrer Architektur erhaltenswert, dafür aber aus Holz, das schon des Öfteren dem Hochwasser der Sauer ausgeliefert war. Und darüber hinaus soll sie ohnehin bald abgerissen werden.

Eine andere Kirche, die wie die Gotteshäuser in Bitburg auch in den 50er Jahren errichtet wurde, es aber nicht in die Gruppe der Kulturdenkmäler geschafft hat, steht in Enzen. "Das ist ein ganz einfaches Gebäude, das für den Kirchenbau dieser Zeit nicht charakteristisch ist", erklärt Berens.

Gleiches gelte auch für die ehemalige Kirche auf dem Bitburger Flugplatzgelände. Die sei wie die meisten Gebäude dort ein "08/15-Normbau". Ohnehin gebe es auf dem gesamten Gelände des ehemaligen US-Stützpunkts kein einziges Kulturdenkmal.